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So kommen die Programme zum Anwender, Teil 2 Virtuelle Desktops vereinfachen die IT-Verwaltung

Autor / Redakteur: Johann Baumeister / Florian Karlstetter

Mobile Geräte, das Internet, Virtualisisierung und die Cloud führen zu massiven Änderungen in der IT-Nutzung. Im zweiten Teil unserer Reihe zur Applikationsbereitstellung gehen wir auf virtuelle Desktops mit den Protokollen RDP, ICA und PCoIP ein.

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Die Bereitstellung von Applikationen auf virtuelle Desktops mit Hilfe von Protokollen wie RDP, ICA oder PCoIP.
Die Bereitstellung von Applikationen auf virtuelle Desktops mit Hilfe von Protokollen wie RDP, ICA oder PCoIP.

Die Applikationsdienste der traditionellen IT-Nutzung wurden durch fest installierte Anwendungen erbracht. Die Programme der Vergangenheit mussten vor der Nutzung einmal installiert und konfiguriert werden und standen dann für die gesamte Nutzungsdauer zur Verfügung. Die „Ausführumgebung“ für diese Anwendungen waren leistungsstarke PCs am Arbeitsplatz des Benutzers. Server und die zentralen IT-Dienste dienten dabei als Rolle des Datenlieferanten, wie etwa die Dateiserver, die Datenbankserver oder die E-Mailserver oder erbrachten weiterreichende Verarbeitungsdienste als Applikationsserver.

Dieses Verarbeitungsmodell wird nun um einige Facetten reicher. Neben der traditionellen IT-Nutzung, wie oben beschrieben, kommen in Zukunft virtuelle Desktops, Apps und Webdienste (SaaS). Gleichzeitig erweitern sich auch die Gerätevielfalt und der Ort der IT-Nutzung. Um diese Vielfalt der Systeme mit Anwendungen zu unterstützen greift man auch auf die verschiedenen Techniken der Virtualisierung, wie etwa der Applikationsvirtualisierung, die Desktopvirtualisierung und die Präsentationsvirtualisierung zurück. Diese Konzepte verschmelzen zusehends mit Webdiensten und Apps.

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Virtuelle Desktop Pools statt PCs

Virtuelle Desktops sind der traditionellen Verarbeitung relativ nahe. Auch hierbei erfolgt die Ausführung der Applikationen auf einem „Benutzerdesktop“. Dieser wird nun allerdings virtualisiert und meist in das Datacenter hin verlagert. Durch die Virtualisierung des Desktops wird im Datacenter eine virtuelle PC-Hülle geschaffen, in der das Benutzergerät abgebildet (virtualisiert) wird. Abgesehen von der Virtualisierungsschicht ist der softwaremäßige Aufbau nahezu identisch mit dem Modell der traditionellen Benutzerdesktops. Der virtuelle Desktop basiert fast immer auf Windows als Betriebssystem, dessen Lautzeitbibliotheken (wie etwa dem .NET Framework) und den bestehenden Windows-Anwendungen. Neben der Virtualisierung der Desktops im Rechenzentrum ist es vor all die Verwaltung, die sich ändert. Anstelle des traditionellen Rollout tritt nun die Änderung des Desktop-Images. Dies ist, verglichen mit den Rollout-Verfahren, weitaus einfacher.

weiter mit: technische Umsetzung der Desktopvirtualisierung

Die Umsetzung

Die Umsetzung der Desktopvirtualisierung kann verschiedenartig vorgenommen werden. Unterschieden wird meist nach einem „Individuellen Desktop“, einen „Automated Desktop Pool“, einen „Manual Desktop Pool“ und dem Microsoft „Terminal Services Desktop Pool“. Die vier Modelle unterscheiden sich in der „Ausführumgebung“. Hierbei handelt es sich um die Umgebung, in der der virtuelle Desktop letztendlich läuft. Dies kann beispielsweise ein lokaler PC, eine Blade-Einschub im Rechenzentrum oder ein Desktop-Image in einem Server sein. Bei dem virtuellen Desktop handelt es sich aber immer um ein vollständiges System-Image aus Betriebssystem und Anwendung.

Mit Hilfe der zugehörigen Verwaltungstools erfolgt das Einrichten und Verteilen der virtuellen Desktops zentralisiert aus dem Datacenter. Damit richtet der IT-Verwalter die virtuellen Strukturen ein und passt sie an die eigenen Anforderungen im Unternehmen an. Zu diesen Aufgaben gehören die Verwaltung der virtuellen Desktop-Umgebung und das Einrichten der Desktops für die Benutzer.

Statt der Installation von Software auf den Benutzergeräten kommen in der Regel Templates oder Pools zum Einsatz. Aus diesen Templates oder Desktop-Pools werden dann die individuellen Arbeitsplätze der Anwender abgeleitet. Daher müssen für virtuelle Desktops lediglich diese Templates eingerichtet werden. Der Benutzer erhält dann einen dieser virtuellen Arbeitsplätze zugewiesen. Dies passiert über ein Zugangsportal. Über dieses erhalten die Benutzer eine Auswahl der verfügbaren virtuellen Desktops und deren Anwendungen.

Ein Connection Server übernimmt die Rolle des Brokers. Der Benutzer verbindet sich dann mit seinem Endgerät mit den Diensten im Rechenzentrum. Dort werden die Benutzeranfragen entgegengenommen und an die nachgeschaltet virtuellen Desktops weitergeleitet. Hierzu dient ein Connection Server. Er kümmert sich auch um die Authentifizierung der Benutzer. Anschließend wird dem Benutzer mit seinem zugewiesenen Desktop verknüpft.

RDP, ICA und PCoIP

Virtuelle Desktops werden in der Regel auf einem Server im Rechenzentrum ausgeführt. Das Gerät am Benutzerarbeitsplatz dient dann nur als Anzeigeeinheit. Daher benötigt ein virtueller Desktop eine stärkere und enge Netzwerkanbindung an die zentralen IT-Dienste.

Dazu haben die Hersteller die Kommunikationsprotokolle zwischen zentralen Dienst und Benutzergerät optimiert. Dies findet sich beispielsweise bei RDP (Remote Desktop Protocol) von Microsoft, ICA (Independent Computing Architecture) von Citrix oder PCoIP (PC over IP) von VMware. All diese Protokolle sorgen für eine bessere und schnellere Abbildung der virtuellen Desktops auf den Benutzergeräten.

PCoIP beispielsweise ist auf den Einsatz in virtuellen Desktop-Umgebungen optimiert. Es hilft um ein vollständiges Desktop-Abbild im zentralen Data Center aufzubauen und diese Images an ein PCoIP-fähiges Endpunktgerät zu übermitteln. Vor der Übertragung des Desktop erfolgt die Verschlüsselung und Komprimierung der Inhalte. Durch PCoIP erhalten die Benutzer ihre Desktop-Oberfläche just so, wie es bei einem lokalen Desktop der Fall ist. PcoIP unterstützt sowohl Thin Clients als auch Zero Clients. Die Ausführung des Desktops erfolgt allerdings zentral. Ein Manko der remote Ausführung ist meist die benötigte Netzwerkbandbreite und Latenz. Auch hierzu hat PcoIP diverse Optimierungen, um den Benutzer das Gefühl eines lokalen Desktop zu vermitteln.

Ausblick auf den letzten Teil der Reihe

Der dritte und letzte Teil der Reihe beschäftigt sich mit neuen Applikationsportalen als zentrale Zugangsknoten.

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