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Kommt die Cloud-Bubble? – Sind Start-ups überbewertet? Verteilung der Cloud-Märkte

| Autor / Redakteur: Kai Rügge* / Elke Witmer-Goßner

Cloud Computing ist mehr als nur ein Hype. Man kann damit schon richtig viel Geld verdienen. Kein Wunder, dass viele Unternehmen ihre Cloud-Expertise ausbauen wollen und beispielsweise junge Cloud-Unternehmen akquirieren.

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Wenn große Unternehmen heute auf Cloud-Einkaufstour gehen, dann ist das Geld sicher angelegt.
Wenn große Unternehmen heute auf Cloud-Einkaufstour gehen, dann ist das Geld sicher angelegt.

Weder Investoren noch Anleger brauchen Angst zu haben, dass das neue IT-Vertriebs- und Servicemodell so schnell platzt, wie die Dotcom-Blase vor rund einem Jahrzehnt. Kai Rügge von der PTS Group erklärt, warum.

Alles auf Angriff: Mit teuren Übernahmen von Startups setzen die Branchenführer viel Geld auf den Erfolg von Cloud Computing. Übermut oder folgerichtige Strategie, wenn etablierte IT-Anbieter wie Hewlett-Packard über 10 Milliarden US-Dollar in die Autonomy-Transaktion investieren? Womit lassen sich die 8,5 Milliarden US-Dollar rechtfertigen, die Microsoft in den Kauf von Skype investiert, SAP sich auf Shoppingtour für 3,4 Milliarden Successfactors einverleibt oder Oracle Rightnow für 1,5 Milliarden US-Dollar auslöst?

Bereits Anfang 2011 sahen sich beispielsweise die Investmentbanker von UBS dazu veranlasst, diese Start-ups hinsichtlich einer Überbewertung genauer unter die Lupe zu nehmen. Auch wurden zeitweise Vergleiche zum Jahr 2000 gezogen, das ganz im Zeichen der Dotcom-Ära stand.

Die Analysten geben zwischenzeitlich vorsichtige Entwarnung: Die untersuchten Start-ups scheinen überwiegend besser aufgestellt als vergleichbare Unternehmen vor rund zehn Jahren. So sei das für Börsianer relevante Kurs-Gewinn-Verhältnis zumeist vertretbar. Darüber hinaus deutet eine hohe Investitionsbereitschaft in den Rechenzentren auf reale Geschäfte hin.

Wo laufen die Kosten für die gewaltigen Investitionen indes aber hin? Gerät der Markt aus dem Gleichgewicht und droht vielleicht sogar eine Cloud-Bubble? Schenkt man Insidern Glauben, dann sind die Bewertungen vieler im vergangenen Jahr übernommener Cloud-Firmen zwar hoch, aber nicht außergewöhnlich.

Der langjährige Schnitt für Akquisitionsprämien, die über den Firmenwert hinausgehen, läge nach Auskunft von Analysten im Technologiesektor bei ca. 30 Prozent. SAP hat für Successfactors um die 50 Prozent Aufschlag gezahlt, IBM für Demandtec knapp 60 Prozent, Oracle für Rightnow nur etwa 20 Prozent. Das sei zwar viel, aber nicht besorgniserregend.

Ob der Cloud-Markt ernsthaft überhitzt ist, weiß aktuell kein Experte zu bestätigen. Dennoch: Die Strategie der großen Player ist eindeutig; das Thema Cloud Computing steht ganz oben auf der Agenda. Ist der Handlungsdruck nur groß genug, so steigen die Preise für interessante Übernahmekandidaten deutlich. Aktuell stellt sich nur noch die Frage, wann marktführende Unternehmen ihre Cloud-Strategie konsequent umsetzen und nicht mehr, ob das Thema Relevanz genießt.

Kai Rügge, Director Managed Services bei der PTS Group.
Kai Rügge, Director Managed Services bei der PTS Group.
Somit sind die Shoppingtouren der Großen als zukunftssichernde Maßnahme zu sehen. Dem Kunden ist die Frage danach, ob die Blase zu platzen droht, egal. Er erwartet innovative Lösungen zu günstigen Preisen. Es ist sicher davon auszugehen, dass der Kunde von den aktuellen Entwicklungen deutlich profitiert; selbst die Dotcom-Ära hat State-of-the-Art-Technologien hinterlassen, die Unternehmen heute selbstverständlich nutzen.

* Kai Rügge ist Director Managed Services bei der PTS Group.

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