Für die nächste Generation moderner Anwendungen Warum die Transformation zum Modern Network nötig ist

Autor / Redakteur: Gerd Pflüger* / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Unternehmen müssen heute ihre Netzwerke modernisieren. Ein Software-definiertes Modern Network ist selbstreparierend, inhärent sicher und vor allem skalierbar. Mit der passenden virtuellen Infrastruktur sind Unternehmen via SaaS-Techniken und Remote-Work-Konzepten in der Lage, ihre Produktivität zu erhöhen. Kommen dann noch moderne Anwendungen und Apps zum Einsatz, kann die Zukunft kommen.

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Vor allem angesichts der diesjährigen Corona-Pandemie steigt in modernen Gesellschaften die Abhängigkeit von modernen Anwendungen, Clouds und neuen Endgeräten.
Vor allem angesichts der diesjährigen Corona-Pandemie steigt in modernen Gesellschaften die Abhängigkeit von modernen Anwendungen, Clouds und neuen Endgeräten.
(Bild: © gui yong nian - stock.adobe.com)

Einen guten Schiedsrichter erkennt man daran, dass er sich im Hintergrund hält – so eine Redensart im Fußball. Dennoch kommt dem Schiedsrichter eine der wichtigsten Aufgaben zu: Dafür zu sorgen, dass das Spiel reibungslos verläuft und alle sich an die Regeln halten. Ohne sein strenges und unparteiisches Auge würden unzählige Fußballspiele im Chaos versinken.

Das Gleiche gilt für das IT-Netzwerk. Traditionell soll es möglichst schnell, effizient und transparent Daten vom Rechenzentrum über die Cloud zum Endgerät übermitteln und dort bereitstellen. Im Blickfeld der Anwender liegt dabei jedoch nicht die Netzwerkinfrastruktur selbst, sondern die darüber bereitgestellten Anwendungen. Das Netzwerk agiert, genau wie der Schiedsrichter, im Hintergrund und ist quasi unsichtbar – und trotzdem von großer Bedeutung für den reibungslosen Ablauf.

Ein Muss für die Vorstandsebene – eigentlich

agegen oft auf wenig Resonanz. Laut einer aktuellen Netzwerk-Studie von Riverbed [Registrierung notwendig], geben mehr als die Hälfte der IT-Entscheider an, dass sie nicht genug Einblick in die Performance ihrer Netzwerke, Anwendungen oder Infrastruktur haben. 76 Pozent der Business-Führungskräfte sind jedoch der Meinung, dass die IT sehr wohl über ein umfangreiches Wissen bezüglich ihrer Anwendungen verfügt.

Es ist also vermutlich diese Diskrepanz, die dafür sorgt, dass 75 Prozent der insgesamt befragten Führungskräfte frustriert von ihrer aktuellen Netzwerkleistung sind. Um mit den gestiegenen Anforderungen der Anwender moderner Applikationen Schritt halten zu können, muss hier dringend ein Umdenken erfolgen.

Mit der richtigen IT-Infrastruktur zum Unternehmenserfolg

Heutzutage ist es fast unmöglich geschäftskritische, Cloud-native Anwendungen – sowie deren zunehmendes Datenvolumen – ohne das richtige Netzwerk zu betreiben, geschweige denn, sie Anwendern zur Verfügung zu stellen. Vor allem angesichts der Corona-Pandemie steigt in modernen Gesellschaften die Abhängigkeit von modernen Anwendungen, Clouds und neuen Endgeräten. Die Arbeitswelt hat sich verändert: Mitarbeiter arbeiten zunehmend dezentral von zuhause aus mit Videokonferenzen und Collaboration-Tools.

Diesen neuen Anforderungen müssen sich Unternehmen stellen und auf ein modernisiertes Netzwerk setzen: Ein softwaredefiniertes Modern Network ist selbstreparierend, inhärent sicher und vor allem skalierbar.

Mit der passenden virtuellen Infrastruktur sind Organisationen in der Lage durch die Unterstützung von SaaS, Remote-Arbeit und vielen weiteren Möglichkeiten ihre Produktivität zu erhöhen. Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Aspekt ist die bessere Customer Experience, die Umsatz und somit auch die Wettbewerbsfähigkeit steigert.

Networking: Der moderne Mix aus Daten und Apps

Es gibt zwei Schlüsselfaktoren, die eine Netzwerkmodernisierung anstoßen. Einer davon ist der User selbst. Zunehmend datenhungrige Anwender fordern von ihren Apps ein immer facettenreicheres Online-Erlebnis – am liebsten in einem möglichst unkomplizierten und benutzerfreundlichen Format. Das Format und die Menge an Daten sowie Speicherorten haben sich in den letzten Jahren radikal verändert.

Daten existieren überall – im Rechenzentrum, am Edge und in diversen Endgeräten – und bilden eher verteilte „Datenzentren“ als herkömmliche Rechenzentren. IDC geht davon aus, dass die Menge an jährlich neu erfassten, erstellten und replizierten Daten zwischen 2019 und 2025 mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 61 Prozent zunehmen wird. An einer Modernisierung des IT-Netzwerks kommt damit keiner mehr vorbei.

Moderne Anwendungen sind der zweite Schlüsselfaktor: Bis 2024 soll es mehr als eine dreiviertel Milliarde Anwendungen geben, ein gewaltiger Anstieg um das Sechsfache in gerade mal zehn Jahren. Auch hier wünschen sich die Anwender, genau wie in jedem anderen Lebensbereich, eine immer schnellere, ihren Bedürfnissen angepasste Bereitstellung.

Entwickler müssen möglichst schnell neue Apps entwickeln. Dafür benötigen sie ein Netzwerk, das diesen rapiden Entwicklungsprozess unterstützt und dazu in der Lage ist, sich nahtlos an die Anforderungen neuer, geschäftskritischer Anwendungen anzupassen. Unmöglich mit einer traditionellen Netzwerkinfrastruktur!

Deperimeterisierung – was sind die Folgen?

Mit den Anforderungen an moderne Netzwerke steigen gleichzeitig auch die Bedrohungen. Networking und IT-Security gehen seit jeher Hand in Hand und müssen in Zukunft noch stärker vereint werden. Die Konsequenz ist das Verschwimmen der Netzwerkgrenze zwischen Unternehmen und Außenwelt: Deperimeterisierung.

Warum? Zum einen wegen der zunehmenden Verbreitung der Cloud. Zum anderen basieren moderne Cloud-native Apps immer häufiger auf Microservices. Dabei handelt es sich um einzelne verteilte Architekturen, die außerhalb des Kernnetzes existieren und darüber miteinander kommunizieren. Daten werden somit vermehrt am Edge, zwischen Endgerät und Cloud, erzeugt.

Diese Entwicklung birgt gewisse Herausforderungen hinsichtlich der Komplexität. Unternehmen implementieren Apps, die on-premises-, Cloud- sowie Edge- Umgebungen umfassen. Das macht es für die IT jedoch äußerst schwierig, Anwendungs- und Serviceportfolios konsistent zu verwalten. Darüber hinaus bietet Deperimeterisierung durch die zunehmende Netzwerkkommunikation zwischen und innerhalb verteilter Anwendungen eine größere Angriffsfläche für Hacker-Angriffe.

Das neue Schutzkonzept

Das traditionelle Modell perimeterbasierter Security aus einer äußeren Firewall und einem weitgehend ungeschützten Netzwerkinneren ist heute obsolet. Unternehmen müssen möglichen Bedrohungen mindestens einen Schritt voraus sein.

Um ihre Infrastruktur und Anwendungen intrinsisch sicher zu gestalten, nutzen Unternehmen zunehmend netzwerkeigene Fähigkeiten wie beispielsweise Mikrosegmentierung. Hierbei wird das Rechenzentrum logisch in individuelle Sicherheitssegmente unterteilt – bis auf die Ebene einzelner Workloads.

Sicherheit über das Netzwerk zu garantieren anstatt über eine Vielzahl an Insellösungen, ist der Kern des „Zero-Trust“-Ansatzes, der darüber hinaus Intelligenz, Automatisierung und Agilität als Haupteigenschaften des Modern Network umfasst.

So gelingt die Netzwerkmodernisierung

Moderne Netzwerke erfordern eine virtuelle, Software-definierte Weiterentwicklung des traditionellen physischen Netzwerks. So können sämtliche Security- sowie Netzwerk-Policies durch Automatisierung über maschinelles Lernen und KI selbstständig implementiert werden.

Diese universelle, konsistente Konnektivität verleiht herkömmlichen Anwendungen Intrinsic Security. Drei Elemente tragen zum Erfolg der modernen Netzwerkinfrastruktur bei:

  • Konnektivität für Moderne Apps
    Eine konsistente Endnutzerfahrung ist oberstes Gebot für Unternehmen. Sie müssen Überblick darüber haben, welche Benutzer sich im Netzwerk befinden und welche Anwendungen sie gerade verwenden. Ein modernes Netzwerk nutzt dabei Funktionen wie Service-Mesh, damit Anwendungen intern miteinander kommunizieren können. Zudem verleihen Sicherheitsmodelle wie Secure Access Service Edge (SASE) Netzwerken die nötige Agilität, um sich in Echtzeit an geänderte Geschäftsanforderungen anzupassen.
  • Multi-Cloud Netzwerkvirtualisierung
    Das moderne Netzwerk muss flexibel auf geänderte Geschäftsziele reagieren können. Für die Neukonfiguration von Netzwerk- und Sicherheitsrichtlinien im laufenden Betrieb muss es KI und Machine Learning nutzen sowie selbststeuernd und -heilend sein. Auch hier kommt SASE ins Spiel, das den Datenverkehr päckchenweise über mehrere Clouds und Standorte hinweg regelt. So wird eine Nutzererfahrung von höchster Qualität erzielt.
  • Unabhängigkeit von der physischen Netzwerkinfrastruktur
    Mit softwaredefinierten Netzwerken wird die Agilität eines Modern Network gewährleistet, doch die zugrundeliegende physische Infrastruktur spielt nach wie vor eine zentrale Rolle. Sie fungiert als generische Allzweckplattform, die durch das virtuelle Overlay-Netzwerk gesteuert wird und je nach Bedarf in Echtzeit rekonfiguriert und umgeleitet werden kann. Dabei ist die Kapazität beliebig skalierbar, sowohl nach oben als auch nach unten. Die physische Infrastruktur ist ortsunabhängig, Skalierungen können jedoch vorgenommen werden, ohne die Sicherheit zu kompromittieren. Dies ermöglicht Unternehmen eine kosteneffiziente Nutzung der physischen Infrastrukturen von mehreren ortsunabhängigen Anbietern.

Krisensicher in die Zukunft

Für den Erfolg eines modernen Netzwerks kommt es letzten Endes auf den Anwender an – egal ob Kunde oder Mitarbeiter. An dessen spezifische Bedürfnisse muss es sich möglichst intelligent und automatisch anpassen, damit am Ende das gesamte Unternehmen profitiert. Moderne Netzwerke können individuell auf Geschäftsmodelle und -ziele abgestimmt werden und bieten eine geeignete digitale Grundlage, mit der Organisationen in einer unberechenbaren Welt fortbestehen können.

Gerd Pflüger.
Gerd Pflüger.
(Bild: Lee Tuckett (07970818931) / Vmware)

* Über den Autor

Gerd Pflüger ist seit März 2016 NSX Systems Engineer für die Region EMEA bei VMware. Innerhalb des Geschäftsbereichs Networking und Security (NSBU) verantwortet er die Themen Enterprise und Internet of Things sowie die Weiterentwicklung von Software-Defined Networking (SDN) und Network Functions Virtualization (NFV) in seiner Region. Der Diplomingenieur studierte Maschinenbau an der Technischen Hochschule Nürnberg.

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