Notfallschutz für virtuelle Server und Anwendungen

Wenn ein Backup nicht mehr reicht

| Autor / Redakteur: Axel Dunkel / Nico Litzel

Die Anzahl der täglichen Backups lässt sich auch nicht beliebig erhöhen. Je kleiner der gewünschte RPO, desto größer der Bedarf an einer Replikationslösung. Mit einer Replikation sollen identische Kopien erzeugt werden – in der Regel an einem anderen Standort – ohne den Betrieb am primären Standort zu beeinträchtigen. Die Aufgabe einer Disaster-Recovery-Lösung ist es, mithilfe der replizierten Daten wichtige Anwendungen auf den Ersatzsystemen möglichst schnell und ohne Datenverlust zu aktivieren (Failover) und den Normalbetrieb der Produktivsysteme wiederherzustellen (Failback).

Das virtuelle Backup-Rechenzentrum in der Cloud

Die größte Flexibilität bieten Hypervisor-basierte Replikationslösungen. Sie sind Storage-agnostisch, das heißt, am Produktiv- und Recovery-Standort können unterschiedliche Speichersysteme beliebiger Hersteller verwendet werden. In der Regel müssen auch keine Agenten auf dem Server installiert werden. Je nach eingesetzter Virtualisierungssoftware können Unternehmen zwischen den hauseigenen Produkten des Herstellers und diversen Lösungen von Drittanbietern wählen.

Unternehmen mit VMware-vSphere-Infrastrukturen steht beispielsweise der vCenter Site Recovery Manager (SRM) zur Verfügung. Die Replikationslösung des Herstellers, vSphere Replication, ist bereits im Lieferumfang der meisten Lizenzen enthalten. Voraussetzung für den Einsatz des Recovery Managers ist allerdings eine vollwertige vSphere-Infrastruktur an einem zweiten Standort, der somit als „Hot Site“ Backup-Standort fungiert.

Backup-Ressourcen in der Cloud sind wesentlich preiswerter

Den meisten Unternehmen, die nicht über den Luxus von zwei Rechenzentren verfügen, blieb in der Vergangenheit nur die Option, für viel Geld ein Backup-Rechenzentrum zu mieten oder eben zu hoffen, dass nichts passiert. Heute können sie mit den Produkten von Spezialanbietern und gemieteten Backup-Ressourcen in der Cloud wesentlich preiswerter eine für sie passende Disaster-Recovery-Lösung realisieren. So bieten die bereits erwähnten Hersteller Veeam und PHD Virtual Kombinationsprodukte für Backup und Replikation.

Ergänzend zum lokalen oder Cloud-Backup können identische Kopien ausgewählter virtueller Maschinen in der Cloud oder einem anderen Standort gespeichert und fortlaufend aktualisiert werden. Eine kontinuierliche Replikation reduziert nicht nur den Datenverlust im Notfall, die Replicas befinden sich auch in einem sofort startfähigen Zustand. Sofern eine sichere und vorkonfigurierte Netzwerkinfrastruktur vorhanden ist, kann bei Bedarf auf die Ersatzsysteme in der Cloud „umgeschaltet“ werden, bis das primäre Rechenzentrum wieder betriebsbereit ist.

Ergänzendes zum Thema
 
Notfall – Definition des BSI (Standard 100-4)

So bietet zum Beispiel der Hersteller Zerto mit seinem Produkt „Virtual Replication“ eine vollwertige Disaster-Recovery-Lösung für VMware-Infrastrukturen, die direkt in den vCenter Server integriert wird. Das hat den Vorteil, dass der Kunde sämtliche Prozesse selbst steuern kann, auch wenn die Replikation zu einem Cloud Provider erfolgt. Er kann Replikationen starten und stoppen, hat jederzeit RPO und RTO im Blick und er kann das Failover selbst auslösen oder testen.

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