Kunden müssen die verschiedenen Service-Modelle evaluieren

Virtualisierung – der erste Schritt hin zum Cloud Computing

11.08.2010 | Autor / Redakteur: Dr. Michael Pauly / Ulrich Roderer

Der Service-Provider-Markt gerät durch Cloud Computing in Bewegung.
Der Service-Provider-Markt gerät durch Cloud Computing in Bewegung.

Schritt für Schritt in die Cloud

Werden virtuelle Maschinen unter diesen Rahmenbedingungen bedarfsgerecht bereitgestellt und die IT-Leistung mit einem passenden, nutzungsabhängigen Preismodell kombiniert, gelangt man bereits zur Private Cloud. Ein Szenario, das heutzutage sowohl von internen IT-Abteilungen als auch von IT Service Providern auch für Großunternehmen vielfach realisiert wird.

Von diesem Sprungbrett aus lässt sich theoretisch durch die kontinuierliche Zunahme weiterer Kunden eine Public Cloud entwickeln, die im Endstadium öffentlich, das heißt ohne Zugangsbeschränkung verfügbar ist. Im geschäftlichen Umfeld ist dies in der Regel nicht der Wunsch der Nutzer.

Für die Anwender ist vielmehr relevant, mit wem sie eine gemeinsame Plattform teilen. Und da gibt es zwischen der eigenen private Cloud und der öffentlichen Public Cloud durchaus noch einige Zwischenschritte. Ein shared private Cloud beispielsweise bei einem gemeinsamen Dienstleister oder eine Community cloud, die vor allem dann interessant werden kann, wenn insbesondere auch die Interaktion zwischen Unternehmen unterstützt werden soll.

Als Faustregel darf gelten, dass mit der Zahl der Nutzer auch die Möglichkeit der Kontrolle der Services und Ressourcen sowie eine individuelle Anpassung der Services zusehends schwierig werden. Der Weg in eine Welt der Standardangebote ist vorgezeichnet.

Als Sonderform muss die hybride Cloud gelten, die in der Regel kundenindividuell integriert wird, aber beispielsweise durch ihre Anteile an Public Clouds nennenswerte Skaleneffekte und Ressourcenteilung enthalten kann.

Neben der Frage nach dem: „Mit wie vielen anderen teile ich die Ressourcen?“ müssen sich Unternehmen auch einer zweiten Dimension beschäftigen: „Welches Servicemodell wollen wir einführen?“.

  • Infrastructure as a Service (IaaS): Im einfachsten Fall erfolgt lediglich eine Nutzung der Infrastruktur, d.h. der virtuellen Serversysteme. Die Administration und damit die Verantwortung über Applikation liegen weiterhin im Unternehmen. Somit behält das Unternehmen auch das Know-how.
  • Plattform as a Service (PaaS): Entwicklungs- und Laufzeitumgebungen von Providern stehen zur Verfügung, die für die eigenen Anwendungen genutzt bzw. mit genutzt werden. Der Anwender greift hiermit auf bewährte Services zurück und ergänzt diese bzw. passt diese nach Bedarf an.
  • Software as a Service (SaaS): Die geringste eigene Fertigungstiefe bietet SaaS. Hierbei bezieht der Nutzer einen standardisierten IT-Service, ohne sich dabei um administrative Tätigkeiten kümmern zu müssen. Der Zugriff erfolgt meist über ein Webinterface. Der Anwender hat den Vorteil, schnell einen kompletten Service ohne jeglichen eigenen Aufwand für Wartung, Pflege oder Betrieb der Software zu nutzen.

Welche Form des IT-Sourcings ist die richtige?

Die Entscheidung darüber, von wo eine Anwendung oder eine Ressource bezogen werden soll, müssen die Anwender, oder besser die für die verarbeiteten Daten Verantwortlichen, im Rahmen ihrer IT- bzw. Applikations-Strategie festlegen. Neben der Wertschöpfungstiefe sind es vor allem auch rechtliche Fragestellungen, Haftungsregelungen, Governance- und Sicherheitsaspekte die als Parameter in die Entscheidungsfindung eingehen müssen. Und nicht zu vergessen: Ist eine Anwendung überhaupt mit vertretbarem Aufwand in ein virtuelles Ambiente portierbar?

Im Einzelfall wird sich so für jedes Unternehmen ein spezifischer Sourcing-Mix ergeben, im dem insbesondere auch Integrationsleistungen eine entscheidende Rolle spielen.

Systeme mit hoch sensiblen Kernapplikationen sowie zeitkritische Systeme können meist nicht in die Cloud verschoben werden. Auch ist es meist nur unter größerem Aufwand möglich, Legacy-Systeme in die Cloud zu integrieren, da diese oft nicht mehr auf aktuellen Standards basieren. Unternehmensübergreifende Anwendungen sowie Systeme zu Kollaboration hingegen bieten sich für Cloud Computing an, sofern es keine rechtlichen oder Compliance-Bedenken gibt.

Pauschal lässt sich auf keinen Fall sagen, ob die Luftschlösser aus der Cloud echte Substanz haben, also weiter entwickelnde visionäre Ansätze sind oder eben nur Träume, die den Träumern einen unsanften Aufprall auf dem steinigen Pflaster der Realität verschaffen. Der Wert von Cloud Computing zeigt sich erst, wenn die konkreten Einsatzszenarien konsequent durchdacht und auf alle Eventualitäten geprüft sind. Aber die Palette des Cloudangebots ist groß und in nahezu jedem Unternehmen sollten sich Services oder Projekte finden lassen, die von der Flexibilität und den Kostenreduktionen der Cloud profitieren können. Man muss sie nur finden. Und da helfen Träume eher selten.

Mein Fazit

Virtualisierung ist der erste Schritt hin auf dem Weg zum Cloud Computing. Es sind jedoch noch viele weitere Schritte zu gehen, wie eine Standardisierung der Hard- und Software-Landschaft, eine Automatisierung der Provisionierungsprozesse, etc. Dabei ist es wichtig strukturiert vorzugehen.

Wie dann die Wahl der jeweiligen Cloud-Form aussieht und welche Applikationen ich wo und wie betreibe oder betreiben lasse muss immer individuell entschieden werden. Hier können keine pauschalen Aussagen getroffen werden. Lediglich Trends und Gedanken zur Entscheidungsfindung sind vorab möglich.

*Dr. Michael Pauly ist bei T-Systems im Bereich Corporate Customers - ICT Presales beschäftigt.

Inhalt des Artikels:

Was meinen Sie zu diesem Thema?

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 2046382 / Virtualisierung)