Lünendonk befragt Projekt-Dienstleister als Anwender – auch zum Cloud-Computing

Trendstudie ermittelt: Was muss ERP-Software können?

| Redakteur: Ulrike Ostler

Typische Vertreter für projektorientierten Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen sind IT-Beratungs- und IT-Serviceunternehmen, Anbieter von Technologieberatung und Engineering Services oder hybride Beratungs- und Projektanbieter. Was macht sie erfolgreich?
Typische Vertreter für projektorientierten Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen sind IT-Beratungs- und IT-Serviceunternehmen, Anbieter von Technologieberatung und Engineering Services oder hybride Beratungs- und Projektanbieter. Was macht sie erfolgreich?

Die Überlegung, ob IT-Prozesse in die Cloud oder in den eigenen Server-Raum gehören, ist aus Sicht vieler Mittelständler der zweite Schritt vor dem ersten. Da bilden selbst IT-Berater und Systemhäuser keine Ausnahme. Hier zählt Funktion, nicht das Angebotsmodell. Doch was wollen und brauchen die Unternehmen eigentlich? Lünendonk hat nachgefragt.

Mit der Trendstudie „Erfolgreiche Steuerung von projektorientierten Beratungs- und Dienstleitungsunternehmen“ wolle Lünendonk, ein Marktforschungs- und Beratungsunternehmen, einen Status Quo abfragen, so Hartmut Lüerßen, der als Lünendonk-Partner die Ergebnisse der Umfrage vorstellt. Die Evaluation erfolgte in Zusammenarbeit mit der Unit 4 Business Software GmbH, Hersteller der ERP-Software „Agresso“.

So wundert es nicht, dass unter anderem nach den Zielen bei der Einführung von Business Software, Enterprise Ressource Planning, gefragt wurde, wenngleich es manchem wunderlich erscheinen könnte, dass nicht jedes Unternehmen dieser Branche längst eine ERP-Software im Einsatz hat. Doch laut Lüerßen ist es nicht „untypisch“, wenn insbesondere die Planung auf der Basis des Tabellenkalkulationsprogramms „Excel“ erfolgt. Selbst „Milliarden-Fonds“ würden per Excel gemanaged.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich, warum die befragten Unternehmen als die wichtigste Herausforderung im Zusammenhang mit der Finanz- und Projekt-Steuerung in den kommenden zwei Jahren das Reporting nennen. „Die vielen Daten, die man aus Sicht der Geschäftsführung sehen will, müssen erst zusammengetragen werden“, beschreibt Hans-Peter Holl, Vorstand der BrandP AG, eine der Herausforderungen dabei.

Flexibilität ist das Non-Plus-Ultra

Doch dabei erweist sich auch nicht jede ERP-Software als hilfreich. Die Software muss besonders flexibel sein. Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen seien eine Art Manufaktur, die auf Basis von Methoden, Verfahren und Know-how, das sie sich erarbeitet hätten, Produkte schmiedeten, erläutert Lüerßen.

Da aber jedes Projekt anders gelagert sein könne, fügt Holl hinzu, müsse die zugrundeliegende ERP-Software extrem flexibel sein.

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Die fünf wichtigsten Funktionen

Beispielsweise würden die Auswertungen, für den internen Gebrauch sowie für den jeweiligen Kunden an das Projekt angepasst, was im Monat fünf bis zehn Änderungen an der Software zur Folge haben könne. Personalstammdaten hingegen blieben vergleichsweise unangetastet. Anpassungen müssten ein- bis zweimal pro Jahr erfolgen.

Die Kernfunktionen bei Beratern und Dienstleistern

Ein hoher Anpassungsbedarf in den Kernfunktionen sei „typisch“, hält Lüerßen fest. Doch was sind diese Kernfunktionen?

„Wir brauchen eine Software für die Kapazitätsplanung“, sagt Holl. Gemeint ist vor allem welcher Mitarbeiter der richtige in welchem Projekt zum richtigen Zeitpunkt ist, und an welcher Stelle sich Spitzenlasten mit Freiberuflern abdecken lassen.

Als zweites nennt Holl das Projekt-Management beziehungsweise das Projekt-Controlling – die Aufnahme der Ist-Kosten und –Zeiten, um gegebenefalls erkennen zu können, wann „ein kritischer Pfad“ beginnt.

Wichtiger denn je sei zudem die Liquiditätssteuerung beziehungsweise das Cash-Management. Eine dünne Kapitaldecke sei im Mittelstand normal und gute Zahlen bedeute noch nicht, dass Geld auf dem Konto sei, um zu investieren oder Verbindlichkeiten ausgleichen zu können.

Dazu kommen Key Account Management und Forecast-Funktionen.

Die ERP-Auswahlkriterien

Dementsprechend priorisiert haben die Studienteilnehmer die Kriterien bei der Wahl einer Software für das Finanz- und Projekt-Management (siehe: Kasten): An erster Stelle steht die Effizienz: Die Software muss die funktionalen Anforderungen möglichst umfassend erfüllen und Anpassungen müssen mit Minimalstaufwand zu schaffen sein. Agresso-Kunde Holl führt ein 150-Mitarbeiter-Unternehmen. Für die Software-Änderungen ist eine Teilzeitkraft zuständig.

Das Preis-Leistungsverhältnis muss stimmen und die Programme anwenderfreundlich sein. Laut Lüerßen nimmt dieses Kriterium seit Jahren an Bedeutung zu. Holl führt iPad und Co. ins Feld, zumal Projektberichte auch Kunden präsentiert werden.

Am Ende der Skala stehen Cloud Services. „Das hängt mit dem Grad der Standardisierung der Prozesse in den Beratern und Dienstleistern zusammen“, sagt der Lünendonk-Berater. Die Unternehmen müssen quasi selbst erst einmal Ordnung schaffen, bevor sie Software als Service einkaufen können.

Alle stimmen überein: Cloud-Computing ist das Zukunftsmodell

Holl, dessen Unternehmen BrandP im Customer Relationship Management Salesforce-Dienste in Anspruch nimmt, verweist darauf, dass es sich hierbei um einen klar abgegrenzten Bereich handle. Das Finanz- und Projekt-Management hingegen sei viel komplexer und diffiziler.

Doch das Ranking der Auswahlkriterien in der Studie spricht dafür, dass Cloud-Angebote zwar derzeit noch das Schlusslicht bilden, aber vermutlich nicht mehr lange. Laut Andreas Mahl von Unit 4 zeichne sich schon jetzt ab, dass sich mit Hilfe von Cloud-Diensten oftmals eine funktionale Abdeckung von vielleicht 90 Prozent erreichen lasse. Das aber sei seine Hausmarke, bei der sich die Anwenderunternehmen wohl fühlten und auf die fehlenden 10 Prozent verzichteten. „Da findet ein Umdenken statt“.

Auch sein Kunde Holl zeigt sich aufgeschlossen gegenüber einem ERP-Bezugsmodell ohne eigene Hardware im Haus. Seine Bedingungen: „Die Abrechnung muss angepasst werden.“

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