Verloren im Labyrinth der IT-Begriffe? Hier finden Sie Definitionen und Basiswissen zu Rechenzentrums-IT und -Infrastruktur.

Infrastruktur als ein Stück Software Was ist Provisioning?

Autor / Redakteur: M.A. Jürgen Höfling / Ulrike Ostler

Die Komponenten im Rechenzentrum werden durch Provisionierungsprozesse bestens für ihre Aufgaben ausgestattet. Virtualisierung und Containerisierung machen das einerseits noch einmal anspruchsvoller, gleichzeitig unterstützen sie aber auch die Automatisierung.

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Wenn die Datacenter-IT-Infrastruktur als ein 'Stück Software' dargestellt wird, lässt sich der Provisioning-Prozess weitgehend automatisieren.
Wenn die Datacenter-IT-Infrastruktur als ein 'Stück Software' dargestellt wird, lässt sich der Provisioning-Prozess weitgehend automatisieren.
(Bild: Bernd_Kasper_pixelio.de)

Auch Rechner, Netzwerk-Komponenten oder Speichereinheiten benötigen eine Identität, sonst reduzierte sich ihr Wert auf den Materialwert für die Rohstoff-Wiederaufbereitung. Und ein Rechenzentrum wäre ohne Zuteilung von „konkreten Arbeitsplatzbeschreibungen“ an die dort aufgestellten komplexen Metallteile nur ein riesiger Wertstoffhof.

Ihre digitale Identität erhalten die Maschinen im Rechenzentrum nicht zuletzt durch die Bestückung mit Applikationen, Zugriffsrechten auf Speicherbereiche und Netzwerkverbindungen sowie entsprechende Priorisierung dieser Rechte. Welche Applikation darf im Konfliktfall vorrangig ablaufen, welche hat im Konfliktfall das erste Zugriffsrecht auf schnellen Speicher, welche Anwendung hat Rechte auf eine besondere Dienstgüte, wenn für die anfordernden Komponenten zu einer Zeit x nicht alle Services in gleicher Qualität verfügbar sind.

Provisioning in der „physikalischen Epoche“.

In Zeiten, in denen jeder Rechner und jede Speicher- oder Netzwerk-Komponente zu 100 Prozent ein physikalisches Objekt darstellte, war das Provisioning, sprich die Bestückung oder Verproviantisierung einer Komponente, sehr übersichtlich: es umfasste alle Abläufe, die erforderlich waren, um eine bestimmte Maschine, die entweder „bare metal“ war oder einen nicht mehr anforderungsgemäßen Betriebszustand hatte, in einen aktiven aktuell erforderlichen Betriebszustand zu versetzen.

Die Vorgehensweise bei Server-Provisioning, Netzwerk-Provisioning oder Speicher-Provisioning ist dabei strukturell gleich, einzelne konkrete Handgriffe beziehungsweise Abläufe sind aber natürlich sektorspezifisch. Bei der Netzwerkprovisionierung muss beispielsweise darauf geachtet werden, welche „Verbraucher“ in dem jeweiligen Netzwerk anzuschließen sind, ob es sich um Server, Switches oder Sensoren handelt. Gerade im letzteren Bereich ist darüber hinaus darauf zu achten, inwieweit entsprechende Komponenten reine (passive) Datenlieferanten sind oder inwieweit diese selbst aktive Komponenten enthalten, die wiederum Informationen in eine noch basalere Ebene verteilen.

Infrastruktur weitgehend softwaredefiniert

Die eben beschriebene „physikalische Epoche“ der Provisionierung ist in den meisten Rechenzentren (längst) vorbei. In den seltensten Fällen muss heute bei neuen zusätzlichen Anforderungen erst einmal auf die Lieferung neuer Hardware gewartet werden, um diese dann einrichten und provisionieren zu können.

Heutzutage ist die Infrastruktur weitgehend softwaredefiniert. Ein Server oder eine andere IT-Komponente ist oft eine bloße Instanz auf einem größeren Hardwaregebilde. Provisioniert und verwaltet wird in virtualisierten und / oder containerisierten Systemen reine Software.

Hardware-Erweiterungen sind sicher weiterhin notwendig, aber weitgehend unabhängig von aktuellen spezifischen Anforderungen. Wenn absehbar ist, dass die vorhandene Hardware für die demnächst aufzuspielende Software leistungsmäßig nicht ausreicht, wird zugekauft. In der Regel aber unabhängig von spezifischen Anwendungen.

Software-definierte Architektur hat ihre Fallstricke

Freilich muss man für alles bezahlen im Leben, auch im IT-Leben. Die größere Flexibilität, die eine virtuelle Infrastruktur bietet, erhöht in aller Regel den Umfang und die Kapazitäten vieler Unternehmensumgebungen. Man will ja für das, was auf einen softwaremäßig zukommen könnte, hardwaremäßig gerüstet sein.

Andererseits muss jede Erweiterung eigens bestückt werden. Es spielt keine Rolle, ob diese Erweiterung als neue „harte Ware“ oder als neue „weiche Ware“ realisiert ist. Wenn die Provisionierung händisch durchgeführt wird, ist sie im Grunde ebenso aufwendig wie bei den traditionellen physikalischen Erweiterungen, durch die weitaus komplexere Software-Architektur aber womöglich fehleranfälliger und schwieriger zu kontrollieren und zu verwalten als die gute alte physikalische Hardware.

Infrastruktur als Code

Die weitgehend software-definierte Infrastruktur in der Virtualisierungs- und Containerisierungs-Welt hat aber den großen Vorteil, dass die bisher händisch organisierten Provisionierungs- und Verwaltungsprozesse tendenziell vollständig automatisiert werden können. Dabei können die vielfältigen Werkzeuge und Methoden, die in der Software-Entwicklung vorhanden sind, auch für das Provisioning genutzt werden.

Grundlage der Automatisierung ist dabei die Darstellung der Infrastruktur nicht mehr in einer nicht-normierten Beschreibung, sondern in normierter Code-Form (Infrastructure-as-Code, IaC). Die Bezeichnung Infrastructure-as-Code deutet plastisch an, was gemeint ist: die Infrastruktur ist selbst ein Stück Code, sodass bei einer solchen programmierbaren Architektur die Grenzen zwischen dem Schreiben von Anwendungen und dem Erstellen der Umgebungen, auf denen sie ausgeführt werden, verschwimmen.

Für den Provisioning-Prozess beispielsweise werden maschinenlesbare deklarative Dateien oder auch Skripte eingesetzt, die die gewünschte physikalische oder virtuelle Maschine – Server, Netzwerk-Komponente, Speicher – vollprovisioniert automatisch erzeugen. Eine physikalische Hardware-Konfiguration oder ein interaktiver Prozess sind jetzt unnötig.

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