Datacenter-Revolution im Kellerloch

Von CoreOS kommt das Betriebssystem für Cloud-Rechenzentren

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Gründerspirit und große Pläne

Im Keller des Hauses, in dem die rasch wachsende Firma ausbreitet, stehen ein paar alte Sofas um einen klapprigen Tisch herum, vorn ein Flipchart, in der Ecke der Kühlschrank mit Cola und allerlei Biodrinks. „Hier verbringen wir viel von unserer Zeit und brüten neue Ideen aus“, erklärt PR-Managerin Kelly Tenn. Das Gründungsdomizil war stilecht eine der berühmten Garagen, in denen viele der großen und spannenden IT-Geschichten der USA beginnen.

Der Boss der gerade einmal zwei Jahre alten Firma mit inzwischen 40 Mitarbeitern hält sich nicht mit Kleinigkeiten auf. „Wir bauen das sichere Betriebssystem für das Container-Zeitalter“, sagt CEO Alex Polvi vollmundig. Er ist 28 Jahre jung, mit athletischer Statur und brennenden Augen. Man ist geneigt, ihm zu glauben.

Das tun schließlich auch namhafte Investoren, die bereits 20 Millionen Dollar in CoreOS gesteckt haben. Einer davon ist Google. Polvi hat sich seine Sporen und die erste Million bereits verdient: er hat mit „Cloud Kick“ schon einmal einen Startup gegründet, der 2010 für 40 Millionen Dollar an Rackspace ging.

CoreOS patcht wie Mobiltelefone

Doch was hat CoreOS nun anzubieten? „Wegen Update- und Patching-Problemen fehlt es der Server-Infrastruktur in Rechenzentren heute grundsätzlich an Sicherheit“, sagt Polvi. Also habe man ein abgespecktes Linux entwickelt, CoreOS eben, das optimiert für verteilte Systeme, standardisierte Hardware und Applikationscontainer sei, erläutert Polvi.

Mit dem neuartigen Update-Mechanismus "Core Update" sieht der CoreOS-Administrator immer sofort, welche Maschinen welchen Stand haben und kann Update-Zyklen gruppenspezifisch automatisieren.
Mit dem neuartigen Update-Mechanismus "Core Update" sieht der CoreOS-Administrator immer sofort, welche Maschinen welchen Stand haben und kann Update-Zyklen gruppenspezifisch automatisieren. (Bild: CoreOS)

Der Update-Mechanismus CoreUpdate ermöglicht jederzeit Überblick darüber, wo welche Systemvarianten von CoreOS laufen. Maschinen können gruppenweise aktualisiert oder auch von Update-Läufen systematisch ausgeschlossen werden. All das wird über eine übersichtliche Web-Benutzerschnittstelle gesteuert und in einem Dashboard grafisch und in Zahlen dargestellt (siehe: Abbildung).

Gehört Containern die Zukunft?

Den Containern gehöre, so Polvi, wegen ihrer Flexibilität, ihrer Ressourcensparsamkeit und der Möglichkeit, sie unabhängig von Hypervisoren zu verwenden, die Zukunft. Sie steigerten die Auslastung der Server-Hardware gegenüber virtuellen Maschinen um das Zehnfache, behauptet Polvi. Legt man aktuelle Auslastungsschätzungen für Rechenzentren zugrunde – 30 Prozent sind hier schon ein guter Wert – ist dieses Argument sicherlich für viele scharf kalkulierende Betreiber von Cloud-Dienstleistungsrechenzentren reizvoll.

Eine Professional-Variante von CoreOS ist kostenpflichtig, für monatliche Pauschalkosten, die sich nach der Zahl der Server richten, erhalten Anwender Wartung, Support und Updates. Hinter der Lösung steht eine mehrhundertköpfige Entwickler-Community. Sie entwickelt das Betriebssystem stetig weiter. Gegenüber vergleichbaren Projekten und Produkten wie DCOS oder MesOS hebe sich CoreOS vor allem durch mehr Sicherheitsfeatures ab, sagt Polvi.

Im April machte CoreOS „Tectonic“ kommerziell verfügbar. Das Projekt kombiniert die Container-Management-Umgebung mit dem CoreOS-Stack, woraus sich eine Google-ähnlich funktionierende Infrastruktur bauen lässt. Dazu kommen Funktionen, die für kommerzielle RZ-Umgebungen wichtig sind, etwa eine Management-Konsole für Workflows und Dashboards, eine integrierte Registry, um Linux-Container zu bauen und gemeinsam zu nutzen und Tools für automatisiertes Deployment oder die Automatisierung von Updates.

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