Konsolidierung heißt Weichenstellung Wer konsolidiert, gewinnt

Autor / Redakteur: Jörn Kellermann* / Ulrike Ostler

Eigentlich gibt es keinen Weg daran vorbei: Ressourcen, Werkzeuge und Prozesse müssen in einer homogenen Infrastruktur gebündelt werden. Das verspricht höchstmögliche Effizienz. Doch scheuen viele Unternehmen Konsolidierungsmaßnahmen, nicht zuletzt wegen der hohen Komplexität. Doch mit der richtigen Strategie und einer durchdachten Planung lässt sich die Konsolidierung meistern.

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Wer nicht konsolidiert, verpasst die Zukunft.
Wer nicht konsolidiert, verpasst die Zukunft.
(Bild: © textune - Fotolia)

Wachsen und innovativ sein kann heute nur, wer wirtschaftlich arbeitet und auf neuartige Technologien wie Cloud & Co setzt. Zu den größten Herausforderungen 2016 zählen CIOs daher weiterhin, die Effizienz des IT-Betriebs zu steigern, die Kosten zu senken und gleichzeitig zeitgemäße, moderne Systeme aufzubauen (Capgemini 2016). Mit standardisierten und konsolidierten IT-Strukturen lässt sich beides stemmen.

Am Anfang war die Standardisierung

Grundvoraussetzung für eine effiziente, zukunftsfähige IT ist die Standardisierung von Infrastrukturen, Applikationen, Prozessen oder ganzen Liefermodellen. Denn nur vereinheitlicht kann man IT-Systeme sinnvoll zusammenführen und straffen.

In den meisten Unternehmen ist die IT jedoch historisch gewachsen. Unübersichtliche Systeme, zahllose Applikationen und ein großes vorzuhaltendes Spezialwissen sind die Folge. Das kostet: Bis zu 80 Prozent des IT-Budgets verschlingen die Aufrechterhaltungsmaßnahmen wie Schulungen, Wartung, Change-Management, Lizenz- und Pflegekosten (Realtech 2015). Mit Standards hingegen eliminiert man Insellösungen, minimiert die Komplexität und die Fehleranfälligkeit der IT und entlastet die IT-Abteilung von Basisaufgaben, so dass sie die digitale Weiterentwicklung des Unternehmens vorantreiben kann.

Sind Standards etabliert, kann die Konsolidierung folgen. Da beide Maßnahmen eng miteinander verzahnt sind, verlaufen sie in der Praxis häufig Hand in Hand. Die Konsolidierung bündelt und strafft die vereinheitlichten Ressourcen, Werkzeuge und Prozesse. Ganz nach dem Prinzip: wenige große statt vieler kleiner Plattformen.

Die Vorteile liegen auf der Hand: die Ausgaben werden reduziert, Abläufe beschleunigt, Daten intelligent zusammengeführt. So befreien sich Unternehmen von Altlasten und optimieren die Auslastung. Mit ganz neuen Möglichkeiten, Prozesse zu korrigieren und moderne, digitale Chancen zu aktivieren. Denn je reduzierter und normierter die Systeme, desto anpassungsfähiger ist die IT für dynamische und digitalisierte Geschäftsmodelle.

Königsweg: Sorgfältige Planung, die richtigen Fragen

Doch bei der Umsetzung eines Konsolidierungsprojektes gilt es, Schritt für Schritt zu planen – individuell und ganzheitlich: Vom Status quo über die anvisierten Ziele und die detaillierte Migrationsplanung bis hin zur Schulung der Mitarbeiter. Hier sollten Unternehmen gründlich sein, denn jede in die Konzeptentwicklung investierte Stunde zahlt sich am Ende aus.

Der Verfasser des Artikels, Jörn Kellermann: „In der Konsolidierung liegt der Schlüssel, um die IT anzukurbeln.“
Der Verfasser des Artikels, Jörn Kellermann: „In der Konsolidierung liegt der Schlüssel, um die IT anzukurbeln.“
(Bild: Benjamin Schenk, Foto Studio Hirch D- 64283 Darmstadt)

Zunächst muss man sich eine realistische Übersicht verschaffen: Wie ist der aktuelle Stand der IT?

Wie sehen die finanziellen und personellen Kapazitäten für ein solches Projekt aus? Ebenso wichtig ist es, eine Zieldefinition vorzunehmen und damit die technische Basis festzulegen, an der sich alle späteren Konsolidierungsschritte orientieren. Dabei sollte man berücksichtigen, wie das Unternehmen bestimmte IT-Bereiche in absehbarer Zeit gestalten will: Welche Energie-Effizienz soll erreicht werden, zum Beispiel ein bestimmter PUE-Wert im Rechenzentrum? Wie hoch soll die Auslastung und wie die Verfügbarkeit sein?

Den Überblick behalten!

In diesem Schritt sollte die Komplexität wie die Gesamtsicht im Blick behalten werden; denn leicht können verschiedene Zielsetzungen miteinander kollidieren, wenn man sich zu sehr auf einen Teilaspekt fokussiert. Beispielsweise leidet schnell die Qualität, wenn Kosten zu stark im Vordergrund stehen.

Außerdem sollte auch ein Proof of Concept unter Echtbedingungen fest vorgesehen sein, um die Funktionstüchtigkeit zu überprüfen. Die Erfahrung hat darüber hinaus gelehrt, den Scope nicht zu klein zu wählen – mehrere kleine Konsolidierungsprojekte führen sonst nur wieder zu einem Flickenteppich. Ratsam ist es daher, etwa alle Server oder die gesamte Datenbankumgebung in einem Projekt zu konsolidieren. Deswegen ist es üblich, dass große Transformationsprojekte in Migrationswellen verlaufen, die sinnvoll Infrastruktur und Applikationen bündeln. Wichtig ist es zudem, für jede Phase des Konsolidierungsprojekts einen Qualitätsprüfungsschritt einzuplanen, damit ausschließlich gesicherte Ergebnisse weitergelangen.

Von den Bedingungen zum Design und der Umsetzung

Nachdem eine allgemein gehaltene Skizze vorliegt, gilt es, die genauen Transformationsvoraussetzungen festzuhalten: Um welche Applikationen geht es und auf welche Zielplattformen sollen sie migriert werden? Die Umgebung muss mit Versionen, Patch-Stand, Schutzmechanismen oder Sicherheitslevel und Abhängigkeiten anderer Applikationen erfasst werden.

Davon ausgehend wird in einem Grobdesign die Zielplattform für jede Applikation definiert. Im Anschluss erfolgt die detaillierte Planung jedes einzelnen Migrationsvorgangs. Jeder Migrationsprozess sollte jeweils drei Phasen umfassen:

  • 1. In der Vorbereitungsphase werden die benötigten Zielressourcen bestellt und die Changes vorbereitet. Die unternehmensspezifischen Komponenten wie Datenbanken, Middleware, Provider-Anwendungssoftware und Ähnliches werden in diesem Schritt installiert und getestet.
  • 2. In der Migrationsphase wird die Anwendung zu einem festgelegten Change-Termin auf die zukünftige Betriebsumgebung transportiert und auf das neue System umgeschaltet. Die alte Umgebung wird deinstalliert. Um den laufenden Betrieb nicht zu stören, empfiehlt sich eine Migration zu einem betriebsarmen Zeitpunkt wie einem Wochenende.
  • 3. In der abschließenden Aufräumphase werden die alten Systeme dekommissioniert und die neue Betriebsumgebung weiter verbessert.

Zudem sollten bereits die an die Migration anschließenden Tests vorbereitet und terminiert werden. Erst wenn alle Detailschritte dezidiert geplant und mit den Beteiligten abgestimmt sind, geht es an die Umsetzung.

Ziel erreicht – Vorhaben abgeschlossen? Leider falsch.

Soll die erreichte Effizienz und Auslastung einer Infrastruktur dauerhaft gehalten werden, muss eines klar sein: Konsolidierung ist ein fortlaufender Prozess. Denn technische und organisatorische Veränderungen erfordern immer wieder neue Migrationsschleifen, beispielsweise wenn hinzugekaufte Unternehmensteile integriert werden müssen oder erforderliche Funktionalitäten nur über neue Soft- oder Hardware erreicht werden können.

Die Leistung und der Konsolidierungsstand beziehungsweise -bedarf sollten daher permanent überwacht werden. KPIs helfen, den Überblick zu behalten: Sinnvolle Indikatoren sind etwa die Serverauslastung, Kapazitäten, Personalbedarf oder das Verhältnis von Applikationen auf physischen zu denen auf virtuellen Servern. Als allgemeine Richtwerte gelten: Weichen KPIs um fünf bis zehn Prozent ab, sollten die Alarmglocken läuten, bei mehr als zehn Prozent besteht akuter Handlungsbedarf.

Virtualisierungs-Chancen dank Konsolidierung

Ein wichtiges Thema im Zuge der Konsolidierung ist die Virtualisierung von Servern, Speichern, Betriebssystemen, Desktops oder Applikationen. Server beispielsweise erfordern hohe Investitionen und produzieren laufende Kosten: Sie benötigen ausreichend Platz, müssen gekühlt und gewartet werden und verbrauchen Strom. Dabei sind nicht einmal alle Server vollständig ausgelastet und so bleibt viel Potenzial ungenutzt. Um das zu optimieren, lohnt es sich, bei der Hardwarekonsolidierung auf Technologien zu bauen, die hocheffizient und skalierbar sind – wie die Cloud.

Mithilfe softwarebasierter Lösungen können etwa mehrere Server in einer Hardware betrieben werden, indem ein sogenannter Hypervisor den Betrieb der virtuellen Maschinen regelt und die Ressourcen quasi in Schichten zuordnet. Dadurch werden Ressourcen zusammengefasst, die Auslastung verbessert und die benötigte Hardware reduziert. Damit ist die Virtualisierung nicht nur eine Investition, die sich amortisiert, sondern auch eine wichtige Maßnahme für Green IT.

Mühelos mehr erreichen

Warum schrecken dann immer noch viele Unternehmen vor der Konsolidierung zurück? Zu komplex, zu wenig Know-how, zu wenig Manpower. Wenn das der Hemmschuh ist, sollten CIOs darüber nachdenken, einen externen Dienstleister hinzuzuziehen. Ein erfahrender Provider kann mit bereits erprobten Konzepten das Optimum herausholen – Migrations-as-a-Service (MaaS) lautet das Zauberwort.

„Effizienz durch Automatisierung – Das ‚Zero-Touch-Prinzip‘ im IT-Betrieb“, herausgegeben von Dr. Ferri Abolhassan und Jörn Kellermann.
„Effizienz durch Automatisierung – Das ‚Zero-Touch-Prinzip‘ im IT-Betrieb“, herausgegeben von Dr. Ferri Abolhassan und Jörn Kellermann.
(Bild: T-Systems/Springer Gabler)

Fazit: Ob in Eigenregie oder mit Unterstützung durch einen Partner – für eine zukunftsfähige IT ist Konsolidierung unumgänglich. Sie bringt nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern verringert auch die Schnittstellen, bündelt und beschleunigt Datenströme und ermöglicht die Automatisierung von Prozessen. Darin liegt der Schlüssel, um die IT anzukurbeln. Denn nur einheitliche, gestraffte und automatisierte Systeme sind auch fit für cloud-basierte Services. Der Dreiklang Standardisierung, Konsolidierung und Automatisierung sollte daher auf jeder IT-Agenda ihren Platz finden – allerdings nur mit einem durchdachten Konzept.

Der Buchtipp

Wie Unternehmen mit Standardisierung, Konsolidierung und Automatisierung ihre IT auf Vordermann bringen, erläutern Branchenexperten praxisnah und verständlich im neuen Fachbuch „Effizienz durch Automatisierung – Das ‚Zero-Touch-Prinzip‘ im IT-Betrieb“, herausgegeben von Dr. Ferri Abolhassan und Jörn Kellermann. Springer-Gabler, ISBN 978-3-658-10643-0.

* Jörn Kellermann verantwortet als SVP Global IT Operations weltweit die Cloud- und Rechenzentrumsleistungen für alle Kunden der T-Systems International GmbH.

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