Der Kampf um den Zukunftsmarkt OpenStack VMware versus Red Hat

Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

Zwar hat VMware den Hypervisor ESX nicht Open Source gestellt. Bei Hybrid Cloud Computing und OpenStack im Speziellen aber ist das Unternehmen bemerkenswert offen. Der Angriff gilt Red Hat. Ein Gastbeitrag von Rajiv Sodhi, Managing Director Europe bei Mirantis.

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Die Karten liegen bereit, die Einsätze sind hoch, es geht um viel.
Die Karten liegen bereit, die Einsätze sind hoch, es geht um viel.
(Bild: Kigoo Images, pixelio.de)

Red Hat ist zweifelsfrei das Paradebeispiel dafür, wie man Open-Source-Software in ein milliardenschweres Geschäft umwandelt. Darüber hinaus hat das Unternehmen klargestellt, dass es alles auf OpenStack setzt. Kann Red Hat einen der vielleicht größten Open-Source-Märkte aller Zeiten an VMware verlieren?

Vom Virtualisierungs- zum Cloud-Spezialisten

VMware ist eher als Virtualisierungs- denn als Cloud-Spezialist bekannt. De facto ist der Anbieteer seit Mai 2014 mit vCloud Air im Cloud-Markt vertreten und seit 2012 an der Entwicklung von OpenStack beteiligt. Dies führte im August 2014 zur Ankündigung von VMware Integrated OpenStack (VIO). Mit VIO können Anwender OpenStack-APIs nutzen, um vCenter-Ressourcen zu verwalten.

Damals war der Markt überwiegend skeptisch. Viele dachten wohl, VMware wolle OpenStack den Garaus machen. Andere nahmen das Unternehmen ernst und sahen darin eher eine defensive Ausrichtung. Einige meinten sogar, VMware könne gewinnen.

Mitten drin im OpenStack-Geschäft

Nur sechs Monate später wächst das OpenStack-Geschäft von VMware schneller als jeder andere Geschäftsbereich des Unternehmens, so Firmenchef Pat Gelsinger vor kurzem. Gleichzeitig kündigte er zahlreiche Produktneuheiten an, die VMware unter OneCloud zusammenfasst: „die erste einheitliche Plattform für die Hybrid-Cloud“.

Es gibt also VMware vSphere 6, VMware Integrated OpenStack, VMware Virtual SAN 6, VMware vSphere Virtual Volumes und vCloud Air Hybrid Networking Services powered by NSX. Außerdem gab VMware die generelle Verfügbarkeit von VMware Integrated OpenStack (VIO) bekannt. VIO ist für Kunden von vSphere Enterprise Plus kostenlos erhältlich.

Aber warum? Ganz einfach. OpenStack wurde oft als kostenloser Ersatz für VMware betrachtet. Das fand bei allen Unternehmen, die Lizenzgebühren an VMware entrichteten, große Beachtung. Diese Unternehmen würde Red Hat nur allzu gerne für sich gewinnen. Doch anstatt sie zu aufzugeben, macht VMware OpenStack zum Teil seiner Hybrid-Cloud-Strategie, um On-premise- und öffentliche Ressourcen miteinander zu verbinden.

Bevor die Kunden auf andere Gedanken kommen

VIO hat die Betatestphase hinter sich. VMware betonte dazu, dass Kunden ihre Tools, mit denen sie bereits vertraut sind, zum Beispiel vSphere, einsetzen können, um OpenStack zu managen. All diese neuen Produkt-Features ergeben in der Summe eine Umgebung, die es VMware-Kunden ermöglicht, die Public-Cloud als Erweiterung ihrer On-Premise-Rechenzentren zu sehen und auf OpenStack zu setzen – mit VMware-„Zutaten“, so Ben Fathi, CTO von VMWare.

Dasselbe gilt für Container. Noch bevor Kunden auf den Gedanken kommen, dass Container ein Ersatz für Virtualisierung sein könnten, plant VMware, mittels Open Container API auch Container zu unterstützen. Mit anderen Worten, VMware findet immer wieder Mittel und Wege, sodass Kunden ihre Tools weiterhin nutzen können, während sie sich mutig auf den Weg in die schöne neue Welt der Cloud machen.

Keine gute Nachricht für Red Hat

Doch ein Aspekt der VMware OpenStack-Strategie ist vielleicht nicht so offensichtlich: Dadurch dass VMware mehr als 50 Prozent seines großen Kundenstammes OpenStack kostenlos anbietet, lässt es den Hypervisor ESX in OpenStack einfließen. Und das ist keine gute Nachricht für Red Hat.

Red Hat ist in vielerlei Hinsicht unbestritten das führende Unternehmen im OpenStack-Markt. Man kann es zumindest mit einem sich auf die Brust trommelnden 800-Pfund-Gorilla vergleichen. Aber könnte aufgrund der Marktführerschaft von VMware für Server-Virtualisierung ESX der beherrschende Hypervisor bei OpenStack-Installationen werden, wenn VMware-Kunden auf OpenStack setzen?

Werfen wir einen Blick auf die Zahlen. Anfangs war KVM von Red Hat der meistgenutzte und bestunterstützte Hypervisor bei OpenStack-Bereitstellungen. KVM hat nach wie vor eine starke Stellung im Markt, wobei Gartner voriges Jahr schätzte, dass bei „ungefähr 50 Prozent“ der OpenStack-Installationen KVM als Hypervisor genutzt wird. Die Helion OpenStack Community Edition von Hewlett-Packard beinhaltet den Hypervisor KVM standardmäßig, so dass die wachsende Kundenbasis von HP auch eine gute Nachricht für Red Hat ist.

Das Standbein in Bewegung setzen

Doch VMware dominiert den Markt für Server-Virtualisierung und kann das Fünffache an Hypervisor-Installationen gegenüber den direkten Mitbewerbern Microsoft und Red Hat vorweisen. Laut IT Candor nutzten im Jahr 2013 3,4 Millionen virtuelle Server ESX, 700.000 Hyper-V und 600.000 KVM. Im vergangenen Jahr liefen mindestens 50 Millionen virtuelle Maschinen auf VMware, so der Anbieter kürzlich. Das sind 50 Millionen virtuelle Maschinen, die nicht an die OpenStack-Distribution von Red Hat gehen, wenn VMware mit einem unwiderstehlichen Angebot aufwarten kann.

Red Hat weist oft darauf hin, wie wichtig es ist, dass eine OpenStack-Distribution und das Betriebssystem, auf dem sie läuft, zusammenpassen. Doch der Erfolg von betriebssystemunabhängigen Anbieterdistributionen zeigt, dass das wohl nicht wirklich entscheidend ist.

Was für Anwender Effizienz bedeutet

Letzten Endes soll mit OpenStack mehr IT-Effizienz und -Effektivität erreicht werden. Eine Möglichkeit besteht darin, die vorhandene Infrastruktur zu nutzen. Denkbar ist ein Mix aus Servern, Speichern und Netzwerkgeräten. Und weil OpenStack dafür konzipiert ist, diese mithilfe von Treibern und Plugins unter einen Hut zu bringen, können Sie OpenStack einfach auf Ihren vorhandenen Systemen aufsetzen und loslegen.

Genau das wollen VMware-Anwender tun. Warum sollten sie einen Komplettaustausch vornehmen und ihre VMware-Infrastruktur auf die Red Hat Enterprise Linux OpenStack-Plattform migrieren, wenn sie dadurch in puncto Anbieterunabhängigkeit keinen Vorteil erzielen? Es spricht nicht viel dafür. Einfache Handhabung und Integration mit vorhandenen Umgebungen ist schließlich das, was für diesen großen Kundenstamm wirklich zählt.

Der Angreifer meint es ernst

Zudem dürfte Red Hat sich schwer tun, die Beweggründe von VMware in Frage zu stellen. Denn VMware meint es ernst mit OpenStack, wie die Beiträge zur Erweiterung der Code-Basis, die Mitgliedschaft in der OpenStack Foundation mit Platin-Status und die jüngsten Ankündigungen zeigen.

VMware hat frühzeitig erkannt, dass die Open-Source-Bewegung eine Bedrohung darstellen könnte, wenn das Unternehmen sich nicht neu aufstellen würde. Ob es VMware gelingt, neue Nicht-VMware-Kunden für seine OpenStack-Plattform zu gewinnen oder nicht, Kunden werden der VMware-Plattform treu bleiben, wenn VMware es ihnen leichter macht, OpenStack hinzuzufügen und einen Nutzen aus bereits erfolgten Investitionen in Infrastruktur zu ziehen.

Den Fehdehandschuh aufgenommen

VMware hat gezeigt, dass es in der Lage ist, „immer dort zu laufen, wo der Puck sein wird – und nicht da, wo er war“, um eine Aussage der Eishockey-Legende Wayne Gretzky zu zitieren. VMware hat frühzeitig die Bedrohung durch die Cloud erkannt und ist in das Cloud-Geschäft eingestiegen. Und VMware war sich der von OpenStack ausgehenden Gefahr bewusst und hat sich OpenStack verschrieben, noch bevor der Kampf um den Markt entbrannt ist.

Nun sieht VMware das Aufkommen der Hybrid-Cloud und ist auch in diesem Fall an Ort und Stelle. VMware weiß sehr wohl: Nur ein Unternehmen, dem es auf einfachste Weise gelingt, OpenStack mit vorhandener Infrastruktur zu integrieren, macht das Rennen. Und durch „Anzapfen“ des riesigen Kundenstamms könnte VMware zum OpenStack-Marktführer avancieren und den meistgenutzten Hypervisor KVM durch ESX ablösen. (ls)

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