Das hybride IT-Modell

Wie findet sich der erfolgreiche Weg in die Cloud?

| Autor / Redakteur: Ulrich Jänicke und Dierk Schindler* / Ulrike Ostler

Es gibt keine Geschäftsprozesse und Workloads, die sich nicht effizienter gestalten lassen – und somit für die ein oder andere Cloud eignen.
Es gibt keine Geschäftsprozesse und Workloads, die sich nicht effizienter gestalten lassen – und somit für die ein oder andere Cloud eignen. (Bild: Netapp)

Ohne Cloud Computing lässt sich der digitale Wandel nicht meistern. In den meisten Fällen erweist sich eine Mischlösung – eine Hybrid Cloud – als die beste Variante, die Unternehmens-IT zukunftsfähig zu machen. Das gelingt Anwenderfirmen, beachten sie rechtliche, technische und arbeitsorganisatorische Aspekte. So wartet auf die interne IT die neue Rolle des Cloud Managers und Brokers.

Die interne IT soll den Fachabteilungen mehr Speicher in Spitzenzeiten frei geben. Das eigene Rechenzentrum ist aber am Limit, weshalb ein Service Provider die zusätzlichen Kapazitäten bereitstellen wird. Diese Ausgangslage – schwankender Bedarf an bestimmten IT-Ressourcen oder Nachfrage nach Anwendungen, die Geschäftsprozesse vereinfachen oder unterstützen – läutet oft den Einstieg in die Cloud ein.

Den Cloud Service muss die Anwenderfirma in ihre IT-Landschaft integrieren, damit diese flexibel und agil, aber nicht komplexer wird. Genauso gut kann ein gesamter Geschäftsprozess den Anlass liefern, den Weg in die Hybrid Cloud einzuschlagen.

Gefragte Kombination der Cloud-Welten

Das Ziel lohnt, denn eine hybride Cloud vereint bekanntermaßen die Sicherheit der Private Cloud mit der Kosteneffizienz und Skalierbarkeit der Public Cloud-Dienste. Das bedeutet, dass sich Ressourcen innerhalb kürzester Zeit bedarfsgerecht aufstocken oder herunterfahren lassen, wodurch die IT an Geschwindigkeit und Effizienz gewinnt.

Mittlerweile dominiert das hybride Modell weltweit in der Unternehmenswelt. Das hat das IBM Institute for Business Value (IBV) in seiner Studie „Tailoring hybrid cloud: Designing the right mix for innovation, efficiency and growth” ermittelt (siehe: „Hybride Cloud macht das Rennen“, IBM-Studie „Tailoring hybrid cloud“). Demnach betreiben vier von fünf Unternehmen Cloud Computing.

Sie passen Cloud Services jedoch auf dedizierte Anforderungen an. Den Wandel, der sich gerade rasant vollzieht, unterstreicht ein Vergleich zu 2012. Damals bezog nur etwa ein Drittel der Unternehmen aktiv Leistungen aus der Cloud, schreibt IBV.

Ulrich Jänicke, CEO Aconso AG, ist einer der Autoren des Artikels.
Ulrich Jänicke, CEO Aconso AG, ist einer der Autoren des Artikels. (Bild: Aconso)

Nicht alles sollte, dürfte und könnte in die public cloud

Heute stehen IT- und Fachabteilungen ständig vor der Frage, welche Aufgabe ihre Firma lösen muss. In bestimmten Szenarien empfiehlt es sich, die Software On-Premise (On-Prem) zu betreiben. Bei anderen Gegebenheiten eignen sich hingegen Anwendungen aus der Public Cloud besser.

Dieses veränderte Vorgehen führt Unternehmen geradewegs in die Hybrid Cloud, wobei es in der Regel für jedes Unternehmen irgendwann auf einen Mix an Lösungen hinausläuft. Es gilt, in intensiven Auseinandersetzungen Business-Anforderungen, IT-Lösungsoptionen und Transformation so in Einklang zu bringen, dass ein flexibles IT-Service-Portfolio entsteht und der IT-Betrieb effizient läuft.

Den richtigen Takt in die Cloud finden, Schatten-IT verhindern

Man kann nicht von heute auf morgen ein ganzes Rechenzentrum in die Cloud schieben. Unternehmen können sich nur Schritt für Schritt hineinwagen und ein Problem nach dem anderen mit Cloud-Diensten lösen. Irgendwann kommt es zu der Frage, ob die größeren, wichtigen und zentralen Unternehmensthemen sicherer und/oder preiswerter in der Cloud aufgehoben sind.

Wer sich dennoch dem Service aus der Cloud verweigert, riskiert Schatten-IT im eigenen Haus – besonders, wenn Abteilungen nicht die IT-Ressourcen erhalten, die sie anfordern. Beispielsweise mussten Arbeitsgruppen in einem Konzern der Automobilindustrie die Wochenendarbeit organisieren.

Sie brauchten eine schnelle, einfache, kostengünstige Anwendung, die auch zügig eingeführt wird. Die interne IT und die beteiligten Fachorganisationen fanden keine Lösung. Die Betroffenen nutzen schließlich eine WhatsApp-Gruppe, um Schichtpläne zu verteilen und abzustimmen. Das geht anders, besser und sicherer.

Daten strukturieren, klassifizieren, schützen und flexibel verschieben

Cloud-ready werden potenzielle Anwender indem sie ihre Daten strukturieren und klassifizieren. Dabei sollten sich die Cloud-Einsteiger daran orientieren, welche Lösung auf welchen Datentopf passt. Das ist eine Grundvoraussetzung, um eine informierte und wirtschaftlich vernünftige Entscheidung zu treffen.

Der Datenschutz spielt hierbei eine wichtige Rolle und entwickelt sich immer mehr zum Wettbewerbsfaktor. Anwender wollen diesen Aspekt im Vertrag fixieren – und sie schauen deshalb nach einem Rechenzentrum in Deutschland, das ihr potenzieller Service-Provider betreiben soll.

Dieser lokale Ansatz, dass sich das Rechenzentrum im Rechtsraum der Anwender befindet, steht heute weit oben im Anforderungsprofil für einen Service Provider. Erfüllt der Cloud-Anbieter darüber hinaus sämtliche Sicherheitsanforderungen und Datenschutzbestimmungen, beendet das jede Sicherheitsdebatte. Technisch können Anwender noch weiter vorsorgen: Sie sollten in der Lage sein, Daten aus dem eigenen Rechenzentrum in die Public Cloud und umgekehrt zu verlagern. Wer seine Daten flexibel, preiswert und schnell verschieben kann, ist im Vorteil. Solche Anwender sichern sich vor künftigen EuGH-Urteilen ab.

Der zweite Autor des Artikels: Dr. Dierk Schindler, Head of EMEA Legal Field Services & WW Contract Management & Services bei Netapp.
Der zweite Autor des Artikels: Dr. Dierk Schindler, Head of EMEA Legal Field Services & WW Contract Management & Services bei Netapp. (Bild: Netapp)

Interne IT entwickelt sich zum Cloud Broker und Manager

Anwenderfirmen sollten bedenken, dass kein einzelner Anbieter oder Service-Provider die ultimative Hybrid-Cloud-Lösung liefern kann. Das Hauptziel für eine Hybrid Cloud ist daher die Portabilität, um später von einem Provider zu einem anderen wechseln zu können, wenn es die Situation erfordert, um beispielsweise IT-Zyklen weiter zu beschleunigen.

Neben den Prozessen ändern sich auch Rollen und Aufgabengebiete der Beteiligten. So machen Provider die interne IT immer stärker zum Manager und vor allem Broker von bestimmten Services – also auch von Cloud-Lösungen.

Dieser Broker der Hybrid Cloud ist die Schnittstelle zu einem Portfolio an IT-Services – das eigene Rechenzentrum ist da nur noch ein Teil. Der Broker muss fähig sein, zielsicher, fundiert und schnell den optimalen Mix sowie die optimale Lösung für den konkreten Bedarf bereitzustellen. Das bringt eine hohe Veränderungsdynamik in IT-Organisationen, denn es sind nun andere Skills und zusätzliche Kompetenzen sowie andere Teamstrukturen gefragt.

Entwicklungsfähige Umgebungen

Unternehmen erwarten zu Recht, eine angepasste, hohe Compute Power zu geringen Kosten zu erhalten. Über das hybride Modell gelingt es ihnen, die Public Cloud im Sinne der sogenannten Hyperscaler nutzen. So lassen sich Entwicklungs- und Testszenarien etablieren, ohne kräftig zu investieren. Gleichzeitig sind sich Anwenderfirmen oft nicht sicher, ob sie Daten, gerade personenbezogene, in die Cloud verlagern wollen.

Spezielle Storage-Angebote von IT-Spezialisten lösen diesen bekannten Konflikt und verbinden Public-Cloud-Leistungen und -Kosten mit Privat-Cloud-Sicherheit. Die Anwenderfirma behält komplett die Hand auf ihren Daten, die nicht als Kopien beim Verarbeitungsprozess in die Cloud gelangen. Trotzdem steht dem Anwender die immense Geschwindigkeit und Rechenleistung der Cloud zur Verfügung. Im Idealfall kann ein Nutzer, sobald er seine erste Cloud-Verbindung hergestellt hat, beliebig viele Clouds hinzufügen oder schnell zwischen ihnen wechseln.

Sorgfältig Services sondieren

Die interne IT steht vor der Herausforderung, sich vom Selbermachen hin zum Managen zu entwickeln. Vor ihr liegt eine lange Strecke. Die Hybrid Cloud ist jedoch der einzig gangbare Weg – auch unter dem Aspekt, dass man die Fachleute nicht von einem Tag auf den anderen um 180 Grad drehen kann.

Es entscheiden jedoch Nuancen über das „Wohl und Wehe“ einer konkreten Cloud-Nutzung im Unternehmen: technische, ökonomische und rechtliche Aspekte. Edward Snowden, „SafeHarbor“ und viele große wie kleine Daten-Skandale haben dafür gesorgt, dass sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen ihr Hauptaugenmerk auf Datensicherheit und Datenschutz legen.

Anwender müssen daher sorgfältig vorgehen, um Services auszuwählen und sinnvoll miteinander zu einer Hybrid Cloud zu kombinieren. Dieser Lösungsansatz lässt sich als Chance begreifen. Manchmal sind selbst die sensibelsten Daten, wie HR-Daten, in einer spezialisierten Cloud beziehungsweise SaaS-Lösung besser aufgehoben, als in einer unternehmenseigenen IT.

* Ulrich Jänicke ist CEO der Aconso AG und Dr. Dierk Schindler bekleidet die Position des Head of EMEA Legal Field Services & WW Contract Management & Services bei Netapp.

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