IDC-Zahlen zur Entwicklung des EMEA-Server-Markts

Wenig mehr geliefert, viel mehr verdient

| Autor: Ludger Schmitz

Multinode-Server wie diese sr 860 und sr 950 aus der Reihe Thinksystem haben Lenovo zu einem Umsatzwachstum von 70 Prozent im EMEA-Raum verholfen.
Multinode-Server wie diese sr 860 und sr 950 aus der Reihe Thinksystem haben Lenovo zu einem Umsatzwachstum von 70 Prozent im EMEA-Raum verholfen. (Bild: Lenovo)

Die meisten Hardwarehersteller blicken auf wunderbare zwölf Monate zurück. Insgesamt haben sie wenig mehr Server geliefert, aber rund ein Drittel mehr Umsatz gemacht.

International Data Corporation (IDC) hat die jüngste Studie „EMEA Server Tracker“ mit der Marktentwicklung zwischen den ersten Quartalen 2017 und 2018 vorgelegt. Demnach wurden in der Region nur zwei Prozent mehr Server gekauft, aber die Einnahmen stiegen um 35 Prozent. Die Gründe: Im entscheidenden europäischen Markt brachte der starke Euro den Herstellern in Dollar gerechnet Extraeinnahmen, und die Kunden gaben viel mehr Geld aus für spezielle Rechner und solche mit hochwertigen Prozessoren sowie stärkeren RAM-Speichern.

Pizzaboxen bringen Volumen, bessere Systeme das Geld

Die größten Umsatzbringer in Europa sind unverändert Standard-“Pizzaboxen“ für 19-Zoll-Racks. Deren Zwölf-Monats-Umsatzwachstum von 45 Prozent beruht laut IDC wesentlich auf Großlieferungen in Großbritannien und den Niederlanden. Das größte Wachstum unter der Serversegmenten verzeichneten allerdings Standard-“Multinode“-Rechner mit einem Umsatz-Plus von 251 Prozent. Als Multinode-Systeme bezeichnet IDC Blade-Server und Baueinheiten, in denen mehrere ähnlich kompakte Server horizontal verbaut sind. Hier war die Nachfrage in Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden am höchsten.

Kundenspezifisch ausgestattete Server im Format Pizzabox haben am Markt an Bedeutung verloren (IDC nennt keine Zahlen). Allerdings haben solche Spezialausführungen im Multinode-Format ihren Umsatz mehr als verdoppelt, um 107 Prozent. Hier sind die Preisaufschläge gestiegen. Überhaupt sind die Preise der fünf wichtigsten Hersteller im Durchschnitt auf dem europäischen Markt um ein Drittel (32 Prozent) gestiegen. Das liegt nicht nur an der Wechselkursentwicklung, sondern auch an der Nachfrage nach Systemen mit dem neuen Skylake-Prozessor von Intel und mit größerer RAM-Ausstattung.

Das beste Ergebnis seit zehn Jahren

In allen europäischen Märkten – einzige Ausnahme ist Finnland – stellt IDC Wachstum der Serverumsätze fest. Herausragend waren dabei die Niederlande und Großbritannien. Auf der britischen Insel gab es ein Umsatzwachstum von 65 Prozent, was IDC als Nachholbedarf oder nachlassende Ängste vor den Brexit-Folgen interpretiert. In den Niederlanden gab es ein Wachstum um 120 Prozent, in der Schweiz um 64 Prozent.

Im Nahen Osten, vor allem Saudi Arabien und der Türkei, sowie in Afrika (MEA) war das Jahreswachstum mit 32 Prozent deutlich höher als in Zentral- und Ost-Europa. Diese Region kam zur „nur“ auf ein Plus von 24 Prozent, aber das ist der höchste Zuwachs, den IDC in den letzten zehn Jahren verzeichnet hat.

Erste Verschiebung im Hersteller-Ranking

Alle Hersteller haben mit im Schnitt plus 35 Prozent deutlich zugelegt. Die größten Gewinner im Nachfrageboom sind allerdings Lenovo mit 70 Prozent mehr Server-Umsatz und Dell EMC (+ 57 Prozent). Aber auch Cisco mit 40 Prozent mehr Umsatz und HPE mit einem Plus von 37 Prozent haben noch überdurchschnittlich gewonnen. Dass ODM-Hersteller nur um 1,4 Prozent mehr Umsatz machten, ist nach IDC-Einschätzung ein vorübergehender Schönheitsfehler, denn im Jahr 2018 stehen Großaufträge von Apple, AWS und Google ins Haus. ODMs sind Hersteller, die nach kundenspezifischen Designs spezielle Server bauen. OEMs hingegen bauen nach Designs anderer Hersteller.

Durch seine Steigerung des EMEA-Umsatzes um mehr als zwei Drittel hat Lenovo in diesem Markt Cisco von Platz drei verdrängt. Lenovo kommt jetzt auf einen Marktanteil von 8,1 Prozent, während Cisco 7,2 Prozent erreicht. Zusammengenommen wären aber die ODMs mit 9,8 Prozent noch stärker. Auf Platz zwei steht unverändert Dell EMC mit 22,9 Prozent Marktanteil. Das ist doch noch ein deutliche Abstand zu HPE mit 32,1 Prozent. Alle anderen Hersteller decken ein Fünftel des Marktes ab.

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