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VMware vCloud Hybrid Service im Anflug

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Ausblick und Einordnung ins Cloud-Geschehen

Der Anteil von den Unternehmen, die Cloud-Angebote nutzen, ist von 27 Prozent Ende 2011 auf 34 Prozent gestiegen.
Der Anteil von den Unternehmen, die Cloud-Angebote nutzen, ist von 27 Prozent Ende 2011 auf 34 Prozent gestiegen.
(Quelle: Bitkom)
Laut der von der Bitkom und der Beratungsgesellschaft KPGM im Februar vorgestellten Studie Cloud Monitor 2013, die die Cloud-Nutzung deutscher Unternehmen im Geschäftsjahr 2012 analysiert, ist der Anteil von die Cloud nutzenden deutschen Unternehmen von 27 Prozent Ende 2011 auf 34 Prozent gestiegen.

Allerdings betreiben gerade deutsche Unternehmen Cloud-Szenarien aus Angst vor Kontroll-Verlust vorwiegend selbst, denn insbesondere im Mittelstand herrscht noch immer eine gewisse Skepsis vor, Daten in egal welcher Form einem externen Dienstleister anzuvertrauen. Trotzdem scheint nach kaum mehr als einem Jahrzehnt der Paradigmenwechsel in der IT-Versorgung von „on-premise“ zu „on-demand“ (IaaS) den Köpfen von Entscheidern und Herstellern angekommen zu sein.

Schneller und bequemer sind benötigte Ressource wie Infrastruktur (virtuelle Maschinen) oder Storage nicht zu bekommen. Allerdings bleibt hinsichtlich des Anbieters derzeit kaum eine andere Wahl, als ein Sprung über den großen Teich. Neben Amazon, Google und Microsoft reiht sich jetzt auch VMware in die Riege der großen Infrastruktur-Anbieter ein, lässt man Mal den Open-Source-Spezialisten Red Hat außen vor.

Hinsichtlich Sicherheit, Verfügbarkeit/Performance und Zuverlässigkeit mag es für Mittelständler daher beruhigend sein, sich einem Anbieter mit hoher Reputation und solidem finanziellen Background anzuvertrauen, was bei VMware mit seinem Jahresumsatz von 4,61 Milliarden Dollar im Jahr 2012 und dem angeschlossenen globalen Partnernetzwerk aus 55.000 Partnern und über 480000 Kunden sicher gegeben ist.

Misstrauen im Mittelstand

Trotzdem herrscht gerade im Mittelstand ein generelles Misstrauen gegenüber der Datenspeicherung in der Cloud im Allgemeinen und die USA im Besonderen vor. Dass Vorsicht hierbei nicht ganz unangebracht ist, offenbart beispielsweise ein vom EU-Parlament in Auftrag gegebenes Gutachten des Centre D'Etudes Sur Les Conflits und des Centre for European Policy Studies.

Demnach könnten sich US-Behörden heimlich Zugriff auf die Daten europäischer Nutzer bei US-Cloud-Anbietern beschaffen. Auch wenn Daten im Zusammenhang mit den Partnernetzwerken der Cloud-Anbieter nicht zwangsläufig in die USA fließen, bleibt zu bedenken, dass der jeweilige Firmenhauptsitz in den USA möglicherweise auch von rechtlicher Bedeutung ist – etwa bei Schadenersatz.

So oder so gibt es derzeit aber kaum Alternativen zu den Global-Playern, auch wenn insbesondere kleine und mittelständische deutsche Unternehmen gut beraten ist, auch die hier angebotenen Alternativen zu prüfen, um mit OwnCloud, Univention und Deutsche Wolke die interessantes Initiativen zu nennen.

Zersplitterung droht

Leider trägt VMwares neue Offerte kaum dazu bei, die Situation um die sich abzeichnende Fragmentierung des Cloud-Marktes zu entschärfen. Denn die APIs von VMware (vCloud API), Amazon (Amazon Web Services), Google (Compute Engine) oder Rackspace (OpenStack API) sind weitgehend zueinander inkompatibel, was für Unternehmen das Risiko eines Vendor-Lock-in paradoxer Weise weiter erhöht.

Zwar nutzen die APIs aller Cloud-Hersteller HTTP als RPC-Schnittstelle, „dahinter“ hören die Gemeinsamkeiten aber auf, denn dass Kundenbindung im Interesse der Hersteller liegt, kann man denen kaum vorwerfen. Projekte wie das von Red Hat initiierte „Deltacloud“ mit seiner Unterstützung aller wichtigen APIs machen die Situation zwar für die Nutzer von Red Hat IaaS-Produkten transparenter, verschieben das technische Problem der API-Kompatibilität aber nur auf eine andere Ebene. Denn auch bei DeltaCloud muss irgendwer die „Adapter“ für AWS, OpenStack, vCloud & Co pflegen. Vielleicht naht mit dem neuen Cloud Computing Interface (OCCI) nachhaltig Besserung in Form von Standardisierung.

Fazit zum Mitnehmen

Dass VMware den Markt um ein weiteres im Prinzip proprietäres Hybrid-Cloud-Angebot bereichert, ist aus Sicht von VMware folgerichtig, nachvollziehbar und wird vor Allem Bestandskunden beglücken, die so auf relativ einfache Weise Ihre kompletten virtuellen (VMware)-Rechenzentren in die Cloud bekommen. Wer noch am Anfang einer möglicherweise für Jahre und Jahrzehnte Konsequenzen nach sich ziehenden Cloud-Strategie steht, sollte eventuelle die Entwicklungen um OCCI abwarten oder einen Blick auf einer der etablierten Open-Source-Lösungen wie Open Nebula, Eucalyptus, OpenStack oder CloudStack werfen.

Diese bieten allesamt Schnittstellen zu AWS an, damit aber letztendlich auch die Bedeutung von Amazons API stärken. Zudem erfordert der als reine Middleware konzipierten Open-Source-Lösungen ausreichend eigenes Know How, es sei denn, man schaut sich Komplettlösungen wie Red Hats „Open IaaS Architecture Service“ an und vertraut auf die Vision des Herstellers einer herstellerunabhängigen Cloud.

Der Autor:

Thomas Drilling ist freier Autor und bloggt über Enterprise-relevante Open-Source-Themen, -Tools und -Kniffe.

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