Gartner-Magie für integrierte Systeme Virtuelle SANs statt Komponentenpakete - das ist State of the Art

Autor / Redakteur: Susanne Franke / Ulrike Ostler

Der erste magische Quadrant zu integrierten Systemen von Gartner zeigt, dass zwar die Platzhirsche der konvergenten Systeme noch ihre Marktmacht ausspielen. Die Zukunft aber gehört Lösungen, die ihre Server-, Speicher- und Netzwerkkomponenten speziell auf das Implementierungsmodell zuschneiden. Dies zeigt der bestplatzierte Visionär Nutanix.

Firmen zum Thema

Der Gartner-Bericht benennt Oracle, Cisco-Netapp und VCE als "Leaders". Interessant sind die Visionäre Simplivity und Nutanix.
Der Gartner-Bericht benennt Oracle, Cisco-Netapp und VCE als "Leaders". Interessant sind die Visionäre Simplivity und Nutanix.
(Bild: Gartner)

Das Design von Rechenzentren muss mit den sich stetig ändernden Geschäftsanforderungen Schritt halten. Es müssen immer wieder neue Anwendungen für eine wachsende Zahl von Nutzern zur Verfügung gestellt werden und dafür bedarf es besserer Performance und Skalierbarkeit. Virtualisierung und Cloud-Technologien waren ein wichtiger Schritt zu höheren Nutzungsraten bei niedrigeren Kosten.

Virtuelle Umgebungen konsolidieren viele Workloads an einer Stelle. Damit steigen auch die I/O-Anforderungen (Input/Output), weil alle Rechnerressourcen auf Speichersysteme zugreifen. Ein erfolgreiches Virtualisierungsprojekt erfordert daher ein ausgeklügeltes Storage- und Sicherheitskonzept. Konvergente Infrastrukturen schließlich lenkten die Aufmerksamkeit weg von den einzelnen Komponenten im Rechenzentrum auf eine reduzierte, optimierte und skalierbare Infrastruktur.

Konvergente Infrastrukturen oder integrierte Systeme, wie das Marktforschungsinstitut Gartner sie nennt, bezeichnen eine Kombination aus Server-, Storage- und Netzwerk-Infrastrukturkomponenten, die als Paketangebot mit einer Management-Software für die Verwaltung und Provisionierung der Komponenten verkauft wird.

Etablierte Anbieter mit Paketangeboten

Laut Schätzungen der Analysten auf Basis der Umsatzzahlen des Jahres 2013 wird der Gesamtmarkt für integrierte Systeme 2014 ein Volumen von über sechs Milliarden Dollar aufweisen und damit im Jahresvergleich um 50 Prozent zugelegt haben. Gartner hat nun auch einen ersten magischen Quadranten für die integrierten Systeme vorgelegt.

In dem Bericht heißt es: „Der Markt für integrierte Systeme entsteht auf dem Fundament von Innovationen und zieht zahlreiche Startup-Unternehmen an. Diese sehen ein großes Potenzial, auf dem Rechenzentrumsmarkt Fuß zu fassen, der ansonsten von den etablierten Anbietern beherrscht wird.“

Die Marktforscher unterteilen die Angebote in mehrere Hauptkategorien, wobei die „klassischen“ Anbieter vor allem in der Gruppe der integrierten Stack-Systeme (ISS) und integrierten Infrastruktursysteme (IIS) zu finden sind. ISS umfasst vorkonfigurierte Kombinationen von Server-, Speicher- und Netzwerk-Hardware, die mit einer Anwendung (etwa Datenbank) in einer Appliance ausgeliefert werden.

Dazu gehören etwa „Oracle Exadata Database Machine“, „IBM Pure Application System“ und „Teradata“. IIS wiederum bieten eine gemeinsam nutzbare Infrastruktur aus Server-, Speicher- und Netzwerk-Hardware. VCE („Vblock“), IBM („Pureflex“) und HP („Converged System“) gehören unter anderen dazu.

Die Komponenten

Die meisten dieser integrierten Systeme bauen auf Blade-Server mit eng gekoppelten Storage Area Networks (SAN) und Network-Attached Storage (NAS), die Boot-from-Disk für alle physischen und virtuellen Knoten ermöglicht. „Die Mehrheit dieser integrierten Systeme stellt eigentlich eine effiziente Bündelung der genannten Komponenten dar, die auch als separate Produkte verkauft werden“, so die Gartner-Analyse.

Als Marktführer in diesem heiß umkämpften Segment haben die Marktforscher VCE aus der Kategorie der ISS ausgemacht. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Cisco, EMC und VMware und kombiniert „Cisco UCS Server Blades“ und Netzwerkkomponenten mit Speicher von EMC und Virtualisierung von VMware. Diese Komponenten sind über das selbst entwickelte „Vision Intelligent Operations-Management“ miteinander integriert. Auf der einen Seite profitiert VCE von der Marktmacht der drei Unternehmen, aber auf der anderen Seite sind Interessenskonflikte zwischen den Partnern vorprogrammiert.

Visionäre mit nativ integrierten Komponenten

Neben den ISS- und IIS-Angeboten erkennen die Gartner-Marktforscher aber auch mehr und mehr Angebote in Form von so genannten Fabric-based Computern (FBC), die diese drei Infrastrukturkomponenten nahtloser miteinander verbinden und statt Blades Rack-basierte Lösungen vorziehen. Im Unterschied zu den Produkten der anderen beiden Kategorien, die vorhandene Technologien zusammenpacken, sind die „technischen Zutaten“ der FBC speziell auf das Implementierungsmodell zugeschnitten. Zu dieser Gruppe zählt Gartner die Newcomer Simplivity, Nutanix aber auch das „HP Moonshot“ System.

Diese Anbieter findet man bei Gartner im Quadranten der Visionäre. Der jüngste unter ihnen ist Simplivity. Das Unternehmen ist erst seit letztem Jahr in dem Markt tätig, bietet mit „Omnicube“ einen modularen Server/Speicher/Netzwerk-Komplex, der auf x86-Hardware läuft und auf VMware-Umgebungen ausgerichtet.

Das System schließt unter anderem Fähigkeiten, wie globalen Namespace für das zentrale Management von geografisch verteilten Speicher oder integriertes VM-Backup, ein, so der Gartner-Bericht. Die Skalierbarkeit aufgrund der Modularität der Lösung sei „theoretisch sehr hoch“, urteilen die Marktforscher.

Das Nutanix-System

An vorderste Stelle im Quadranten der Visionäre positioniert Gartner Nutanix und begründet dies mit der Vollständigkeit der Vision des 2009 ins Leben gerufenen Unternehmens und „der generationsmäßig am meisten ausgereiften Lösung“. Es heißt: „Nutanix bietet mit dem auf Knoten beruhenden Ansatz der Virtual Computing Platform ein viel höheres Level an Integration der einzelnen Rechenelemente.“

So funktioniert Sclae-out - bei Nutanix
So funktioniert Sclae-out - bei Nutanix
(Bild: Nutanix)

Jeder Knoten besteht aus einem physischen Server mit eigenem Intel-Prozessor, Hauptspeicher und lokalen Speicher wie SSD sowie Festplatten. Auf jedem Server läuft ein Hypervisor der Wahl, der mehrere virtuelle Server abbildet.

Die Knoten lassen sich zum Cluster zusammenfassen, in dem der lokale Speicher aller Knoten in einem gemeinsamen Pool virtualisiert wird. Ziel ist es, ein virtuelles SAN zu schaffen, wo alle virtuellen Maschinen (VM) transparent mit Speicherressourcen kommunizieren können.

Die Kontrolle im System

Eine virtuelle Controller-VM übernimmt von jedem Knoten aus die Verwaltung des Daten-I/O für den lokalen Hypervisor. Speicherressourcen werden dem Hypervisor über herkömmliche Schnittstellen wie NFS zur Verfügung gestellt. Die Controller VMs bilden dann über alle Festplatten hinweg ein verteiltes Dateisystem („Nutanix Distributed File System“), das für den Ressourcen-Pool verantwortlich ist.

Der Vorteil der Architektur besteht vor allem darin, dass die gesamte Logik über Software abgebildet ist und es somit einfach ist, lobt Gartner, neue Server- oder Speicherressourcen hinzuzufügen – ohne in Hardware investieren zu müssen. Zudem unterstützt der Hersteller neben „VMware ESXi“ auch „Microsoft HyperV“ und den quelloffenen Hypervisor „KVM“, wobei die Hypervisor der gleichen Art miteinander kommunizieren können.

Der Nutanix-Cluster soll Web-Scale-Fähigkeiten mitbringen, und laut eigenen Aussagen Kundeninstallationen mit mehr als hundert Knoten haben. Diese hohe Skalierbarkeit liege daran, so Nutanix, dass jeder Aspekt der Lösung auf Skalierbarkeit ausgerichtet ist, bis hin zum Metadata-Layer selbst, der nicht zentral im System vorhanden ist, sondern über den Cluster hinweg verteilt. Damit fällt ein häufig vorhandener Flaschenhals in Scale-Out-Systemen weg.

Die Autorin:

Susanne Franke ist eine freie Autorin aus München.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:42832619)