Ein Überblick der Linux Foundation

Wichtige Open-Source-Produkte für Clouds

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

Eine Analogie zum Spiralnebel M.51: In den Schwerpunkten moderner IT lassen sich immer mehr Open-Source-Produkte erkennen.
Eine Analogie zum Spiralnebel M.51: In den Schwerpunkten moderner IT lassen sich immer mehr Open-Source-Produkte erkennen. (Bild: NASA, Hubble-Remix)

Clouds aller Art basieren zunehmend auf Open Source und Standard-APIs. Entsprechend sollten Unternehmen für ihre Cloud-Projekte ebenfalls Open-Source-Produkte verwenden. Die Linux Foundation gibt dazu eine Übersicht.

Die krasse Trennlinie früherer Jahre zwischen proprietären und Open Clouds verschwindet zusehends. Kein erfolgreiches proprietäres Angebot verzichtet auf Techniken aus der Open-Source-Welt. Die Unterstützung von Linux-Umgebungen, von Open-Source-Techniken für Virtualisierung, Container, Management-Lösungen, Netzwerke etc. ist auch auf der proprietären Seite geschäftlich unverzichtbar. Das sollte für Cloud-interessierte Anwender Konsequenzen haben, erklärt die Linux Foundation.

Marktzahlen zeigen deutlichen Trend zur Clouds

Um den Hintergrund verständlich zu machen, verweist die Linux Foundation in ihrem Report „Guide to the Open Cloud“ vom November 2016 zunächst auf Befunde diverser Marktanalysten. Unter anderem sollen Demnach 41 Prozent aller Enterprise Workloads auf Public oder Private Clouds laufen. Und diese Zahl soll sich bis Mitte 2018 auf bis zu 60 Prozent erhöhen.

Besonders starkes Wachstum zeigen derzeit hybride Clouds mit einem Jahreszuwachs von 27 Prozent. Befeuert wird der Trend vor allem von großen Unternehmen mit starken IT-Infrastrukturen und vielen, noch unverzichtbaren Legacy-Anwendungen. Sie würden ihre Ressourcen zum Aufbau von Private Clouds nutzen. Hingegen arbeiten weniger als zehn Prozent der mittelgroßen Unternehmen mit hybriden Clouds.

Sind hybride Clouds eine Übergangserscheinung?

Das bewerten die Autoren der Studie der Linux Foundation so: „Hybride Cloud ist also ein guter Übergang für Legacy Workloads und zum Experimentieren mit Cloud-Implementierungen. (..) Langfristig bewegen sich die Workloads weg von hybrider Cloud zu einem Public-Cloud-Markt, der von Diensten wie AWS, Azure und Google Computer dominiert ist.“ Diese Bewertungen, so viel am Rande, dürfte nicht unbestritten sein.

Kennzeichnend für das Public-Cloud-Angebot, so die Studie, ist zum einen seine technische Grundlage: „Die Public Cloud ist selbst zu einem großen Teil auf Open-Source-Software aufgebaut.“ Zum anderen seien die APIs der Public Clouds gut dokumentiert, ihre Frameworks so angelegt, dass Anwender ohne unzumutbare Mühen ihre Anwendungen auf andere Clouds verschieben könnten. Noch etwas am Rande: Von Exit-Preisen ist in der Studie allerdings nicht die Rede.

Zu Recht verweist die Studie darauf, dass Cloud Computing zunehmend mit nativen Cloud-Applikationen verbunden ist. Alle erfolgreichen Internet-Companies arbeiten mit Micro-Services, die, eigens für den Betrieb in einer Cloud entwickelt, minimale Zwecke erfüllen, leicht zu ersetzen sind und konzertiert die Grundlage sehr schneller Entwicklung größerer Applikationen sind. Diese Micro-Services ist sehr portabel, arbeiten mit offenen Standard-Schnittstellen und sind oft genug als Open Source öffentlich verfügbar.

Drei junge Trends

Die Autoren der Open-Cloud-Studie sehen derzeit drei Entwicklungen als entstehende Trends an: Das sind erstens Cloud-native Anwendungen. Zweitens folge der massiven Verbreitung von Containern, vor allem Docker und rkt (ausgesprochen wie „rocket“) nun Tools zu deren Orchestrierung wie Ansible, Puppet oder Chef und Tools zur Bereitstellung von Containern wie Kubernetes, Docker Swarm, Mesos oder Diego.

Einen dritten kommenden Trend sieht die Studie in Unikernels. Das sind auf minimale Funktionen reduzierte Betriebssystem-Kernel, die mit einer Applikation verbunden werden und meist auf einer virtuellen Maschine laufen. Bekannte Unikernel sind MirageOS und OSv.

Capex, Opex und die Vorteile von Open Source

Heutige Cloud-Diskussionen drehen sich kaum mehr um Capex versus Opex (capital/operating expenditures). Ins Zentrum sind zusehends die Kosten der Cloud gerückt, bis man Vorteile aus besserer Agilität und schnellerer Anpassung ziehen kann. Dabei liegt wiederum Open Source nahe, so die Linux Foundation, weil solche Software nicht nur kostengünstiger ist, sondern schneller weitere Werte schafft.

Unter den Vorteilen hebt die Linux Foundation die bessere Qualität des Codes, höhere Sicherheit, geringere Kosten durch gemeinsame Entwicklung, Möglichkeiten zur Anpassung und Erweiterung des Codes, Codetransparenz auf allen Ebenen der Infrastruktur sowie Portabilität und Schutz vor Lock-in hervor.

Die Industrie setzt zusehends auf Offenheit

Das große Interesse von Anwenderorganisationen und inzwischen auch Herstellern gilt einer Offenheit über verschiedene Cloud-Architekturen hinweg. Dies widerspiegelt sich in der Gründung diverser Organisationen, die sich für neue Open-Source-Projekte und Industriestandards in der Cloud engagieren. Zu nennen sind an dieser Stelle die Cloud Foundry Foundation, die Cloud Native Computing Foundation und die Open Container Initiative.

In ihrer Studie gibt die Linux Foundation einen Überblick über Open-Source-Projekte, die für Cloud Computing von größerem Interesse sind. Dieser Überblick erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern stellt nur die aktivsten, reifsten und bekanntesten Projekte vor. Die einzelnen Erläuterungen beschränken sich auf wenige Sätze samt Github-Link, wobei die Projekte ihren Kerngebieten alphabetisch sortiert zugeordnet sind.

Open Source von IaaS ...

Unter Infrastructure-as-a-Service finden sich Apache Cloudstack, HPE Helion Eucalyptus, OpenNebula und OpenStack. Der Bereich Platform-as-a-Service nennt Apache Stratos, Cloud Foundry, Deis Workflow, Flynn, Heroku und OpenShift.

Der Bereich Virtualization, Containers and Cloud Operationg Systems ist mehrfach unterteilt. Dabei gehören zu Micro or minimalist Oses: Project Atomic, CoreOS, Photon OS und RancherOS. Unter Virtualization finden sich KVM, LXC, LXD und Xen Project. Umfangreich ist die Liste unter Management and Automation: Apache Aurora, Apache Mesos, Cloud Foundry Diego, Docker Engine, Docker Swarm, Kontena, Kubernetes, ManageIQ, oVirt, Skippbox, Sysdig, Weaveworks und Wercker. Zehn Unikernels sind aufgeführt: ClickOS, Clive, HalVM, IncludeOS, Ling, MirageOS, OSv, Rumprun, Runtime.JS und Unik.

... bis zum Software-Defined Storage

Bei DevOps IC/CD gibt es drei Unterbereiche. Complete CI/CD Cycle führt an: Concourse, Drone, Hygieia, Jenkins, Shippable und Travis-CI. Zu Configuration Mangement gehören: Ansible, Chef, Puppet und Salt Open. Logging und Monitoring umfasst: Fluentd, Heapster, Logstash, Prometheus und Weave Scope.

Das Segment Software-Defined Networking (SDN) führt zunächst übergreifend an: Onox, Opencontrail, OpenDaylight, Open vSwitch und OPNFV. Im spezielleren Networking for Containers sind genannt: Flannel, Libnetwork, Project Calico und Weave Net.

Abschließend gibt es eine Übersicht zu Software-Defined Storage. Hier sind erwähnt: Apache Cassandra, Ceph, CouchDB, Docker Volume Plugins, GluserFS, MongoDB, Nexenta, Redis, Riak CS und Swift.

Open Source kennzeichnet IT-Innovationen

Es fällt an der Aufstellung auf, dass einzelne Produkte Teile umfassenderer Projekte sind, was die Studie auch erwähnt. Allerdings verschleiert die Methode doch ein wenig die Bedeutung einiger umfassender Projekte oder ihr Zusammenwirken, zum Beispiel im Fall OpenStack. Die Linux-Foundation enthält sich jeder Bewertung, auch von Einzelfaktoren der Projekte. Angesichts dessen wären etwas umfangreichere Beschreibungen der Projekte hilfreich und zu begrüßen gewesen.

Gleichwohl zeigt schon die Masse der Projekte deutlich, welche Breite das Open-Source-Angebot im Cloud Computing hat. Open Source ist nicht mehr nur das Entwicklungsmodell für eine wirre Masse von Applikationen, sondern die tragende Kraft von innovativen Trends in der IT.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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