Neue, gewichtige Mitglieder im Open Compute Project

Telcos wollen offene Datacenter-Standards

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

(Bild: Open Compute Project)

Fünf Telekommunikationsanbieter und weitere Firmen sind dem Open Compute Project beigetreten. In einem eigenen Projekt wollen sie gemeinsam offene Standards für ihre Rechenzentrums-Hardware schaffen.

Das Open Compute Project (OCP) kann einen Erfolg für sich verbuchen, der Cisco und andere Großlieferanten für Kommunikations-Hardware nicht erfreuen dürfte. OCP ist eine Industrieorganisation, die auf Initiative von Facebook 2011 gegründet wurde. Sie will nach dem Vorbild von Open-Source-Software offene Standards für Rechenzentrums-Hardware schaffen, um firmenspezifischen Standards und den Preisdiktaten einzelner Hersteller zu entgehen.

AT&T, Deutsche Telekom, EE, SK Telekom und Verizon werden Mitglieder

Jetzt sind der OCP die Telekommunikationsanbieter AT&T, Deutsche Telekom, die britische, vor dem Verkauf an BT stehende EE, SK Telekom und Verizon beigetreten.Außerdem sind die Firmen Equinx und Nexius Mitglieder geworden. Diese Firmen werden ein neues „OCP Telco Project“ vorantreiben. Mit dabei ist auch Nokia Networks, die schon zuvor OCP-Mitglied waren.

Das OCP Telco Project verfolgt drei Ziele: Erstens will es technische Anforderungen der Telekommunikationsfirmen in der OCP-Community effektiver verbreiten. Zweitens soll das neue Projekt den spezifischen Anforderungen von Telekom-Anbietern im OCP mehr Gewicht verschaffen. Drittens soll es kostengünstigere und agiler Innovationen für Telco-Rechenzentren vorantreiben.

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Im Prinzip geht es im OCP-Telco-Projekt um ein besseres Angebot von Hardware von zahlreicheren Anbietern, also um günstigere Preise. Das dürfte auf der Anbieterseite Firmen wie Cisco kein willkommenes Signal sein. Sie haben spezifische und kostspielige Hardware samt zugehöriger Software auf dem Markt. Ein lukratives Geschäft, zumal es weltweit wenig Konkurrenz gibt.

Zum anderen ist standardisierte Hardware die Voraussetzung für die Transformation des Telekommunikationsgeschäfts. Es wandelt sich vom Betrieb von Kommunikations-Netzwerken wandelt sich zum Angebot von Services. Dessen Grundlage ist Cloud Computing, was in einer Erklärung zur Gründung des neuen OCP-Projekts mehrfach erwähnt wird.

Cloud-Services verlangen Standards

Bruno Jacobfeuerborn, DTO der Deutschen Telekom AG bringt es so auf den Punkt: „Mit der Cloudifizierung unserer Netzwerkfunktionen und dem damit verbunden Wechsel in unserem Produktionsmodell durchlebt die Telekommunikationsindustrie eine massive Transformation.“ Andre Fuetsch, Senior Vice President Architecture and Design bei AT&T, hat konkrete Ziele: „AT&T wird 75 Prozent seiner Netzwerkfunktionen bis 2020 virtualisieren, und dazu müssen wir zu einem Modell fortschrittlicher Software kommen, die auf Commodity-Hardware läuft. Wir werden eine Software- und Netzwerk-Firma.“

„Real disruption“, „eine neue Phase der Implementierung“ und „etwas ganz anderes, wie wir Netzwerke für mobile Kommunikation aufbauen“ sind Begriffe, die Mansoor Hanif, Director of Radio Access Networks bei EE, vorbringt. Mahmoud El-Assir, CTO bei Verizon, will die „Effizienz in weiten Bereichen unserer Infrastruktur vorantreiben“, um den Kunden „schneller digitale Lösungen anzubieten“. Für Alex Choi, den CTO bei SK Telekom, kommt mit 5G eine neue Ära für „eine flexible und offene Infrastruktur, die sich permanent ändernden Service-Anforderungen anpassen kann“.

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Am deutlichsten wird Lynn Martin,Der Stratege bei Nexius: „Die Cloud-Computing-Industrie hat ein neues Business-Modell eingeführt, das von Open Source Communities angetrieben wird. Dies ist radikal kostengünstiger und elastischer als die aktuelle Infrastruktur, die Kommunikationsanbieter heute verwenden. Um in dieser neuen Umgebung wettbewerbsfähig zu sein und skalieren zu können, müssen die Carrier Open Source Communities wie dem OCP entgegen kommen und Community-Leistungen in ihr Tagesgeschäft einbeziehen.“

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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