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Schmutziges Geschäft mit gefälschten Halbleiter-Chips

Vorsicht Plagiate: Das schmutzige Geschäft mit gefälschten Halbleiter-Chips

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Mit dem Anti-Counterfeiting-Programm gegen tickende Zeitbomben

Da sich die Chip-Verarbeiter nur schwer gegen Plagiate wappnen können, hat Infineon bereits vor Jahren ein weltweit einheitliches Anti-Counterfeiting-Programm mit regional unterschiedlichen Schwerpunkten etabliert. Es setzt auf lückenlose Nachverfolgung, enge Zusammenarbeit mit Zollbehörden und anderen Halbleiterherstellern sowie Beratung und Aufklärung von Kunden und staatlichen Institutionen.

„Im Rahmen des World Semiconductor Councils arbeiten wir firmenübergreifend an Lösungen, mit denen man das Problem global eindämmen kann“, sagt Robl. Dazu würden klare Regeln in den Verträgen mit Produktionspartnern zählen, die regelmäßig auditiert werden. „Wir müssen sicherstellen, dass die Produkte, die nicht unseren Standards entsprechen, gesammelt, transportiert und auch recycelt beziehungsweise entsorgt werden“, erklärt Robl. „Damit wir ein nahtloses Tracking der Bausteine garantieren können, haben wir Prozesse überarbeitet, neue aufgesetzt und arbeiten grundsätzlich nach dem Vier-Augen-Prinzip.“ So würden zum Beispiel Transporte zum Teil begleitet.

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Es gebe immer wieder Anhaltspunkte, die auf Fälschungen hinweisen. Diese Hinweise gibt Infineon den Zollbehörden weiter. Umgekehrt erhält Infineon Bilder, Dokumentationen oder auch auffällige Bauteile zum Überprüfen von den Zollbeamten. „Wenn bestimmte Indikatoren zusammentreffen, wird der Import gestoppt und genau überprüft“, erläutert Robl. Im Zuge von konzertierten Joint Customs Operations (JCO) hat OLAF bereits mehrere spektakuläre Fälschungsdelikte aufdecken können.

Rigoros gehe man auch gegen Anbieter auf den digitalen Umschlagplätzen vor: „Wenn unsere Schutzrechte missbraucht werden, wirken wir darauf hin, dass die Händler von der Plattform verbannt werden“, sagt Robl. Gerade chinesische Anbieter würden allerdings oft schnell unter einem neuen Namen weitermachen. „Auch hier versuchen wir, staatliche Behörden für das Problem zu sensibilisieren.“

Infineon setzt besonders auf Prävention

Andererseits können Halbleiterhersteller wie Infineon nicht jedem Verdacht nachgehen. Daher müssen Unternehmen, die sich beispielsweise über ausgefallene Bauteile beim IC-Hersteller beschweren, zunächst nachweisen, woher sie das Bauteil bezogen haben. „Darauf weisen wir in unseren Awareness-Schulungen hin: Voraussetzung für Support ist, dass der Kunde die Komponenten direkt von uns oder über unsere autorisierten Händler bezogen hat“, macht Robl klar. Wer auf dem freien Markt kauft, gehe daher erhöhte Risiken ein. Gleichzeitig versuche man den Kunden aufzuzeigen, wie sie gefälschte Produkte erkennen und vermeiden können, auf Produktfälschungen hereinzufallen.

Bis heute gibt es leider kein Kennzeichnungssystem, mit dessen Hilfe sich die Transportrouten von ausgemusterten elektronischen Bauteilen und Geräten lückenlos nachverfolgen ließe – weder legal noch illegal. Daher gibt es auch keine genauen Angaben darüber, wie viel Elektroschrott wohin gelangt. Klar ist nur: Es ist viel. Möglicherweise könnte die Blockchain-Technologie dieses Problem lösen, indem sie jeden Chip hardwaremäßig eindeutig und nicht manipulierbar kennzeichnet.

Hinweis: Der Artikel erschien im Original zunächst bei der Publikation „Elektronik Praxis“.

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