Western Digital positioniert sich als Storage-Systemlieferant fürs Rechenzentrum

WD beseitigt Schwächen im Petabyte-Portfolio

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger* / Rainer Graefen

Der neue Hybrid Storage Server aus der Reihe Ultrastar fasst 60 HDDs, davon maximal 24 SSDs mit den Anschlussoptionen SAS und SATA sowie acht SSDs mit den Anschlussoptionen SAS, SATA und NVMe.
Der neue Hybrid Storage Server aus der Reihe Ultrastar fasst 60 HDDs, davon maximal 24 SSDs mit den Anschlussoptionen SAS und SATA sowie acht SSDs mit den Anschlussoptionen SAS, SATA und NVMe. (Bild: Ariane Rüdiger)

Mit diversen Erweiterungen bestehender Produktlinien und einer Branding-Offensive für seine „Activescale“-Objekt-Store-Systeme präsentiert sich Western Digital stärker als bisher als Systemlieferant für Datacenter-Speicher.

Unter der Ägide von Phil Bullinger, der seit rund 18 Monaten das Datacenter-Systemgeschäft von Western Digital leitet, soll der Bereich Storage für Rechenzentren stärker ins Licht der Öffentlichkeit und damit auch der Kunden rücken. Bullinger war zuvor für das „Isilon“-Geschäft bei Dell EMC tätig.

Dank eines „Symbiotics Design“, das alle Produktionsstufen von der Aluminiumscheibe bis zur Software umfasse, könne Western Digital sämtliche Ebenen der Datenspeicherung mit aufeinander abgestimmten Produkten bedienen, erläuterte Bullinger vor Journalisten in der kalifornischen Firmenzentrale.

Der neue Hybrid Storage Server aus der Reihe Ultrastar fasst 60 HDDs, davon maximal 24 SSDs mit den Anschlussoptionen SAS und SATA sowie acht SSDs mit den Anschlussoptionen SAS, SATA und NVMe.
Der neue Hybrid Storage Server aus der Reihe Ultrastar fasst 60 HDDs, davon maximal 24 SSDs mit den Anschlussoptionen SAS und SATA sowie acht SSDs mit den Anschlussoptionen SAS, SATA und NVMe. (Bild: Ariane Rüdiger)

Fürs Rechenzentrum hat Western Digital derzeit drei Plattformen im Programm:

  • die „Ultrastar“-Serie mit Flash- und HDD-Drives,
  • den geo-verteilten Objektspeicher Activescale, der durch den Aufkauf von Amplidata zu WD kam und als
  • Block/File-Storage mit schneller NVMe-Connectivity die „Intelliflash“-Produkte.

Diese Lösungen werden heute an mehr als 2.200 Kunden vertrieben.

Runderneuerung der Datacenter-Storage-Plattformen

Jede Produktreihe wurde nun erweitert oder verbessert. Die Ultrastar-Serie wurde durch einen 4U-Storage-Server-Knoten mit zwei „Intel Skylake“-CPUs ergänzt, in den bis zu 60 HDDs passen. Davon dürfen bis zu 24 SATA- oder SAS-SSDs sein. Dazu kommen bis zu acht SSDs mit den Anschlussoptionen SAS, SATA und NVMe. „In dem Gerät lassen sich also drei Speicherschichten realisieren“, führt Bullinger aus. WD gibt für das System fünf Jahre Garantie. Anwendungsgebiete sind Backup, Cloud-Storage und Archivierung.

Die All-Flash-/All-NVMe- und Hybrid-Plattform Intelliflash, die durch die Akquisition von Tegile zu WD kam, wurde erweitert. Die hybride NVMe-Serie „Intelliflash N“ mit NVMe-Flash- und Kapazitäts-SAS-Flash-Laufwerken umfasst nun vier neue Modelle:

  • Bisher gab es das Modell „N5200“ (23 bis 184 Terabyte Rohkapazität, maximal 64 CPU-Cores, 705 Gigabyte DDR-4-Memory, 32 Gigabyte NVDIMM) und
  • das Modell „N5800“ (19 bis 154 Terabyte Rohkapazität, 1,4 Terabyte DDR4-, 32 Gigabyte NVDIMM-Memory, 80 Prozessorkerne).
  • Nun kommen die Modelle N5240 (645 TByte maximale Rohkapazität) und N5280 (1290 TByte maximale Rohkapazität, beide ansonsten baugleich mit N5200), und
  • die Modelle „N5840“ (630 Terabyte Rohkapazität) und „N5880“ (bis 1260 Terabyte Rohkapazität, beide ansonsten baugleich mit N5800), hinzu.

Da die Geräte laut WD die Daten im Verhältnis 5:1 reduzieren, bedeutet das, dass die beiden Spitzenmodelle jeweils mehr als 5 Petabyte volumenreduzierte Rohdaten speichern können. Alle neuen Intelliflash-Systeme sollen noch im Jahr 2018 in Stückzahlen verfügbar sein.

Metadaten vereinen Dateien und Objekte

Zudem wurde das Betriebssystem der Flash-Plattform „Intelliflash OS“ verbessert. Dadurch soll sich die Leistung der Geräte um den Faktor 1,5 bis 2,5 erhöhen. So lässt sich jetzt der Reduktionsfaktor für jedes Datenset individuell festlegen. Volume-Kopien und Datenmigrationen zwischen Arrays funktionieren jetzt ohne Betriebsunterbrechung und es gibt verbesserte, Snapshot-basierende Mechanismen für schnelle Dateikopien.

Für die von Amplistor erworbenen Objektspeicherboxen gab es bisher kein gezieltes Marken-Management, das soll sich nun ändern. Die Produktlinie besteht aus drei modularen Modellen für Speichermengen unter 1 Petabyte mit Rohkapazitäten zwischen 86 Terabyte und 5,4 Petabyte sowie dem skalierbaren Modell „X100“, das zwischen 1 und 63 Petabyte Rohdatenvolumen fasst. Weitere Merkmale sind ein Durchsatz zwischen 8 und 20 GBit/s, Mechanismen für Selbstmonitoring, -analyse und -reparatur, integrierte DR-Fähigkeiten, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Versionierung und eine Verfügbarkeit von „19 Neunen“ (Bullinger).

Neue Frontgestaltung und frisches Branding für Amplidata-Boxen, die nun unter der Marke Activescale verkauft werden.
Neue Frontgestaltung und frisches Branding für Amplidata-Boxen, die nun unter der Marke Activescale verkauft werden. (Bild: Ariane Rüdiger)

Das Betriebssystem Activescale wurde in der aktuellen Version 5.3 um weitere Fähigkeiten erweitert. Es kann jetzt auf Objektdaten und Files einheitlich, also über dieselben Metadaten, zugreifen, die Replikation auf „AWS S3“ ist möglich und Docker wird unterstützt. Das System ist auf 12-Terabyte-Laufwerke vorbereitet und kann auch mit Laufwerken nach dem US-amerikanischen Hochsicherheitsstandard FIPS (Federal Information Processing Standard) bestückt werden.

Memory-zentriertes Rechnen ist – wahrscheinlich möglich

Und die nächste Flash-Generation von WD? Sie soll, so war am Rand der Konferenz vom neuen Technologiechef Martin Fink, der bis 2016 für HPE am Memristor-Projekt arbeitete, voraussichtlich noch im Jahr 2018 den Markt erreichen. „Wir hängen hier einige Monate hinterher, haben aber unsere Schwierigkeiten jetzt überwunden und kommen zügig voran“, sagte Fink.

ReRAM (Resistive RAM) allerdings, und zu diesem Typ gehört auch HPEs Memristor, werde man wohl noch lange nicht in für allgemeine Zwecke benutzten Storage-Appliances sehen – man sei noch nicht in der Lage, Millionen von Speicherzellen mit einem ausreichend guten Output und zu vernünftigen Preisen herzustellen.

„Vielleicht braucht man dafür noch einige Fortschritte in der Materialforschung“, meinte Fink. Bis dahin stünde den neuen Speichertechniken wie Phase Change Memory oder ReRAM/Memristor immerhin der Weg in Spezialapplikationen offen, die sich aber ebenfalls noch in einem relativ frühen Stadium befänden.

* Ariane Rüdiger ist freie Journalistin und lebt in München.

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