Kosten und Handhabung von Archivierungslösungen im Vergleich

UDO, DVD, Blu-ray Disk, Tape oder Festplatte – welches Medium ist das richtige?

25.06.2007 | Autor / Redakteur: Alexandra Göpfert / Nico Litzel

Auf der Suche nach einer professionellen Archivierungslösung müssen sich IT-Verantwortliche mit der Frage nach dem richtigen Archivierungsmedium auseinandersetzen. Der Markt bietet eine Fülle von unterschiedlichen Technologien, angefangen bei optischen Medien wie UDO (Ultra Density Optical), DVD (Digital Versatile Disk) und BD (Blu-ray Disk) über Bandformate wie AIT (Advanced Intelligent Tape) und LTO (Linear Tape Open) bis hin zu Festplattensystemen.

Es ist verständlich, dass es bei dieser Fülle von Möglichkeiten schwer fällt, den Überblick zu behalten. Die folgenden Fragen und die Antworten darauf sollen deshalb als eine Entscheidungshilfe bei der Wahl des richtigen Archivierungsmediums dienen.

Wie lange sollen die Medien aufbewahrt werden?

Die Anforderungen an die Aufbewahrungszeiten von Daten können ganz unterschiedlich sein. Zum Beispiel sind im grafischen Bereich Agenturen dazu verpflichtet, die Bilddaten ihrer Kunden für mindestens drei Monate nach Auftragsabwicklung vorzuhalten.

Geschäftskritische Daten wie zum Beispiel Bilanzen, Jahresabschlüsse und Buchungsbelege müssen hingegen zehn Jahre vorgehalten werden, alle anderen aufbewahrungspflichtigen Geschäftsdaten wiederum nur sechs Jahre. Und im medizinischen Bereich schreibt der Gesetzgeber vor, Patienteninformationen wie beispielsweise Röntgenaufnahmen 30 Jahre zu speichern.

Die kürzeste Lebensdauer weisen Festplatten auf. Es ist davon auszugehen, dass nach etwa fünf Jahren ein Austausch der Systeme notwendig ist. Die Haltbarkeitsgarantien von Bändern variieren von Hersteller zu Hersteller. Im Durchschnitt liegen sie bei rund 30 Jahren.

Ähnliche Unterschiede gibt es auch bei den Angaben zu den optischen Speichermedien UDO, DVD und Blu-ray Disk. Hersteller garantieren in der Regel etwa 50 Jahre.

Wie groß ist das Datenvolumen, das archiviert wird?

Hierbei spielen die verfügbare Kapazität und bei großen Datenvolumina die Kosten der Medien eine wichtige Rolle. Zur besseren Beurteilung werden die Kosten der einzelnen Medien pro Gigabyte miteinander verglichen.

UDO ist bei dieser Gegenüberstellung mit etwa zwei Euro das teuerste Medium. Klare Preisvorteile bieten DVDs und LTO-Bänder mit sehr geringen Kosten pro Gigabyte von 15 beziehungsweise 11 Cent.

Zusätzlich zu diesen Kosten empfiehlt es sich, auch die Kosten für die jeweilige Hardware in die Betrachtung einzubeziehen. Dabei ist festzustellen, dass die Anschaffungskosten für professionelle Jukeboxen im optischen Bereich oft sehr hoch sind und sich so die niedrigen Kosten für die Medien schnell relativieren.

Auch die geringe Kapazität pro Medium und die vergleichsweise schlechten Transferraten beim Schreiben und Lesen sind klare Nachteile der optischen Medien. Festplatten und RAID-Systeme sowie Bänder schneiden hier deutlich besser ab.

Wie häufig werden Daten aus dem Archiv wieder verwendet?

Besteht die Notwendigkeit, gelegentlich auf die archivierten Daten zuzugreifen, wie es zum Beispiel bei Media-Agenturen häufig der Fall ist, eignen sich Festplatten beziehungsweise RAID-Systeme sehr gut. Durch den direkten Zugriff sind hier die Lesezeiten am schnellsten.

Auch optische Medien erlauben durch relativ kurze Lade- und Positionierungszeiten einen schnellen Datenzugriff. Bandmedien weisen vergleichsweise die längsten Lade- und Positionierungszeiten auf. Doch beim Auslesen sehr großer Datensätze aus dem Archiv ist die Positionierungszeit eher zweitrangig.

Wichtiger ist die Transferrate, mit der die Daten gelesen werden. Wenn mehrere Anwender gleichzeitig auf das Archiv zugreifen, ist es von Vorteil, wenn Medien mit schnelleren Transferraten und mehrere Laufwerke parallel eingesetzt werden. Bandmedien eignen sich hierfür gut. Festplatten beziehungsweise RAIDs sind bei einem gleichzeitigen Zugriff mehrerer Personen auf das Archiv optimal.

Welche Sicherheitsanforderungen gibt es an die Medien?

Während des Archivierungsprozesses werden die Daten auf ein entsprechendes Medium kopiert und dabei vom Operativspeicher gelöscht. Es ist daher empfehlenswert, eine Kopie des Mediums zur zusätzlichen Absicherung anzulegen.

Oftmals möchten Unternehmen ihre Daten auch außerhalb des Unternehmens aufbewahren, um sie gegen Feuer- beziehungsweise Wasserschäden, Diebstahl oder andere Ereignisse abzusichern.

Im Fall von BD- beziehungsweise DVD-Jukeboxen befinden sich das Originalmedium und die Kopie (Clone) in ein und demselben Gerät. Wird die Jukebox geöffnet, um das Clone-Medium zu entnehmen, ist es schwer, das Clone-Medium eindeutig zu identifizieren.

Des Weiteren sind DVDs sowie BDs ungeschützte Medien. Sobald sie aus der Jukebox entnommen werden, können sie schnell beschädigt werden. Eine Ausnahme stellt die DVD-RAM dar.

Die Verwendung von DVDs und BDs ist gerade bei sehr großen Datenvolumina von mehreren Terabyte eher ungeeignet für die Archivierung. Höchste Datensicherheit kann in diesem Fall nicht 100-prozentig gewährleistet werden.

Um dieses Problem allerdings zu umgehen, entschließen sich Unternehmen in der Praxis häufig dazu, neue Jukeboxen hinzuzukaufen, sobald Bedarf an neuen Kapazitäten besteht. Es empfiehlt sich, für die Kopien eine separate DVD- beziehungsweise BD-Jukebox zu verwenden und diese räumlich getrennt einzusetzen. Das führt allerdings zu höheren IT-Kosten.

Bandmedien hingegen sind durch eine Kassette gegen äußere Beschädigungen geschützt. Sie können ohne Probleme aus der Jukebox entnommen und sicher transportiert werden. Dadurch besteht die Möglichkeit, sie auch an einem anderen Ort aufzubewahren.

Festplatten bieten hinsichtlich der Verwaltung der Daten viele Vorteile. Sie sind allerdings für den Transport eher ungeeignet. Aus Sicherheitsgründen sollte auch bei Festplatten eine Kopie der archivierten Daten angelegt werden.

Gibt es externe Faktoren oder Umwelteinflüsse?

Hohe Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit können die Medien während der Lagerung beschädigen. Vom Einsatz von Bandmedien in Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit und hohen Temperaturen sollte abgesehen werden, da eine angemessene Lagerung der Bänder nur schwer sichergestellt werden kann und damit eine revisionssichere Speicherung der Daten gefährdet ist. Festplatten und optische Medien sind wesentlich unempfindlicher bezüglich der Temperatur und der vorherrschenden Luftfeuchtigkeit.

Wie soll in Zukunft auf die Daten zugegriffen werden?

Je nachdem, ob Daten offen oder in einem proprietären Format gesichert werden, können sie mit oder ohne Archivierungssoftware ausgelesen werden. Auf Festplatten und optischen Medien lassen sich Daten offen archivieren. So können zum Beispiel Daten von DVDs beziehungsweise Blu-ray Disks von jedem Rechner mit einem entsprechenden Laufwerk ausgelesen werden. Auf Bändern archivierte Daten werden geschlossen gespeichert. Sie können nur mit der entsprechenden Software gelesen werden.

Eine weitere wichtige Überlegung ist, ob die entsprechenden Laufwerke auch in Zukunft noch vorhanden sein werden. Oftmals ist es erforderlich, Daten auf neuere Systeme zu migrieren, selbst wenn die angegebene Lebensdauer der Medien noch nicht erreicht ist.

Ohne Migration besteht die Gefahr, dass Daten nach Jahren nicht mehr ausgelesen werden können, da aktuelle Laufwerke und Betriebssysteme das veraltete Format nicht mehr unterstützen. Weit verbreitete, standardisierte Technologien gewährleisten meist Kompatibilitätsgarantien über zwei bis drei Generationen hinweg.

Fazit

Diese kurze Gegenüberstellung möglicher Archivmedien zeigt leider, dass es keine allgemeingültige Empfehlung gibt, welches Medium das richtige ist. Bei einer eingehenden Betrachtung der verschiedenen Speichermedien ist festzustellen, dass alle Medien Vor- und Nachteile aufweisen.

Die Wahl des richtigen Mediums ist abhängig von einer Vielzahl an Faktoren, die sich von Unternehmen zu Unternehmen unterscheiden. Daher muss im Einzelfall entschieden werden, welches Medium den individuellen Anforderungen am ehesten entspricht.

Verallgemeinernd lässt sich sagen, dass bei kleineren Datenvolumina von nur wenigen Gigabyte der Einsatz von optischen Medien von Vorteil ist. Auch Festplatten und Bandmedien können in diesem Fall eingesetzt werden.

Bei größeren Datenmengen stoßen DVD- und Blu-ray-Medien schnell an ihre Grenzen. Und im Hinblick auf Kosten und vor allem der Handhabung weisen diese Medien erhebliche Nachteile auf.

Festplatten beziehungsweise RAID-Systeme bieten sehr gute Zugriffszeiten und hohe Speicherkapazitäten. Sie sind sehr gut für die Archivierung großer wie auch kleinerer Datenmengen über einen Zeitraum von wenigen Jahren geeignet. Von Nachteil ist die relativ schlechte beziehungsweise teure Skalierbarkeit von RAID-Systemen, wenn Kapazitäten im Unternehmen ausgebaut werden sollen.

Eine gute Alternative stellen Bandmedien dar. Sie bieten hohe Speicherkapazitäten und gute Transferraten bei niedrigen Kosten. Dank der Kassette sind sie gegen äußere Einflüsse geschützt und lassen sich gut verwalten. Einziger Nachteil ist, dass zum Lesen der Daten die entsprechende Archivierungslösung notwendig ist.

Zusätzlich hat die richtige Lagerung der Bänder einen großen Einfluss auf die Datensicherheit. Bänder sind allerdings noch immer ein attraktives Archivierungsmedium, je größer das zu verwaltende Datenvolumen ist.

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