Cloudifizierung überall, mit dem Fokus auf Apps und Daten Thinking cloud? Think again!

Autor / Redakteur: Armin Müller* / Elke Witmer-Goßner

Für viele Unternehmen ist sie essenziell, andere nutzen die Cloud, ohne genau zu wissen weshalb. Und viele stellen fest: Cloud Computing lässt sich nicht so einfach gestalten, wie anfangs vermutet. Denn die Cloud ist nicht nur der neue Ort, an dem man seine Anwendungen und Programme laufen lässt, sondern eine ganze Welt voller neuer Möglichkeiten und Risiken.

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Künftig wird es vor allem um stark ansteigende Datenvolumen und die Entwicklung und Nutzung von Apps gehen – für beide Themen braucht es die Cloud.
Künftig wird es vor allem um stark ansteigende Datenvolumen und die Entwicklung und Nutzung von Apps gehen – für beide Themen braucht es die Cloud.
(Bild: ©1 STunningART - stock.adobe.com)

Zwar nutzen heute drei von vier Unternehmen in Deutschland bereits Cloud Computing. Doch fehlendes Know-how beim Betrieb von On-Premises- und Cloud-Umgebungen ist das größte Hindernis auf dem Weg in die Cloud. Denn Achtung: Die Cloud ist kein Wundermittel, das alle Probleme automatisch löst. Bei der Geschwindigkeit, mit der sich Unternehmen derzeit in Richtung digitale Transformation bewegen, ist es unabdingbar, fortwährend den unternehmerischen Mehrwert zu prüfen.

Dennoch, die digitale Transformation bringt einiges an Potenzial mit sich: Dank funktionierender Heimarbeitsplätze und Videokonferenzen hat die Digitalwirtschaft die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Coronakrise erheblich mindern können. Einer Studie zur Entwicklung der Internet-Wirtschaft zufolge, ist in der Branche bis 2025 mit einer Umsatzsteigerung um knapp 75 Prozent auf circa 253 Milliarden Euro zu rechnen, was einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von zwölf Prozent entspricht.

In den kommenden Jahren wird es um zwei entscheidende Aspekte gehen: massive Datenvolumen und die verstärkte Entwicklung und Nutzung von Apps. Diese haben sich in der jüngeren Vergangenheit bewährt: Mit mobilen Anwendungen können Unternehmen ihre Kundenbeziehungen nicht nur verbessern, sondern selbst durch Krisen navigieren.

Vor allem spielt die Cloud eine Schlüsselrolle dabei, Apps in den richtigen Umgebungen auszuführen, um die bestmögliche User Experience zu liefern. Der Einführung von Cloud-Lösungen und -Services sollte immer ein strategisches Konzept mit praktischen und konkreten Use Cases vorausgehen.

„Apps first“, statt „Cloud first“

Unternehmen müssen die Entwicklung der digitale Anwendungslandschaft in drei bis fünf Jahren antizipieren und verstehen, um heute bereits die richtigen Entscheidungen für eine erfolgreiche Zukunft zu treffen. Das Volumen der jährlich weltweit erfassten, kopierten und genutzten Daten wird sich in den nächsten drei Jahren mehr als verdoppeln. Daten begegnen uns überall – und werden künftig zunehmend an anderen Orten als dem traditionellen Rechenzentrum gespeichert.

Dieser Wandel hat einen starken Einfluss darauf, wie Unternehmen mit ihren Kunden interagieren und wie sie Apps nutzen, um diese Interaktionen zu erleichtern. Ein überstürzter Einstieg in die Cloud kann die Effektivität von Apps, die diese Massen an Daten verwalten müssen, stark beeinträchtigen.

Denn auch eine App ist kein Selbstläufer. Wenn man sich vorher keine Gedanken über die Umgebungen macht, in der die jeweiligen Anwendungen laufen, läuft man Gefahr, die gleichen Fehler zu begehen, die die Legacy-IT verursacht hat. Nur dieses Mal woanders – nämlich in der Cloud. Und das führt zu ungeplanten Mehrkosten.

Den Königsweg gibt es nicht. Ob Software-as-a-Service, Public Clouds von Google oder Amazon, hochgradig verteilte Edge oder branchenspezifische Clouds - CIOs erwarten, dass die Anzahl der Clouds in den nächsten drei Jahren weltweit um mehr als die Hälfte steigen wird. Diese Zunahme bringt Komplexität mit sich: Eine VMware-Studie stellte fest, dass 63 Prozent der Unternehmen Inkonsistenzen zwischen den Clouds als eine der größten Herausforderungen beim Thema Multi-Cloud angeben.

Apps und Clouds auf die Geschäftsziele ausrichten

Zentrale Fragestellung sollte sein, was die Cloud für das Unternehmen als Ganzes leistet. In zweiter Linie sollte es darum gehen, wie das Unternehmen Cloud-Dienste nutzen kann, um Apps so schnell und sicher wie möglich zu entwickeln, zu modernisieren und bereitzustellen. Das so genannte Application Portfolio Planning sorgt für Abhilfe. Jede App in jeglicher Cloud sollte darauf geprüft werden, ob sie auf die Geschäftsziele einzahlt.

Unternehmen müssen sich jede ihrer Anwendung genau ansehen und eine individuelle Roadmap ausarbeiten – die App ist schließlich das Herzstück der modernen digitalen Wirtschaft. Die Anzahl der Anwendungen hat sich in den letzten Jahren versechsfacht und bis 2024 werden schätzungsweise mehr als eine dreiviertel Milliarde davon entwickelt.

Hierbei fungiert die Cloud als Wegbereiter und Entwicklungs-, sowie Sicherheitsplattform. Sie ist die notwendige Grundlage sowohl für die Modernisierung bestehender Apps als auch für die Entwicklung der Next-Gen-Anwendungen von morgen.

Darum sollte es bei der Cloud letztendlich gehen: Die Bereitstellung der Umgebung, die CIOs benötigen, um die umfassende Modernisierung ihres Unternehmens voranzutreiben sowie die für ein digitales Unternehmen notwendigen operativen Funktionalitäten bereitzustellen sowie Anwendungen zukunftssicher zu entwickeln und zu hosten. Das Ziel ist, dass moderne Apps in der Geschwindigkeit bereitgestellt werden können, die das Unternehmen benötigt; dass diese Apps flexibel genug sind, um im Rechenzentrum, an der Edge oder in jeder Cloud ausgeführt zu werden; und dass eine rasche Transformation vorangetrieben wird, während gleichzeitig Stabilität und Sicherheit gewährleistet werden.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Ein öffentliches Krankenhaus, mit einer Vielzahl an Systemen, Diensten und Anwendungen für Patienten und Mitarbeiter kann einige Services durchaus in einer Public Cloud hosten. So etwa Apps zur Terminbuchung, das Front-End digitaler Arbeitsplattformen und Unterhaltungsnetzwerke für stationäre Patienten. Doch die sensiblen Patientendaten sowie Schnittstellen, die angeschlossene Medizintechnik und andere medizinische Geräte steuern und sichern, müssen möglicherweise On-Premises gehostet werden, einige wiederum am Edge, mit weitaus höheren Sicherheitsstufen.

Eine multinationale Bank wiederum, die vorzugsweise mit Kundenorientierung und intuitiven Apps punkten will, wird das Front-End dieser App in einer Public Cloud betreiben. Kunden- und Finanzdaten müssen jedoch entweder in einer Private Cloud oder On-Premises sicher gespeichert werden. Letzteres ist sogar obligatorisch, um Finanzregulierungs- und Compliance-Vorgaben sowie die DSGVO einzuhalten.

Eine hybride Cloud-Zukunft

Heute ist abzusehen: Die Zukunft der Cloud ist hybrid. Mit hybriden Cloud-Lösungen können Unternehmen vielfältige Anforderungen erfüllen, die der digitale Wandel mit sich bringt und die richtigen Weichen für die Zukunft stellen. Dazu zählen höhere Agilität und Effizienz sowie die Einhaltung von Datenschutz- und Compliance-Richtlinien. Doch Unternehmen, die sich von den Verlockungen der Cloud blenden lassen, könnten am Ende vor genau denselben Problemen stehen, die sie eigentlich lösen wollten.

Armin Müller, VMware Global, Inc.
Armin Müller, VMware Global, Inc.
(Bild: VMware)

Es empfiehlt sich die digitale Strategie exakt auf die Geschäftsziele abzustimmen und eine dafür geeignete Umgebung zu schaffen – einschließlich der Cloud. Ein Mix aus Cloud-Lösungen, die transparent, sicher und potenziell austauschbar sind und die Anforderungen von Apps und – noch wichtiger – von Anwendern erfüllen, ist unverzichtbar, um die Früchte der datengetriebenen Welt von morgen zu ernten.

* Der Autor Armin Müller ist seit September 2018 Vice President & Country Manager Germany bei VMware. In dieser Position trägt er die Gesamtverantwortung für VMware in Deutschland sowie für die lokale Unternehmensstrategie.

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