Weniger heiße Luft im Praktikum

VDI für die DV-Praktikanten der Technischen Hochschule

| Autor / Redakteur: Peter von Bechen / Ulrike Ostler

Zur Ausstattung der RWTH Aachen gehören nicht nur Thin Clients, sondern auch Hochleistungsrechner, die Computersimulationen ermöglichen.
Zur Ausstattung der RWTH Aachen gehören nicht nur Thin Clients, sondern auch Hochleistungsrechner, die Computersimulationen ermöglichen. (Bild: RWTH Aachen)

Einst erzeugten die 100 PC-Arbeitsplätze in dem Saal, in dem die Studenten der Elektrotechnik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen ihr Praktikum absolvieren, viel Lüfterlärm und jede Menge Abwärme. Damit ist Schluss: Desktop-Virtualisierung erübrigt die herkömmlichen PCs.

Praktika im Fach Ingenieursdisziplinen gehören zum Pflichtprogramm. So gibt es im Saal des Lehrstuhls für Allgemeine Elektrotechnik und Datenverarbeitungssysteme (EECS) der RWTH Aachen, in dem die zukünftigen Elektro-Ingenieure ihr Praktikum absolvieren, 100 Arbeitsplätze. Die bisher dort genutzten Standard-PCs waren in die Jahre gekommen und sollten im Laufe des vergangenen Jahres ersetzt werden.

Heinz Meeßen, am Lehrstuhl zuständig für die DV-Betreuung, beschreibt die Ausgangslage: „Wir standen vor der Frage, ob wieder Desktop-PCs angeschafft werden oder ob wir uns nach Alternativen umschauen sollten.“

L300 lautet die Produktbezeichnung für dieses Client-Virtualisierungs-Gerät von NComputing, mit dem sich theoretisch ein PC von bis zu 100 Anwendern nutzen lässt. Mit Numo System on a Chip (SoC) kostet das L300-Client-Gerät weniger als andere Thin- oder Zero-Client-Optionen und nur ein Viertel eines typischen Desktop-PCs.
L300 lautet die Produktbezeichnung für dieses Client-Virtualisierungs-Gerät von NComputing, mit dem sich theoretisch ein PC von bis zu 100 Anwendern nutzen lässt. Mit Numo System on a Chip (SoC) kostet das L300-Client-Gerät weniger als andere Thin- oder Zero-Client-Optionen und nur ein Viertel eines typischen Desktop-PCs. (Bild: NComputing)

Nach kurzer Evaluation der verschiedenen Möglichkeiten kristallisierte sich eine Alternative heraus, bei der die Arbeitsplätze nicht mehr mit einem kompletten Rechner ausgestattet sein müssen. „Das Konzept der Desktop-Virtualisierung hat für unsere Arbeitsplätze enorme Vorteile, und zwar nicht nur bezüglich der Anschaffungs- und Betriebskosten, sondern auch bei der Administration“, sagt Meeßen.

Virtuelle Desktops ersetzen PCs

Man entschied sich, die Arbeitsplätze mit „L300“-Systemen von NComputing sowie mit TFT-Flachbildschirmen auszustatten. „Die alten Röhren-Monitore waren ja auch schon am Ende ihrer Nutzungsdauer“, sagt Meeßen.

Anstelle des PC-Blechkastens steht am Arbeitsplatz jetzt lediglich der Flachbildschirm, an dessen Rückseite das L300-Kästchen befestigt ist. Dieses ist über das vorhandene Netzwerk mit der Server-Hardware verbunden, die in einem separaten Rechnerraum steht. Den virtuellen Desktop erzeugt die „vSpace“-Software von NComputing.

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Die Anschaffungskosten eines so genannten „Ultra Thin Clients“ mit der Software liegen bei einem Bruchteil des Preises eines herkömmlichen PCs. Aber auch im laufenden Betrieb verursacht diese Lösung deutlich geringere Kosten. „So ein L300 kommt mit etwa 5 Watt aus, die alten PCs brachten es auf 150 bis 180 Watt“, sagt DV-Betruer Meeßen. „Mit der neuen Lösung haben wir jetzt im laufenden Betrieb einen deutlich geringeren Energiebedarf.“

Die Technische Hochschule kann mit alten Gebäuden und modernen Infrastruktur aufwarten.
Die Technische Hochschule kann mit alten Gebäuden und modernen Infrastruktur aufwarten. (Bild: RWTH Aachen)

Auf Grund des geringen Leistungsbedarfs der Systeme erübrigt sich zudem eine besondere Kühlung. Das bemerken auch die Studenten. „Man kann sich vorstellen, wie viel warme Luft erzeugt wird, wenn hier im Saal 100 PCs laufen, ganz abgesehen von dem Lärmpegel, den die Lüfter verursachen“, führt Meeßen vor Augen.

Jetzt könne auf Grund der geringeren Abwärme auch an der Klimatisierung des Saales gespart werden. „Unsere PCs haben bisher teure elektrische Energie in Wärme verwandelt, die wir mit teurer elektrischer Energie wieder aus dem Saal herausbringen mussten“.

Sparsam bei Anschaffung und im Betrieb

Nicht unerheblich ist auch die Entlastung beim administrativen Aufwand. „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie mühsam es ist, 100 PCs in Betrieb zu halten, an denen immer wieder andere Studenten arbeiten. Bei der Desktop-Virtualisierung sind die Anwendungen auf dem Server, und wenn die Software aktualisiert wird, muss das nur einmal gemacht werden“, so der DV-Fachmann.

Die Umstellung der Arbeitsplätze sei völlig problemlos abgelaufen. „Die Aufstellung und der Anschluss der neuen Hardware haben eigentlich die meiste Arbeit verursacht“, sagt Meeßen. „Nachdem das erledigt war, ging die Inbetriebnahme recht schnell.“ Unterstützung dabei hatte das RWTH von dem örtlichen Systemhaus, das die L300 geliefert hatte.

Seit Oktober 2011 sind 82 Arbeitsplätze im Praktikumssaal auf Thin Clients umgestellt. Die verbliebenen PCs sollen auch bald ausrangiert sein.

Der Autor:

Peter von Bechen ist Inhaber eines Redaktionsbüros in Freising.

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