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Vorsicht vor Virtualization Sprawl! Wenn Virtualisierung wuchert, verursacht das Wahnsinnskosten

| Autor / Redakteur: Ralph Beuth / Ulrike Ostler

Ohne Virtulaisierung geht im Rechenzentrum nichts mehr. Doch Experten warnen vor den Folgen einer unkontrollierten „Über-Virtualisierung“ (virtualization sprawl). Denn: Unkontrolliertes Wachstum und mangelndes Management der virtuellen Umgebung bedeuten ins Kraut schießende Kosten.

Das derzeitige Verhältnis von physischem zu virtuellen Servern beträgt 5 zu 1.
Das derzeitige Verhältnis von physischem zu virtuellen Servern beträgt 5 zu 1.
( V-Index/Veeam)

Die Einrichtung virtueller Server ist mit den Jahren immer einfacher und billiger geworden – hat diese früher mehrere Wochen gedauert, so ist die Umstellung heutzutage innerhalb von Minuten erledigt. Das freut die Anwender ebenso wie der zu erwartende Effizienz- und Produktivitätsgewinn.

Doch nun scheint bei aller Begeisterung die Quittung für vermehrt auftretende Formen von Über-Virtualisierung zu kommen, wie etwa das amerikanische Magazin „Forbes“ unlängst in einem kritischen Artikel festgestellt hat. Jay Litkey, Chef der Software-Firma Embotics, die sich auf Management-Produkte für virtuelle Rechenzentren spezialisiert hat, wird darin mit der Aussage zitiert, Anwender seien geradezu trunken von den neuen Möglichkeiten. Sie würden aber dabei die Kosten zum Teil übertriebener Virtualisierungsmaßnahmen aus dem Auge verlieren.

Die unkontrollierte Schaffung und der Betrieb von immer mehr virtuellen Maschinen schaffen einen neuen Komplex von Problemen. Denn die einhergehende hohe Dynamik und Flexibilität ist durchaus auch zerstörerisch und erfordert neue Betrachtungsweisen. So hinke das Management hinke hinter den Möglichkeiten des Erzeugens neuer Infrastrukturen hinterher, meint Litkey.

Virtuelle Maschinen verursachen reale Kosten

Da gebe es „beachtliche blinde Flecken” in dieser virtuellen Welt, Bereiche und Anwendungen, die wachsen und wieder in der Versenkung verschwinden, ohne dass sie von den eigentlichen Virtualisierungssystemen wie VMware oder von traditionellen Datacenter-Management-Systemen wahrgenommen würden. Auf diese Weise werde mehr Geld ausgegeben als nötig.

Die Kosten einer virtuellen Maschine (VM) bestehen zunächst in den Ausgaben für den Speicher. VMs sind im Prinzip sehr große Ordner, in denen das Betriebssystem und sämtliche zum Einsatz kommende Software enthalten sind. Sie beanspruchen teuren Platz in den Storage Area Networks (SANs).

Hinzu kommen Infrastruktur-Kosten für jede VM, im Einzelnen für CPU und Memory, Energieversorgung und Kühlung sowie den Platz im Rack.

Lizenzen und Maintaining

Außerdem kostet die Software selbst auch einiges. Je nach Lizenz- und Support-Vereinbarungen für das Betriebssystem, Applikationen und System-Management-Add-ons entstehen weitere Kosten für jede zusätzlich geschaffene VM.

Abgesehen davon verursacht jede VM tägliche Betriebskosten für Management, Maintaining, Support und Backups. Also sind VMs alles andere als umsonst zu haben.

Litkey behauptet, dass in mehr als 95 Prozent der Umgebungen zu viel investiert werde. So habe man zum Beispiel in einer relativ kleinen Umgebung mit 325 VMs einen Betrag von 200.000 Dollar errechnet, der durch übertriebene Investitionen und Ineffektivität das betreffende Unternehmen belastet habe.

Kontrollen gegen Virtualization Sprawl

Die meisten unnötigen Kosten entstehen demnach durch die Einrichtung von Speicherkapazitäten für Maschinen, die tatsächlich gar nicht genutzt werden. Sie werden noch höher, wenn man damit verbundene Kosten für Software-Lizenzen, Support und Personal einbezieht.

Virtualisierung ist Mainstream geworden. Sie hat in den Unternehmen zunächst in nicht geschäftskritischen Bereichen Fuß gefasst, etwa in der Entwicklungsabteilung. Dort mochte die unkontrollierte Ausbreitung von VMs nicht so sehr als Problem erscheinen. Aber in dem Maße, wie Virtualisierung nun sehr schnell in produktiven Bereichen um sich greift, wachsen die Bedenken.

Gartner erwartet bis zum Jahr 2012 einen Virtualisierungsgrad von 50 Prozent in der Unternehmens-IT. Und Software zum Management dieser Flutwelle stößt auf einen dementsprechend wachsenden Markt. Nach Angaben des „V-Index“ vom Veeam waren im September rund 44,1 der Server, die in Deutschland gezählt wurden virtualisiert. Gartner errechnet, dass in diesem Jahr bereits 49 Prozent aller Workloads auf virtualisierten Maschinen laufen und, dass es 2016 schon 81 Prozent sein werden.

Das derzeitige Verhältnis von physischem zu virtuellen Servern beträgt 5 zu 1.
Das derzeitige Verhältnis von physischem zu virtuellen Servern beträgt 5 zu 1.
( V-Index/Veeam)

Allerdings geht Chris Wolf, Analyst der von Gartner übernommenen Burton Group davon aus, dass rund 90 Prozent der Projekte zur Server-Virtualisierung in punkto Return on Investment (RoI) ihre Ziele verfehlten. Der Grund: Die RoI-Werkzeuge der Anbieter (siehe etwa: im Anhang) zur Berechnung schlössen nur einen Teil der Kosten ein. VMware-Whitepaper „Business and Financial Benefits of Virtualization“Die Kosten für Lifecycle-, Change- oder Capacity-Management hingegen fehlten.

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