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Rechenzentrums-Führung bei Europas zweitgrößtem Webhosting-Dienstleister Strato setzt auf energieeffiziente Hardware und regenerativen Strom

Redakteur: Florian Karlstetter

Strato hat eine Green Data Center Tour veranstaltet und tiefgreifende Einblicke in das Herzstück des Unternehmens – dem Rechenzentrum in Berlin – gewährt. Im IT-Infrastruktur- und Facility-Bereich fokussiert der Webhosting-Dienstleister vor allem energieeffiziente Komponenten und Lösungen.

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Das Thema Energieeffizienz nimmt im Berliner Rechenzentrum von Strato einen großen Stellenwert ein.
Das Thema Energieeffizienz nimmt im Berliner Rechenzentrum von Strato einen großen Stellenwert ein.
( Archiv: Vogel Business Media )

Momentan haben sich viele IT-Unternehmen Green IT auf die Fahnen geschrieben und adressieren damit Themen wie Energieeffizienz oder CO2-Reduktion, allerdings nicht immer mit dem notwendigen Nachdruck, dem dieses umweltpolitische Thema eigentlich gebührt.

Anders beim Internetdienstleister Strato: das Unternehmen setzt sich offensiv mit der Energie- und Umweltproblematik auseinander und verfolgt einen durchgängigen Ansatz, das Thema Energieeffizienz unternehmensweit durchzusetzen.

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„Energieeffizient und klimaschonend handeln“ lautet die Devise des zweitgrößten europäischen Webhosters. Eigenen Angaben zufolge hat es der Dienstleister in den vergangenen 18 Monaten sogar geschafft, den Energieverbrauch pro Kunde um rund 30 Prozent zu senken.

Seinen Strom bezieht das Tochterunternehmen von Freenet seit diesem Jahr außerdem von der baden-württembergischen NaturEnergie AG, die bei der Stromgewinnung auf umweltfreundliche Laufwasserkraft setzt. Allein durch diese Maßnahme vermeidet das Unternehmen den Ausstoß von jährlich rund 15.000 Tonnen CO2, dies entspricht in etwa der Menge, die bei der Stromversorgung von 5.000 Vier-Personen-Haushalten anfällt.

Moderne Hardware von Sun Microsystems und AMD

Strato betreibt momentan zwei Rechenzentren: in Karlsruhe setzt der Dienstleister für seine Shared Webhosting-Plattform auf Server von Sun Microsystems, die je nach Modell mit Mehrkern-Prozessoren (UltraSparc T1/T2) sowie AMD Opteron CPUs ausgestattet sind. Durch den Einsatz der modernen Internet-Server konnte nicht nur der Energiebedarf um rund 40 Prozent gesenkt werden, auch der Platzbedarf im Rechenzentrum reduzierte sich auf ein Fünftel der ursprünglichen Fläche.

In Berlin hosted Strato vor allem seine Dedicated Server, die vorrangig mit Quad-Core Opteron CPUs von AMD ausgestattet sind. Die Highly Efficient (HE) Prozessoren unterstützen dank der DirectConnect-Architektur eine schnellere Kommunikation von mehreren Prozessen. Aufgrund der guten Skalierbarkeit eignen sie sich daher gut für virtualisierte Infrastrukturen, Datenbankanwendungen und andere I/O-intensive Applikationen.

Die Quad-Core Opterons verbrauchen im Vergleich zu Dual-Core Prozessoren nur unwesentlich mehr Strom, liefern dafür aber eine deutlich höhere Performance. Im Rahmen einer Entwicklungspartnerschaft ist es AMD und Strato außerdem gelungen, den Strombedarf von Serverboards im Idle-Mode auf weniger als 40 Watt zu verringern. Dies kommt vor allem den Dedicated Servern zu Gute, da diese in der Regel nur wenige Stunden am Tag beansprucht werden, aber trotzdem immer betriebsbereit sein müssen.

as neu entwickelte Board ist unter anderem auf AMDs Dual Dynamic Power Management abgestimmt. Dank einer unabhängigen Stromversorgung können sich die einzelnen Prozessorkerne sowie der Speichercontroller damit unabhängig voneinander abschalten.

Julien Ardisson, CTO bei Strato gewährte einen Einblick in das Berliner Rechenzentrum des Internet-Dienstleisters. (Archiv: Vogel Business Media)

„Wir wollen unser Rechenzentrum nicht mit unnötiger Serverabwärme heizen“, sagt Julien Ardisson, CTO der STRATO Rechenzentrum AG (im Bild). „Deshalb haben wir ein Serverboard in Auftrag gegeben und mitentwickelt, dass insbesondere im Idle-Mode wenig Strom verbraucht. Es ist unglaublich effizient. Wir können es kaum erwarten, das Board bald im großen Stil einzusetzen.“

Mit der nächsten CPU-Generation von AMD (Codename „Shanghai“) sollen die Prozessoren nicht nur noch weniger Strom verbrauchen, sondern mit dem weiterentwickelten HyperTransport 3.0 auch deutlich höhere Datentransferraten erzielen. Zum Vergleich: AMDs Quad-Core Opterons nutzen HyperTransport 1.0 mit theoretischen Transferraten von bis zu 8 GB/s, bei HyperTransport 3.0 sollen bis zu 17,6 GB/s möglich sein. Shanghai ist außerdem der erste Vierkern-Prozessor von AMD, der auf 45nm Technologie aufbaut.

Sicherheit und Verfügbarkeit

Als erster großer Webhoster bestand Strato eigenen Angaben zufolge die Überprüfung nach dem internationalen Standard ISO 27001, der im weitesten Sinne für IT-Grundschutz und Sicherheit steht. Neben umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen zeichnen sich die Rechenzentren in Karlsruhe und Berlin auch durch gute Anbindungen ans europäische Internet aus. Dies liegt einerseits am Glasfaser-Backbone von Freenet, andererseits setzt Strato auf modernstes Routing Equipment, darunter das Carrier-Routing-System (CRS-1) von Cisco.

Globale Initiativen für Energieeffizienz

Sowohl Strato als auch AMD und Sun Microsystems sind Mitglieder in „The Green Grid“, einem globalen Konsortium, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Energieeffizienz in Rechenzentren mit Hilfe neuer Ansätze und Lösungen zu steigern. Im Rahmen seiner Mission konzentriert sich The Green Grid auf Best Practices, dem Entwickeln von Standards und Messmethoden sowie Verfahren und neuen Technologien zur Verbesserung der Rechenzentrumsleistung. Zu den weiteren Mitgliedern der Initiative gehören unter anderem auch APC, Dell, HP, IBM, Intel, Microsoft, Rackable Systems und VMware.

Strato trat der Vereinigung im April diesen Jahres bei und ist einer der ersten europäischen Webhoster, der die definierten Kennzahlen im Live-Betrieb testen und konkrete Verbesserungsvorschläge einbringen kann. „Im eigenen Rechenzentrum können wir die Messansätze von The Green Grid genau testen und realitätsnah weiterentwickeln“, erläutert Damian Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Strato AG. „Wir engagieren uns in The Green Grid, weil wir ein einheitliches Energieeffizienzlabel für Rechenzentren schaffen wollen [...] nicht Green Washing, sondern Green Acting zählt.“

Auch AMD kann sich mit einem Preis schmücken: Die US-amerikanische Umweltschutzbehörde Environmental Protection Agency (EPA) hat das Unternehmen kürzlich mit dem „2008 Climate Protection Award“ ausgezeichnet. Damit würdigte die Behörde AMD für sein ökologisches Engagement in den Bereichen Emmissionsreduzierung, energieeffiziente Produkte und globale Klimaschutzpläne.

So hat es AMD unter anderem geschafft, trotz steigender Produktion in seinen Chip-Fabriken die CO2-Emmision spürbar zu senken – im Zeitraum von 2002 bis 2007 um 40 Prozent, dies geht aus dem Global Climate Protection Plan 2007 (GCPP) hervor. Am Standort Dresden kommt dabei die so genannte Trigeneration-Technologie zum Einsatz, bei der ein System gleichzeitig für Strom, Wärme und Kühlung sorgt. Trigeneration-Anlagen sollen im Vergleich zu konventionellen Systemen um 30 bis 45 Prozent effizienter arbeiten.

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