Citrix-CEO: “VDI ist kein Riesenerfolg, wie erwartet. Aber bald wird alles einfacher.“ Synergy 2012: Citrix führt Anwender in die Cloud und zu mehr Mobilität

Redakteur: Ulrike Ostler

Zur Hausmesse “Synergy” von Citrix, die vergangene Woche in San Franzisko stattfand, präsentiert der Hersteller eine Reihe neuer Produkte und Updates, die vor allem zwei Oberbegriffen zuzuordnen sind: Mobility und Cloud. Sämtliche Produkte kumulieren in dem Projekt ”Avalon”: Windows-Anwendungen und ganze Desktops sind bald als Citrix-Service zu bekommen.

Firmen zum Thema

Auf der Citrix-Hausmesse "Synergy 2012" stellt der Unternehmenschef Mark Templeton das Projekt "Avalon" vor; mit Hilfe entsprechender Produkte soll es möglich sein, Windows-Anwendungen und Desktops als Service bereitszustellen und zu beziehen.
Auf der Citrix-Hausmesse "Synergy 2012" stellt der Unternehmenschef Mark Templeton das Projekt "Avalon" vor; mit Hilfe entsprechender Produkte soll es möglich sein, Windows-Anwendungen und Desktops als Service bereitszustellen und zu beziehen.
(Bild: Citrix)

Für Citrix setzt sich das Computing für die mobile Welt aus vier Komponenten zusammen: People, Daten, Apps, und Devices, erläutert Citrix-CEO Mark Templeton in seiner Eröffnungsrede der Synergy.

Unter den ersten Punkt fasst er etwa das Collaboration-Tool “Go To Meeting”. Diese gibt es nun mit 3D-Darstellung (HDFaces) für den neuen iPad. Zudem ist nun eine Version des Werkzeugs für das Video- und Audio-Conferencing für Android, verfügbar - und zwar kostenlos.

Doch zu einem tatsächlichen Collaboration-Tool wird Go To Meeting mit der Technik von “Podio”, die Citrix jüngst akquriert hatte. Podio ist ein kostenloser Cloud Service für Einzelpersonen und Teams. Das Tool bringt Hunderte von Apps mit. Diese ergänzen Arbeitsabläufe und Prozesse um Strukturen und Activity Streams.

Podio erweitert Go To Meeting

So unterstützt Podio führende cloud-basierten File Sharing Services wie "Dropbox", "Google Drive", "Microsoft Sky Drive", "Sugar Sync" und dem Citrix-eigenen Speicher "Share File".

Nach Angaben von Ctrix bietet das Werkezeug eine “robuste” API-Umgebung, so dass auch andere beliebte cloud-basierte Business Tools wie FreshBooks, Google Apps, Campaign Monitor und Zendesk eingebunden werden können. Zugleich bietet Podio den Anwendern einen transparenten Zugang zu den Apps und Services.

Durch die Unterstützung File Sharing Apps können Podio-Nutzer statt zwischen unzusammenhängenden Inhaltsquellen hin und her springen zu müssen, einfach den File Sharing Link nutzen und so auf Dateien oder Services, die sie benötigen, zugreifen.

Darüber hinaus können Dateien in Podio strukturiert und in den jeweiligen Kontext gesetzt werden, unabhängig davon, ob es sich dabei um Status-Aktualisierungen, Aufgaben, private Nachrichten, Apps oder Workflows handelt. Der Endanwender muss sich nicht mehr Problemen, die durch verschiedene Versionen entstehen, auseinander setzen, wie es häufig bei lokal gespeicherten Dokumenten der Fall ist. Letztlich erlaubt das Werkzeug, die Arbeit von Teams dynamisch und unabhängig vom jeweiligen Arbeitsplatz zu organisieren.

Die Daten-Säule

Die zweite Säule im Mobile Computing, “Data”, besteht für Citrix darin, von überall und von jedem Device aus Zugriff auf Daten zu gewähren. “Share File”, ebenfalls ein Citrix-Einkauf, erlaubt es Anwendern, Dokumente und Fotos, aber auch Vorgänge mit anderen zu teilen und auf jedem Device aktuell zu halten. Admins haben die Möglichkeit Zugangsberechtigungen zu hinterlegen.

Neu hinzugekommen ist die Funktion “Storage Zones”. Diese erlauben Anwendern wie Administratoren, die Ablage so zu organisieren wie Datei-Folder. Anwender können ihre Dateien, ähnlich wie in "Outlook", in eigenen Ordnungen ablegen.

Admins geben dabei beispielsweise den Speicherort vor. Sie können etwa deutschen Anwendern das Ablegen in Rechenzentren auf deutschem Boden erlauben, um der hiesigen Gesetzgebung gerecht zu werden. Sie können aber auch festlegen, ob die Daten in einer public Cloud landen dürfen oder nur ins unternehmenseigene Rechenzentrum gehören.

Die persönliche Cloud ist keine Dropbox

Die Restriktionen sind für die Anwender transparent.. Templeton nennt sie auch die “iCloud für Businesses”.

Viel Charme hat die Kopplung von Share File und “Receiver”. Das ist die Citrix-Technik, die es erlaubt, Geschäftsanwendungen von allen erdenklichen Devices aus zugänglich zu machen, sei es PC, Mac, Tablet oder Smartphone. So spricht Templeton in diesem Zusammenhang von “Follow-Me-Data.

Die Kombination aus Receiver und Share File soll im Juli auf den Markt gelangen. Zur Zeit ist ein Preview verfügbar.

Die Anwendungsbausteine

Eine weitere Citrix-Ankündigung macht den Desktop zum Server. Denn in Zukunft will der Hersteller einen remote Zugang zum Arbeitsplatzrechner anbieten. Dabei handelt es sich um eine Variante von “Flex Cast”, ein Bestandteil der “Xen Desktop”-Produktlinie. Nach Ansage von Templeton wird mit “Remote PC-Technology” eine Lücke gefüllt und zwar zum virtuellen Desktop.

Anwender, die diese Technik nutzen, sind nicht wie bei der Desktop-Virtualisierung mit dem Rechenzentrum verbunden, sondern mit dem Arbeitsplatzrechner. Dieser wird zum VDI- Hub (VDI = Virtual DesktopInfrastructure). Laut Templeton macht das zum Beispiel für spezielle Arbeitsplätze Sinn, etwa wenn auf der Workstation spezielle Grafikprogramme laufen.

Sollte die Infrastruktur im Unternehmen jedoch eines Tags soweit sein, dass auf VDI umgestellt werden könne, ließen sich die derart verteilten Remote-PC-Images auch in ein Rechenzentrum auf Server übertragen.

Zugang zu den Anwendungen und Apps

Zugang zu den Anwendungen erhalten Citrix-Kunden komfotabel über ein “Cloud Gateway”. Dabei handelt es sich um eine Art App-Store. Zur Synergy gab Citrix die Version 2 frei.

Der Zugang beschränkt sich nun nicht mehr auf Windows-Anwendungen, sondern schließt auch den Zugriff auf HTML5-, iOS- und SaaS-Angebote ein. Außerdem umfasst das Release die Integration von Share File.

Die Devices

Im vergangenen Jahr hatte Citrix zur Anwenderkonferenz in Barcelona “HDX” , das “System on an Chip” vorgestellt, das in Zusammenarbeit mit Motorola entsteht. Diese Form der Desktop-Virtualisierung soll den Preis erheblich drücken können. Laut Templeton geschieht das bereits.

Während die Kosten für ein solches System zum Zeitpunkt der Einführung noch bei 250 Dollar gelegen habe, sei er bereits auf 125 Dollar gesunken. Innerhalb eines Jahres aber sollen die Kosten auf unter 100 Dollar sinken, so der Citrix-CEO.

Zur Synergy kann der Citrix-Cef neue Thin-Clients, die auf HDX basieren, vorstellen. Unter anderem bringen NComputing und Thin Linx neue auf den Markt. Raj Dhingra, CEO von NComputing, sagt: "Wir freuen uns darauf, vielen Unternehmen HDX auf dem Numo 3 System-on-Chip anbieten zu können - unter Nutzung des bereits in der Massenanfertigung bewährten Siliziums.”

Neue Zero-Clients für wenig Geld

Der Listenpreis für das Gerät “N400” beträgt 129 Euro, der Listenpreis für “N500” liegt bei 199 Euro; dank Mengenrabatten werden beide jedoch sogar unter 100 Euro erhältlich sein. Dual-Monitor- und WLAN-Optionen sind für den N500 gegen Aufpreis verfügbar.

Das “coolste neue Zero-Device” aber, so Templeton, sei vermutlich der neue “All-in-One”-PC von HP. Dabei handelt es sich äußerlich um einen Monitor, der mit Power-Over Ethernet-Stromanschluss ausgestattet ist und gerade einmal 13 Watt benötigt. Tastatur und Maus sind drahtlos mit dem Arbeitsplatzrechner verbunden.

Receiver und Xen Client und Virtual Computer

Das Kernstück der Device-Strategie von Citrix ist und bleibe allerdings das Produkt “Receiver”. Das ist der Universal-Software-Client für mindestens 2 Milliarden PCs, Macs, Thin Clients, Tablets und Smartphones. Die neuen Features sollen den Anwendern insgesamt mehr Freiheiten in der Wahl ihres Endgeräts bieten, zum Beispiel die Option Bring Your Own Device (BYOD).

Darüber hinaus unterstützt das die zunehmende Mobilität der Arbeitnehmer. IDC erwartet, dass bis 2015 nahezu 40 Prozent der arbeitenden Bevölkerung mobil sein wird.

Doch auch “Xen Client” feiert Erfolge. Der Client-Hypervisor von Citrix läuft nunmehr nicht nur auf Desktops, sondern auch auf Laptops, quasi als “VDI to go”.

Die Akquisition von Virtual Computer, die Citrix zum Auftakt der Konferenz bekannt gab, soll die Software auf eine “Xen Client Enterprise Edition” erweitern. Denn die Bostoner Akquisition steuert nun ein Management für die Client-Virtualisierung bei.

Der Pfad in die Cloud

Doch nicht nur Mobility hat sich Citrix für die Synergy und damit als Programm für die kommenden Jahre auf die Fahnen geschrieben. Cloud beziehungsweise der Weg zum Cloud Computing bidet den zweiten großen Block der Ankündigungen. "Cloud ist kein neues Thema für uns," so CEO Templeton. Er weist darauf hin, dass etwa 100.000 Kunden “Xen Server” nutzen, um darauf Cloud-Services aufzusetzen. Dazu gehören auch die derzeit größten Cloud-Provider.

Mark Templeton: "Das ist derzeit mein Lieblingsfoto. In dem Moment, wenn mann auf einem Trampolin abhebt, fühlt man sich frei und als könne man fliegen. Diesen Eindruck soll Citrix-Technik vermitteln."
Mark Templeton: "Das ist derzeit mein Lieblingsfoto. In dem Moment, wenn mann auf einem Trampolin abhebt, fühlt man sich frei und als könne man fliegen. Diesen Eindruck soll Citrix-Technik vermitteln."
(Bild: Citrix)

Zur Synergy stellt Citrix nun die Strategy “Path to the Cloud” vor. Der Weg besteht im Wesentlichen aus vier Schritten: build, bridge, deliver und transform.

In die erste Kategorie sortiert Citrix den hauseigenen “Cloud Stack” ein. Laut Templeton sollen sich damit “Amazon-gleiche” Clouds bauen lassen.

Der Open Source Cloud Stack

Vor ungefähr einem Monat wurde der gesamte Hypervisor-unabhängige Stack an die Apache Software Foundation übergeben und ist nunmehr ein Open-Source-Projekt. Bis jetzt haben 60 IT-Firmen ihre Unterstützung zugesichert und die Community zählt rund 30.000 Mitglieder.

Dazu kommen, wie Templeton sagt, Tausende an zertifizierten Apps, Hunderte an produktiven Clouds. Weitere Hundert kämen jeden Monat dazu. Als Pluspunkt verzeichnet er zudem einen Umsatz von mehr als 1 Milliarde Dollar, die von den größten Anwendern generiert werden.

Citrix bietet nun wiederum eine kommerzielle Version des Apache Cloud Stack an. Diese soll 765 Dollar pro Jahr und Socket kosten.

Die Brücke

Der nächste Punkt auf der Cloud-Agenda lautet “Bridge”. Dieses Element des Citrix-Pfads liefert die “Cloud Bridge”, jetzt in der Version 2 verfügbar. Das Release wartet mit einem Katalog auf, der den Anwendern IT per Selbstbedienung anbieten soll.

Dahinter verbergen sich bereits von Admins konfigurierte Bausteine und Services, so dass die Anwender quasi auf einen Klick hin, ihren Arbeitsplatz mit neuen Anwendungen, Diensten und Ressourcen bereichern können.

Der Lieferant

Wer das Citrix-Produkt “Netscaler” noch als Aggregations-Tool oder als Load-Balancer kennt, wird mit dieser Synergy davon überzeugt, dass es sich hier um die “Cloud-Networking”-Technik schlechthin handelt. Mit der Version 10 haben die Anwender die Wahl zwischen drei Skalierungsoptionen (siehe: Download).

“Scale-up” betrifft die virtuelle Appliance: hierbei geht es um “Pay as You grow”, die Kapazität auf einer Hardware lässt sich um das Fünfache steigern. “Scale in” bezieht sich auf die multi-tenant-Geräte, also um eine Konsolidierung im Verhältnis 1 : 40. “Scale-out” indes erlaubt ein horizontals Wachstum, indem weitere identische Appliances hinzu gefügt werden – das ergibt ein Clustering von bis zu 32 Appliances.

Darüber hinaus unterstützt Netscaler mit dieser Version insbesondere Streaming Media Content in Form von HTML 5. Der Listenpreis für ein Midrage-System beginnt bei 45.000 Dollar. Wenn ein Unternehmen Netscaler als Amazon Web Service haben möchte, ist auch das nun möglich.

Die Transformation

Die “vielleicht größte Ankündigung der Konferenz und für die weitere Zunkunft” indes hat sich Citrix-CEO Templeton für den Schluss aufgehoben. Noch gibt es keine Produkte. Die sind als Beta-Versionen erst in der zweiten Jahreshälfte 2012 zu erwarten. Zu dem jetzigen Zeitpunkt handelt es sich bei "Avalon" um ein Projekt.

Die Architektur für das Projekt Avalon integriert nahezu sämtliche Citrix-Bausteine.
Die Architektur für das Projekt Avalon integriert nahezu sämtliche Citrix-Bausteine.
(Bild: Citrix)
Am Ende jedoch, so der Citrix-Chef, sollen Produkte herauskommen, die den Anwendern das Cloud-Computing um vieles vereinfachen sollen. Im ersten Schritt werde Avalon ermöglichen, Windows-Anwendungen und –Desktops als Service zu beziehen. Deshalb richtet sich das zukünftige Avalon-Angebot auch an Service-Provider.

Hinter Avalon steckt die komplette Cloud-Infrastruktur von Citrix (siehe: Abbildung). Auf der untersten Ebene können Hypervisoren von Citrix, aber auch HyperV, ESXi, KVM, OVM und andere sein, genauso wie die Cloud-Plattform powered by Apache oder irgendeine Cloud, etwa AWS oder Azure.

Darüber befindet sich die Xen Desktop-Schicht und darüber eine, auf der Xen Client, RemotePC, Flex Cast, VDI und Share File angesiedelt sind. Als Verbindung dieser Schichten dient Netscaler.

Oberhalb der drei unteren Schichten befindet sich die Orchestrierung: Multi-Site-, Multi-Tenant-Automatisierung und -Provisioning, das Self-Service-Portal, das Deployment sowie Open-Cloud-APIs. Das Projekt, das hybride Clouds ermöglichen soll, hat den Anspruch, zu bestehenden Version von Xen App (ab Release 6x) und XenDesktop (ab Version 5x) zu passen.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:33705920)