Die Konvergenz der Wolken Stairway to Heaven – Wege in die hybride Cloud

Autor / Redakteur: Tom Schmidt* / Ulrike Ostler

Im Jahr 2013 identifizierten Analysten die Hybrid Cloud als zentrales zukunftsweises Thema. Ende 2014 gaben bereits 27 Prozent der von IDC befragten Unternehmen an, Cloud-Services einzusetzen und weitere 18 Prozent befanden sich in der Planungsphase. Lediglich 13 Prozent schlossen eine Cloud-Nutzung grundsätzlich aus. Heute weisen die Zeichen also unmissverständlich in Richtung Hybrid Cloud beziehungsweise Cloud-Dienste.

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Tom Schmidt von der Materna GmbH zeigt die sinnvollen Wege auf, wie sich eine hybride Umgebung aus Cloud-Services und eigener IT realsieren lässt.
Tom Schmidt von der Materna GmbH zeigt die sinnvollen Wege auf, wie sich eine hybride Umgebung aus Cloud-Services und eigener IT realsieren lässt.
(Bild: Sergey Nivend/ Fotolia.com)

So stärken derzeit fast alle großen Anbieter – darunter VMware, Amazon und Oracle – ihre Position auf dem deutschen Markt, indem sie Rechenzentren in Deutschland bauen und Themen wie Security und Compliance adressieren. Die Konvergenz der Wolken wird auch durch diese Entwicklung stetig vorangetrieben und Hybrid Cloud-Modelle werden immer attraktiver. Ihr flächendeckender Einsatz ist nur eine Frage der Zeit. Aus diesem Grund beschäftigt sich auch Materna intensiv mit diesem Thema und ermöglicht Anwenderunternehmen, potenzielle Klippen erfolgreich zu umschiffen.

Tom Schmidt, Senior Consultant und Leiter Competence Center im Umfeld Data Center Automation und Cloud Lifecycle Management bei der Materna GmbH, ist der Autor dieses Artikels.
Tom Schmidt, Senior Consultant und Leiter Competence Center im Umfeld Data Center Automation und Cloud Lifecycle Management bei der Materna GmbH, ist der Autor dieses Artikels.
(Bild: Materna)

Werden mehrere Cloud Infrastrukturen (Private Cloud und Public Cloud), die für sich selbst eigenständig sind, über standardisierte Schnittstellen gemeinsam genutzt, wird dies laut Definition des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnologie Hybrid Cloud genannt: Grundvoraussetzung für eine Hybrid Cloud ist eine funktionierende Private Cloud.

Allerdings genügt es nicht, den entsprechenden Server mit der Public Cloud zu verbinden, um von einer Hybrid Cloud sprechen zu können. Dieses Ziel ist erst dann erreicht, wenn Public Cloud-Dienste sinnvoll und gut geplant mit den internen IT-Services verbunden sowie interne Infrastrukturen sinnvoll durch Cloud-Angebote ergänzt werden. Nur so können typische Einsatzszenarien wie Failover und dynamischer Ausgleich von Lastspitzen bewerkstelligt werden.

Herausforderungen für Entscheider, Planer und Umsetzer

Nicht jede Organisation ist bereit für die Cloud. Deshalb müssen Rechenzentren und IT-Entscheider in Zusammenarbeit mit ihren Architekten und Fachleuten vorab prüfen, ob der Einstieg in die Cloud möglich und sinnvoll ist. Sehr hilfreich ist bei solchen Machbarkeitsstudien ein bewährtes Referenzmodell.

Studien zeigen übereinstimmend, dass bei den Anwendern durchweg große Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Compliance bestehen. Aus diesem Grund haben auch die Themen Security und Compliance einen festen Platz in dem von Materna entwickelten „Cloud-Check“. Weitere Bereiche darin sind Infrastruktur, Prozesse und Tools sowie Lizenz-Management.

Der Cloud-Check ermöglicht einen umfassenden und gleichzeitig sehr genauen Blick auf die eigene Organisation, so dass Verbesserungspotenziale erkannt und bestehender Nachholbedarf nicht nur hinsichtlich der Cloud-Nutzung identifiziert werden können. Nur wenn diese Potenziale genutzt bzw. Schwachstellen beseitigt werden, ist eine Organisation in der Lage, den vollen Nutzen aus Hybrid Cloud Services zu schöpfen: Flexibilität, Elastizität und geringere Kosten.

Der Cloud-Check

Neben der Überprüfung der Machbarkeit müssen klare Zielvorstellungen definiert werden: Welche Services kommen in die Cloud und was wird damit bezweckt? Bezogen auf alle vorbereitenden Überlegungen sollte der Definition der Ziele besondere Gewichtung beigemessen werden. Nur auf Basis klar definierter Ziele lässt sich ein realistischer Fahrplan für die Cloud-Migration erarbeiten und ein geeigneter Anbieter kann ermittelt werden. Ein solcher Fahrplan steckt Grenzen und Möglichkeiten der Planer ab und gibt damit auch notwendige Tasks für die Umsetzer vor.

IT-Entscheider werden sich im Zuge der Cloud-Einführung mit neuen Anforderungen an ihre Einkaufspolitik konfrontiert sehen, da der Markt der Cloud-Anbieter sehr volatil ist und sowohl die Preise für Pay-as-you-go Kapazitäten als auch für dediziert gemietete Kapazitäten, Schwankungen unterliegen, die nicht vernachlässigbar sind. Daher müssen IT-Entscheider einen Überblick über den Markt mit Cloud-Ressourcen haben und in der Lage sein, flexibel zu reagieren und schnell und bedarfsorientiert Ressourcen zuzukaufen. Eine Möglichkeit bedarfsgerecht Cloud-Ressourcen zu beziehen, bietet zum Beispiel die Plattform „Deutsche Börse Cloud Exchange“.

Schrittweise in die hybride Cloud

Der Weg in die Hybrid Cloud führt über mehrere Schritte, die im Folgenden erläutert sind.

Ausgangslage: Ein erster Schritt ist der Aufbau einer funktionierenden Private Cloud. Diese muss neben dem Portal zum einfachen Bestellen der angebotenen Services dem Gedanken der Vollautomatisierung und Orchestrierung folgen. Ferner muss neben dem funktionalen Teil auch der operationale Teil vorhanden sein, zu dem Capacity Management, Monitoring und die einfache Anbindung an wichtige IT-Service-Management-Prozesse zählen. Dabei ist wichtig, dass die IT-Service-Management-Prozesse keine bremsende Wirkung auf die Cloud-Einführung und -Nutzung haben.

  • Daten: In einem nächsten Schritt müssen Daten, die in der Public-Cloud verarbeitet werden, klar und eindeutig klassifiziert werden. Diese Klassifizierung beeinflusst maßgeblich, wie die Teile der Public-Cloud genutzt werden können und definiert die spätere Workload-Verteilung. Hier müssen die Verträge des Cloud-Anbieters genau geprüft und mit geltenden Datenschutzgesetzen und internen Compliance-Richtlinien abgeglichen werden.
  • Netzwerk / Anbindung: Je nach Use-Case ist die Frage der Netzwerkanbindung wichtig und muss einer Bewertung im Cloud-Fokus standhalten. Es ist zu prüfen, ob die bestehende Verbindung ausreicht, um den Service aus der Hybrid Cloud in der notwendigen Güte anbieten zu können oder welche Anforderungen der Service selbst in Bezug auf Latenz und Datendurchsatz, Sicherheit der Anbindung und Redundanz an die Netzwerkverbindung stellt. Sollte eine Investition im Bereich der Netzwerkanbindung notwendig werden, muss diese Position in die ROI Berechnung einfließen.
  • Organisation: Es hat sich bewährt, neben den technischen Überlegungen auch organisatorische Belange zu prüfen. Ein klares Bild über beteiligte Personen und Teams hilft, denn hieraus lässt sich ableiten, ob das Vorhaben mit den vorhandenen freien Ressourcen überhaupt möglich ist, das Know-how der Beteiligten ausreicht oder frühzeitig auf externe Hilfe zurückgegriffen werden muss. Mit der Hybrid Cloud wird es zwangsläufig zu Veränderungen im Betrieb kommen, die frühzeitig erkannt, aufgegriffen und zielgerichtet kommuniziert werden müssen. So können die Betroffenen im Vorfeld abgeholt und die Akzeptanz für das hybride Model gesteigert werden.
  • Betrieb: Ziel ist es, eine Wechselwirkung zwischen Private und Public Cloud zu erreichen und so den gewünschten Service zu erbringen. Um eine effektive und zielführende Steuerung zu ermöglichen, ist es notwendig und wichtig, dass beide Seiten über geeignete Managementschnittstellen verfügen. Ein Vendor-LockIn sollte dabei verhindert werden. Eine Möglichkeit der Umsetzung ist die Nutzung eines Cloud Brokers.
  • Workload: Neben der bereits erwähnten Klassifizierung der Daten ist es ebenso wichtig und essenziell den Workload zu bestimmen, da beides das Placement vorgibt. Die Einteilung des Workloads sollte je nach Use-Case erfolgen und mehrere Grade beinhalten. Grad 1 umfasst im Wesentlichen Workloads von Legacy-Systemen, die aufgrund ihrer Anforderungen und ihrer Hardware-Nähe nicht für die Public Cloud geeignet sind. Grad 2 enthält virtualisierte Systeme und Container, für die ein Einsatz in der Cloud durchaus interessant ist. Workloads im dritten Grad umfassen überwiegend „as a Service“ Workloads.

Was bleibt? – Die IT als digitaler Service Broker

Betrachtet man den Markt im Cloud-Umfeld wird deutlich, dass es eine breite Palette an Angeboten gibt, die die Bedürfnisse der Anwender treffen. Sie sind schnell, unkompliziert und relativ einfach zu beziehen und adressieren so die immanenten Anforderungen der Anwender und des Business. Die schnelle Bestellbarkeit und die einfache Verfügbarkeit bergen jedoch für IT-Abteilungen ein nicht zu unterschätzendes Risiko: Schnell können diese ungeplanten und nicht gemanagten Cloud-Umgebungen so verwachsen, dass die IT keine Chance mehr hat, wichtige Services unter Kontrolle zu bringen. Sie kann dann nur noch versuchen, den so entstandenen „Haufen“ irgendwie zu managen.

Das abgebildete Szenario zeigt, inwiefern die IT-Organisation künftig als Cloud Broker auftreten kann.
Das abgebildete Szenario zeigt, inwiefern die IT-Organisation künftig als Cloud Broker auftreten kann.
(Bild: Materna)

Hier ist die IT als proaktiver Dienstleister gefragt. Cloud-Dienste müssen bereits frühzeitig strategisch abgewogen und in das Leistungsportfolio übernommen werden. So kann die IT als Broker für digitale Services auftreten. Dafür müssen Entscheider neben einer validen Cloud-Strategie, einen guten Überblick über potenzielle Cloud-Anbieter, ein klares Verständnis für die Anforderungen der Endanwender sowie ein genaues Bild des Cloud Öko-Systems haben.

Um der Aufgabe gerecht werden zu können, ist eine vollumfängliche Cloud Management Plattform unumgänglich. Die Praxis zeigt, dass diese Plattform in der Lage sein muss, mit der Private Cloud der IT, aber auch mit allen gängigen Public oder Hosted Private Clouds zu sprechen, um Workloads und angebotene Services optimal zu managen. Prinzipiell sollte kein merkbarer Unterschied in der Verwaltung beider Welten zu spüren sein. Ferner muss die Management Lösung die automatische Provisionierung von Cloud Services, ein Self-Service-Portal samt Katalog und Lösungen zur bedarfsgerechten internen Leistungsverrechnung bieten.

* Tom Schmidt ist Senior Consultant und Leiter Competence Center im Umfeld Data Center Automation und Cloud Lifecycle Management bei der Materna GmbH.

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