Ein langjähriger Cloud-Praktiker im Interview

Vom Admin zum Cloud-Operator

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Beziehen IT-Spezialisten nicht einen Teil ihrer Wertschätzung und ihres Gehalts eben daraus, dass sie eben Experten für ganz bestimmte Fachrichtungen sind? Verändert Cloud-Computing die Maßstäbe?

Karsten Constantin, CIO bei Teamplace
Karsten Constantin, CIO bei Teamplace
(Bild: Constantin, Teamplace)

Man muss da differenzieren. Der Datenbankexperte bleibt gefragt, denn die Datenbanken laufen ja auch in der Cloud. Der braucht vor der Cloud wirklich keine Angst zu haben. Aber schon Storage-Admins werden nicht mehr gebraucht. Gleiches gilt für VMware-Spezialisten, erst recht für Hardware-Entwickler. Wenn die weiter darauf beharren, nur das machen zu wollen, ist der Job weg, sobald man in die Cloud geht. Auch der klassische Netzwerktechniker muss sich umschauen. Die Netzwerktechnik wird zum Softwarestack. Switches, Router, Firewalls laufen als virtuelle Maschinen. Für mich ist es eher ein Erleichterung, dass die Hardware darunter wegfällt und ich mich auf den Service konzentrieren kann.

Das Gehalt kann sich an Verfügbarkeit und SLAs orientieren. Woran orientiert sich bei Ihnen das Gehalt?

Vor allem an Erfahrung. Je mehr, desto höher das Gehalt. Außerdem kriegen die Mitarbeiter Prämien entsprechend Zielvereinbarungen. Das sind Punkte wie Verfügbarkeit, Kundengewinnung, Projekte, Termintreue etc.

Stärkt die Betonung der Services nicht eher die Position der Developer gegenüber den Operators?

Ja. Die Entwickler programmieren die Services, auf die es ankommt in der Cloud. Worauf das läuft, ist ihnen erst einmal egal. Der klassische Admin wird sich in die zweite Reihe gedrängt fühlen, nicht aber der Admin, der sich mit dem Cloud-Operating beschäftigt. Denn es entsteht eine bi-direktionale Beziehung zwischen Developer und Operator.

Wie sieht die aus?

Der Entwickler muss ein Stück weit klassisches Operator-Wissen haben. Ein Developer muss heutzutage wissen, was sich vernünftigerweise in der Cloud machen lässt. Das Wissen kann der Operator ihm geben. Der klassische Operator hat heutzutage wenigstens grundlegendes Programmierwissen, kann Code lesen, um zu wissen, wie er ihn monitoren und verbessern kann. Das beiderseitige Wissen vermischt sich immer mehr. Am Ende beherrscht idealerweise jemand beides.

Inwieweit ist das Realität geworden?

Das ist ein Prozess. Wir arbeiten zum Beispiel mit Docker, was beide Seiten sehr interessiert. Ein Operator hat ein hohes Maß an Wissen zur Docker-Technik, Developer bringen ihren Code für den Service im Container mit. Also besteht noch eine gewisse Zweiteilung von Aufgaben, aber der Operator weiß inzwischen, was der Code macht, und der Entwickler weiß heute, auf welcher Basis sein Code läuft. Das ist ein Unterschied zu früher, wo Services ohne Operator-Wissen programmiert wurden und oft nicht liefen. Das ist heute nicht mehr so, weil die Zusammenarbeit viel enger ist.

Spielt der Operator eine Rolle als Vermittler zwischen Entwicklern einerseits und Geschäftsleitung oder Abteilungen andererseits?

Bei flachen Hierarchien ist das nicht zu erkennen. Ich bin technisch verantwortlich für das Operation-Team, gleichzeitig auch im Vorstand. Insofern lassen sich Wünsche und Möglichkeiten früh in Einklang bringen. Es geht halt nicht alles so einfach und schnell wie gedacht. Und bei Security-Aspekten braucht es ohnehin besondere Aufmerksamkeit. Manchmal muss man schon ein wenig bremsen.

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Über den Autor

 Ludger Schmitz

Ludger Schmitz

Freiberuflicher Journalist