Nachgefragt bei Stephan Zimprich, Eco, und Karl-Heinz Land, Neuland

Wann kommt denn nun die Blockchain-Revolution?

| Autor: Lisa Marie Waschbusch

Die Blockchain ist wohl eine der gehyptesten Technologien des Jahres 2018.
Die Blockchain ist wohl eine der gehyptesten Technologien des Jahres 2018. (Bild: Pixabay / CC0)

Die Blockchain werde 2018 das Internet der Dinge revolutionieren, hieß es zum Beispiel seitens des Eco- Verband der Internetwirtschaft im Dezember 2017. Von Revolution kann zum Ende dieses Jahres noch keine Rede sein, vielmehr von einem Erwachen. Hier zwei Experten zum Thema:

Die Ambitionen sind groß. Die Potenziale auch. In der Realität fehlt es allerdings an alltagstauglichen Anwendungen. Die Blockchain-Technologie finde im Jahr 2018 mit zahlreichen Anwendungen Eingang in den Geschäftsalltag, hieß es im Dezember 2017 in einer Mitteilung des Eco-Verbands.

Ein Jahr später zeigt eine Studie des Digitalverbands Bitkom: Die deutsche Wirtschaft gibt sich in Sachen Blockchain bislang zögerlich. Blockchain-Prozesse laufen derzeit nur bei etwa zwei Prozent der deutschen Unternehmen; bei vier Prozent sollen sie in Arbeit sein. So hat sich laut der Studie die Mehrheit der Unternehmen (60 Prozent) überhaupt noch nicht mit dem Thema beschäftigt.

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18.12.18 - Über die fabelhaften Chancen der Blockchain als disruptive Technologie berichtet die Fachpresse nonstop in den höchsten Tönen. Doch aktuelle Studien spielen eine ganz andere Melodie: Mit der Skepsis der Anwender gegenüber der noch sehr jungen Technologie kehrt der Bezug zur Realität wieder zurück. lesen

Stephan Zimprich, Leiter der Kompetenzgruppe Blockchain im Eco, und Karl-Heinz Land, Buchautor und CEO der Kölner Beratungsagentur Neuland, äußern sich zum aktuellen Stand und geben eine kurze Prognose ab

2018 wurde vom Eco bereits im Dezember 2017 als das „Blockchain-Jahr“ angekündigt, in dem die Technologie das IoT revolutionieren werde. Gibt es mittlerweile genügend Use Cases, die diese Aussage rechtfertigen?

Stephan Zimprich: In den vergangenen Jahren sind eine ganze Reihe an Prototypen und Pilotprojekten auf Basis der Blockchain-Technologie entstanden. Die Industrie glaubt an die Technologie und investiert weiterhin in entsprechende Projekte. Die Erwartung, dass 2018 schon einige Lösungen im Realeinsatz sind, hat sich nicht ganz erfüllt.

Die Diskussion wird realistischer und hat auch mehr Substanz, der Hype ist zum Glück vorbei. Bei der praktischen Umsetzung gilt es jedoch, Herausforderungen wie etwa die Skalierbarkeit zu lösen, was die Entwicklung zum Teil verzögerte. Es gibt viele Projekte, die darauf hindeuten, dass in den kommenden ein bis zwei Jahren viele neue Lösungen entstehen, die mithilfe der Blockchain Anwendungen sicherer, schneller und vertraulicher machen.

Auf Lösungen auf Basis von Public Blockchains, die das Potenzial besitzen bestimmte Wirtschaftsbereiche zu revolutionieren, müssen wir wahrscheinlich noch etwas länger warten. Wann und in welchem Maße sich die Technologie durchsetzen wird, ist noch immer ungewiss.

Die Blockchain-Technologie scheint im industriellen Umfeld in anderen Ländern bereits stärker verbreitet zu sein. Welche Länder sehen Sie hier vorne?

Karl-Heinz Land: Ich sehe hier vor allem Asien weit vorne, die bereits relativ viel gemacht haben. Große Asiaten, wie Samsung, Hitachi oder auch Fujitsu, haben sich sehr früh Vereinigungen angeschlossen.

In welchen Branchen sehen Sie in Deutschland den größten Nachholbedarf?

Stephan Zimprich, Leiter der Kompetenzgruppe Blockchain im eco Verband: „Die Erwartung, dass 2018 schon einige Lösungen im Realeinsatz sind, hat sich nicht ganz erfüllt.“
Stephan Zimprich, Leiter der Kompetenzgruppe Blockchain im eco Verband: „Die Erwartung, dass 2018 schon einige Lösungen im Realeinsatz sind, hat sich nicht ganz erfüllt.“ (Bild: eco Verband)

Stephan Zimprich: In Deutschland prüfen wir neue Technologien sehr genau, bevor wir entscheiden, ob sich ein Investment wirklich lohnt. In anderen Ländern ist die Kultur etwas agiler, dort werden neue Entwicklungen eher mal ausprobiert statt abzuwarten. Das Interesse und die Aktivitäten in allen Branchen sind jedoch auch hierzulande nach wie vor sehr groß. Einen besonderen Nachholbedarf sehe ich in keiner Branche, manchmal würden wir uns etwas mehr Lust am Ausprobieren neuer Technologien wünschen.

Die Bundesregierung plant eine Blockchain-Strategie 2019. Wie sehen Sie das: Braucht es dafür überhaupt noch eine Strategie? Und hat Deutschland den Zug bereits verpasst?

Stephan Zimprich: Berlin bildet mit seiner hohen Dichte an Entwicklern und Start-ups sicherlich ein internationales Zentrum der Blockchain-Community. Hier entstehen viele spannende und kreative Ideen, auf deren Umsetzung wir uns in den nächsten Jahren freuen können. Das politische Berlin hat das Potenzial erkannt.

Die Blockchain bietet Potenzial im Bereich E-Government. Beispielsweise ließe sich die Effizienz der Datenverwaltung mit der Blockchain-Technologie steigern. Das Thema im Rahmen einer Strategie zu sortieren und zu analysieren ist sicherlich sinnvoll. Denn mit dieser ist es leichter, Reibungspunkte mit aktuellen gesetzlichen Regelungen zu identifizieren und aufzulösen und Normierungen und Standards voran zu treiben.

Karl-Heinz Land, Buchautor und CEO der Kölner Beratungsagentur neuland: „Meine These ist: Die Blockchain verändert alles, nicht nur das IoT.“
Karl-Heinz Land, Buchautor und CEO der Kölner Beratungsagentur neuland: „Meine These ist: Die Blockchain verändert alles, nicht nur das IoT.“ (Bild: neuland)

Karl-Heinz Land: Es ist noch nicht zu spät: So viel ist dann doch noch nicht passiert. Ich glaube, dass solche Initiativen die Awareness für dieses Thema erhöhen. Und das ist wichtig. Meine These ist: Die Blockchain verändert alles, nicht nur das IoT. Die Blockchain wird quasi das Web 3.0 oder 4.0 provozieren.

Das Web 2.0 hatte den Nachteil, dass es nicht sicher war. Dass man nicht zwischen Partnern gesicherte Transaktionen, die auch quasi unmanipulierbar waren, sicherstellen konnte. Das passiert aber jetzt mit der Blockchain in Verbindung mit dem Web. Also immer wenn es um Werte geht oder um Geschäfte zwischen zwei Partnern, die sich nicht kennen.

Ein Drittel des Internets wird neu erfunden und das wird sich in der Blockchain abspielen. Egal, in welcher Industrie. In jedem Bereich wird die Blockchain das Internet revolutionieren.

Wann ist Ihrer Meinung nach mit dieser Entwicklung zu rechnen?

Karl-Heinz Land: Das geht jetzt los. 2018 war das Jahr des Erwachens, 2019 werden wir viele Projekte sehen, die live gehen und in den nächsten drei bis fünf Jahren, werden sich komplette Industrien um die Blockchain neu gestalten. In Zukunft wird es nicht mehr nur um Datenschutz, sondern um Datensouveränität gehen. Die Souveränität jedes Einzelnen. Das kann ich in der Blockchain, im Distributed-Ledger, wunderbar darstellen.

Hinweis: Der Artikel entstammt dem PartnerportalIndustry of Things“.

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