Waschen und legen – gute Gründe für eine eigene IT ohne Kompromisse Warenwirtschaft der RV-Bank-Kartoffelsortieranlage läuft mit Stratus Avance rund

Autor / Redakteur: Rainer Doh / Ulrike Ostler

Die Kartoffelsortieranlage der RV Bank Rhein-Haardt benötigt für die Weiterentwicklung der Systeme eine eigenständige IT. Gefragt sind neben Leistungsfähigkeit und Verfügbarkeit vor allem eine einfache Administration. Stratus Avance stellt die Erfüllung dieser Anforderungen im Praxisbetrieb unter Beweis.

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Die Sortier- und Verpackungsmaschinen verfügen über eine SPS-Steuerung. Den Prozess kontrolliert ein Warenwirtschaftssystem, das die RV Bank entwickelt hat. Mit Stratus Avance ist es nun ausfallsicher.
Die Sortier- und Verpackungsmaschinen verfügen über eine SPS-Steuerung. Den Prozess kontrolliert ein Warenwirtschaftssystem, das die RV Bank entwickelt hat. Mit Stratus Avance ist es nun ausfallsicher.
(Bild: Stratus)

Zuerst muss die Erde herunter. Dann werden sie gewaschen, poliert, sortiert und schließlich verpackt – Kartoffeln, mancherorts auch Erdäpfel, Bodenbirnen, Grumbeeren, Bramburi, Bumser oder einfach nur, wissenschaftlich Solanum tuberosum, kommen erst nach gründlicher Vorarbeit in den Verkauf. Mehr als 120.000 Tonnen Kartoffeln werden pro Jahr in der Sortieranlage der RV Bank (siehe: Kasten) verarbeitet, die Anlage ist in Süddeutschland eine der größten dieser Art.

Täglich verlassen etwa 25 große LKWs das Betriebsgelände in Beindersheim bei Ludwigshafen und bringen die nun schon verkaufsfertig verpackten Kartoffeln, sowie in begrenztem Umfang Zwiebeln, zu den Kunden: Das sind überwiegend Großabnehmer wie Fruchtmärkte oder die Umschlagzentren großer Discounter.

Die Maschinen, auf denen die einzelnen Prozessschritte durchgeführt werden, verfügen über eine eigenständige SPS-Steuerung, der Gesamtprozess wird von einem Warenwirtschaftssystem überwacht, das die RV Bank selbst entwickelt hat und das damit optimal an die Anlage angepasst ist. Diese Anwendung „weiß“ quasi, wie die Chargen zusammengesetzt sind und welche Sorten in welchen Mengen auf welche LKWs verladen werden müssen.

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Zwang zur Verfügbarkeit

Sie erstellt und druckt die Lieferscheine, ohne die die fertige Ware nicht ausgeliefert werden könnte. Klar, dass diese Anwendung ständig verfügbar sein muss, in den Erntemonaten heißt das rund um die Uhr. Hohe Verfügbarkeit der IT-Systeme ist daher ein Muss für das Funktionieren der gesamten Anlage.

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Die RV Bank und die Kartoffeln

Die RV Bank Rhein-Haardt eG ist eine regional tätige Bank in der genossenschaftlichen Finanzgruppe der Volksbanken Raiffeisenbanken. Das Institut weist eine Bilanzsumme von über 900 Millionen Euro aus und verfügt über rund 300 Beschäftigte. Damit ist die Bank ein bedeutendes Kreditinstitut und ein wichtiger Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb in der Region Frankenthal (Pfalz) und Grünstadt.

Mit ihrer Warenabteilung führt die RV Bank Rhein-Haardt die letzte Primär-Genossenschaft im pfälzischen Agrarhandel. Das Zentrallager in Beindersheim ist ein leistungsfähiger Partner, der das Bezugs- und Absatzgeschäft der landwirtschaftlichen Betriebe in der Region sicherstellt.

„Die einzelnen Anlagen, Förderbänder oder Wagen arbeiten weitgehend autonom“, erklärt Markus Schönstein, technischer Leiter und IT-Organisator im Zentrallager der RV Bank, in Beindersheim. „Bei einem IT-Ausfall würden sie zwar weiterlaufen, aber wir könnten die Kartoffeln dann nicht mehr ausliefern, so dass wir nach etwa 20 Minuten die Anlagen abschalten müssten.“

Abschied von der Bank-IT erfordert neue Infrastruktur

Die Kartoffelsortieranlage wird von der genossenschaftlichen RV Bank Rhein-Haardt betrieben, bisher war auch die IT der Anlage ein Teil der Bank-IT. Die Server standen in der Bank, sie wurden dort betreut und dort wurde auch die Verfügbarkeit der Systeme sichergestellt.

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Allerdings bedeutete die Integration in die Bank-IT für die Kartoffelsortieranlage auch Nachteile beziehungsweise Herausforderungen: „Wir wollten zum einen unseren Kunden neue, zeitgemäße Möglichkeiten anbieten, zum Beispiel ein Kundenportal im Web, zum anderen wollten wir aktuelle Techniken zur Optimierung der Betriebsabläufe nutzen, beispielsweise WLAN und Tablets zur Erfassung von Daten auf der Anlage", erläutert Schönstein.

„Solche Lösungen innerhalb der Bank-IT abzubilden, wäre sehr aufwändig geworden, da wir dabei immer auch banktypische Zertifizierungen hätten beachten müssen, die aber für unsere eigenen Aufgaben gar nicht relevant sind“, so der IT-Organisator. Folglich lag die Trennung von der Bank-IT nahe und die RV Bank entschloss sich 2012 in Beindersheim eine eigene IT mit eigenen Servern aufzubauen.

„Ich habe auch noch Anderes zu tun.“

Die eigene IT sollte jedoch nicht nur die bisherige Performance und Verfügbarkeit bieten, sie musste auch in einem komplett anderen Umfeld laufen. Denn anders als in der Bank steht in der Kartoffelsortieranlage kein IT-Team zur Betreuung der Systeme zur Verfügung. „In Sachen IT bin ich hier ein Einzelkämpfer“, merkt Schönstein dazu an und setzt hinzu: „Und ich habe noch andere Aufgaben, als mich um die IT zu kümmern.“

Darüber hinaus muss das System auch zuverlässig funktionieren, wenn Schönstein nicht im Betrieb ist, was im 24-Stunden-Betrieb ja eher der Normalfall ist. Erforderlich war also eine Infrastruktur, die Leistung und Verfügbarkeit mit einfachster Administration – besser: mit Nicht-Administration – verbindet.

Stratus Avance im Verbund mit x86

In Zusammenarbeit mit dem betreuenden Systemhaus Hecom in Ludwigshafen entschied sich die RV Bank für die Implementierung von Stratus Avance, einem Server-System, das Hochverfügbarkeit, Virtualisierung und einfache Bedienung vereint und damit genau das Anforderungsprofil der Kartoffelsortieranlage erfüllt. Stratus Avance verbindet zwei „normale“, virtualisierte x86-Server, die im Betrieb laufend synchronisiert werden.

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Sollte es zu einem Server-Ausfall kommen, würde Avance automatisch eine Live-Migration der virtuellen Maschinen zum jeweils anderen Server durchführen; dieser würde den Betrieb dann fortsetzen. Es ist also ein nahtloser Betrieb ohne jegliche Ausfallzeit sichergestellt. Sobald die Störung behoben ist, bringt Avance die beiden Server wieder auf den gleichen Stand, so dass sie von da an wieder synchron arbeiten.

Dabei wartet Stratus Avance jedoch nicht einfach auf die Störung einer System-Komponente, sondern kontrolliert pro-aktiv mehr als 150 unterschiedliche Systemparameter von der Stromspannung über die Temperatur bis zum Fehlerkorrekturverfahren des Arbeitsspeichers. Avance verfügt über eine automatische Fehlererkennung auf Basis einer Fehlermusterdatenbank.

Fehlermuster helfen bevor die IT zusammenbricht

Damit lassen sich auftretende Hardwareprobleme schon während der Entstehung identifizieren. Noch noch vor dem Ausfall wird reagiert und die Live-Migration veranlasst. Dadurch erreichen auch handelsübliche x86-Server ein Verfügbarkeitsniveau von mehr als 99,99 Prozent, mehr als genug für die Anforderungen der Kartoffelsortieranlage.

Die RV Bank hatte auch andere Lösungen evaluiert, aber nur bei Stratus ließ sich das Konzept eines weitgehend administrationslosen Betriebs realisieren. Zudem hätten andere Virtualisierungssysteme einen höheren Investitionsaufwand verursacht, weil sie zwei Storage Area Networks (SANs) erfordert hätten, während Avance mit internen Raid-Systemen auskommt.

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Die Hardware
  • Server: Anzahl: 4
  • Typ: Wortmann TERRA Server 6420 B-t-O
  • CPU: Intel XEON X5650/6x2.66 GHz
  • RAM: 96 GB
  • Plattenkapazität: 1,6 TB netto im Raid 10
  • Virtuelle Maschinen: System A: 4, System B: 15

Im Frühjahr installierte Hecom für die Kartoffelsortieranlage der RV Bank vier Terra-Server von Wortmann mit der Avance-Software: Auf je zwei Servern mit jeweils vier virtuellen Maschinen laufen das Warenwirtschaftssystem und Microsoft Exchange Server, auf jeweils zwei weiteren Servern die virtualisierten Desktops der derzeit 15 Nutzer.

Redundanz und Disaster Recovery

Beide Systeme sind also komplett redundant und damit ausfallsicher ausgelegt. Darüber hinaus sind auch die Switches doppelt vorhanden, so dass auch hinsichtlich der Kommunikation alles abgesichert ist. Im Sinne des Disaster Recovery wurden die Server in unterschiedlichen Brandabschnitten aufgestellt, so dass auch bei externen Störfällen Daten, Anwendungen und Betriebsbereitschaft sichergestellt sind.

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Die Systeme wurden im Juli 2012 innerhalb weniger Tage installiert, wobei alles zunächst im Labor von Hecom implementiert und getestet wurde, erst nach bestandener Prüfung wurden die Systeme in Beindersheim aufgebaut. „Dadurch waren wir vor Überraschungen sicher“, erläutert Andreas Heim, Geschäftsführer von Hecom das Vorgehen. „Die Installation vor Ort kann damit in sehr kurzer Zeit und ohne Störung des Betriebsablaufs abgeschlossen werden.“

Stratus Avance konnte sich in der Praxis bereits bewähren. „Wir sind hochzufrieden mit dem System“, sagt Schönstein. „Wir hatten sogar schon Gelegenheit, den Ernstfall zu testen, denn nach einigen Wochen gab es einen Plattenausfall. Der Defekt konnte aber im laufenden Betrieb sehr schnell behoben werden, wir mussten dazu das System nicht einmal herunterfahren.“

Monitoring von Daheim

Stratus Avance kommuniziert sowohl mit dem Stratus-Kundendienst – die „Call-Home-Funktion“ – als auch mit Hecom, so dass Fehlermeldungen sofort identifiziert werden und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können – ohne dass der Anwender dafür etwas veranlassen müsste. Eventuell benötigte Austauschteile treffen meist schon beim Anwender ein, noch bevor dieser überhaupt den Fehler festgestellt hat.

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Über das Systemhaus Hecom Computer

Das Ludwigshafener Systemhaus Hecom hat sich auf Kommunikationstechnik und die branchenübergreifende Integration von TK und IT spezialisiert. Das Unternehmen ist in der Region Rhein-Main-Neckar zu Hause und verfügt über Niederlassungen in Frankfurt und Berlin; insgesamt sind 30 Mitarbeiter beschäftigt.

Das Unternehmen ist unter anderem zertifiziert für die TK- und IT-Produkte von Avaya, Alcatel-Lucent, Aastra und Siemens. Pro-aktives Online-Monitoring, Video-Überwachung, Virtualisierung, VPN, Security im LAN & WAN, Standortvernetzung oder Hochverfügbarkeitslösungen sowie Business-Software von Dokumenten-Management bis Zeiterfassung zählen zum Leistungsumfang von Hecom. In allen Bereichen gehören Beratung, Konzeption und Durchführung sowie optionale Wartungs- und Serviceverträge, auch für Miet- und Gebrauchtanlagen, zum Portfolio.

Für die Kartoffelsortieranlage der RV Bank besonders wichtig: Das Gesamtsystem aus redundanten Servern, automatisierter Kommunikation mit dem Hersteller sowie pro-aktivem Monitoring und Vor-Ort-Service durch das Software-Haus funktioniert, ohne dass eine manuelle Administration seitens des Anwenders erforderlich ist.

Der Autor

Dr. Rainer Doh ist Redakteur in München.

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