Dresner-Studie zu Planungssoftware – Wie Anwender die Anbieter bewerten

Spezialisten deklassieren große IT-Anbieter

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

(Bild: Dresner Advisory Group)

Das Beratungsunternehmen Dresner hat Anwender von Software für die Unternehmensplanung befragt, wie sie die Programme einsetzen und wie zufrieden sie mit den Lösungen sind. Große Anbieter bekamen auffallend schlechte Noten.

Software für die Unternehmensplanung – für Corporate Performance Management (CPM) – steht im Ruf, ein wichtiges Werkzeug zu sein, um Firmen auf Kurs zu halten. Doch das Image trügt. Die Dresner Advisory Group hat die Studie „2016 Wisdom of Crowds – Enterprise Planning Market“ vorgelegt. Registrierungspflichtiger, aber kostenloser Download hier. Sie zeigt auf, dass die Wirklichkeit grauer aussieht und Überraschungen birgt. Je 30 Prozent der Antwortenden kamen aus Unternehmen bis 100 beziehungsweise von 101 bis 1000 Mitarbeitern, 16 Prozent aus Firmen mit mehr als 10.000 Angestellten.

Nutzung von Planungssoftware scheint zu stagnieren

Tatsächlich gaben nur 29 Prozent der befragten Unternehmen an, CPM-Software zu verwenden. Dass es sogar noch zwei Prozent weniger als bei der Befragung 2015 sind, mag in der statistischen Varianz liegen. Das beurteilt Dresner als schwache Nachfrage. Auch die Nichtanwender neigen dazu, Beschaffungspläne auf die ferner Zukunft zu vertagen. 51 Prozent haben keinerlei Absichten in dieser Richtung.

Fünf Prozent der Befragten weniger als im Vorjahr bewerten Planungssoftware als unternehmenskritisch, nämlich nur noch 32 Prozent, 37 Prozent halten sie immerhin für sehr wichtig. Wenn überhaupt, sind die Finanzabteilungen die treibende Kraft.

Finanzen sind das beherrschende Thema

Dieser Firmenbereich ist erwartungsgemäß der Hauptanwender von Planungssoftware. Danach kommen das leitende Management, die IT-Abteilungen sowie Marketing und Sales. Forecasts auf monatliche oder vierteljährlicher Basis sind die wichtigste Funktion. Die Budgetplanung, grundsätzlich ein wichtiger Anwendungsbereich, ist eher eine jährliche Aktion.

Die Anwender lassen keine spezifischen Infrastrukturen für die Installation von Planungssoftware erkennen. Allerdings werden On-Premise-Installationen unbeliebter. Die Anwender scheinen zusehends zu Hosting, Software-as-a-Service und Cloud-Nutzung zu neigen. Das trifft insbesondere für kleinere Unternehmen zu. Außerdem wünschen sie mobilen Zugriff auf die Daten.

Die Bewertung der Anbieter

Die im Dresner-Report folgende Bewertung der Anbieter durch die Anwender überrascht weniger damit, dass die Lösungen von Spezialisten bessere Noten erhalten als die von großen IT-Anbietern. Dass die Einstufung der Big Names im Vergleich zum Vorjahr meistens schlechter ausfällt, hat damit zu tun, dass die Spezialisten offenbar ihre Produkte intensiver verbessern. Die Bewertung enthält sehr viele Details, weswegen hier auf den Download der Dresner-Studie verwiesen sei.

Die Bewertung der einzelnen Anbieter:

Adaptive Insights

In allen Einzelaspekten liegt der Anbieter über dem Bewertungsdurchschnitt aller Produkte, und auch gegenüber dem Vorjahr gab es meist bessere Noten. Sehr gut schneidet der Anbieter in funktionalen und technischen Aspekten, Spitzenreiter ist er in Sachen Sales, Support und Consulting.

Anaplan

Auch dieser Anbieter liegt in fast allen Punkten über den Durchschnittsnoten, und die sind vor allem im Support besser als in den Vorjahren. Hervorgehoben wird die Einfachheit von Installation, Anpassung, Administration und Upgrades. Die Anwender würden Anaplan weiterempfehlen.

Budget Maestro (Centage)

Das Unternehmen hat im Schnitt schlechtere Noten als 2015 erhalten, und es liegt jetzt auch in vielen Einzelergebnissen unter dem Bewertungsdurchschnitt. Besser abgeschnitten hat es in Einzelaspekten wie Support und Beratung.

Host Analytics

Dieser Anbieter gehört zur Spitzengruppe in allen Bewertungsaspekten. Die Durchschnittsnoten werden locker überboten. Der Unterschied zur Anwenderbefragung 2015 ist durchweg auffallend positiv. Auch hier gibt es die Traumnote für Anwenderempfehlung.

IBM

Deutlich fällt Big Blue zurück, und zwar hinsichtlich dem (guten) Vorjahresergebnis ebenso wie gegenüber den Durchschnittsnoten. Für Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und Anpassungsfähigkeit gibt es noch die besten Ergebnisse.

Infor

Dieser Hersteller schneidet in vielen, vor allem technischen Aspekten schlechter ab als 2015. Infor liegt fast durchweg auf Höhe der Durchschnittsnoten. Ein deutlicher Platz im Mittelfeld.

Jedox

Jedox ist zum ersten Mal bei der Dresner-Übersicht dabei – und schafft direkt den Sprung an die Spitze. Das bedeutet nicht beste Werte in allen Detailaspekten, aber in den Beziehungen zu den Kunden und in technischen Disziplinen hervorragende Werte.

Microsoft

Die Redmonder sind ebenfalls erstmals bewertet. In allen Einzelaspekten liegen die Ergebnisse, zum großen Teil sehr deutlich, unter den Durchschnittswerten.

Oracle

Die Oracle Noten sind nicht besser als 2015 und in vielen Teilaspekten unter ihnen. An die Durchschnittsnoten kommt Oracle deutlich nicht heran.

Prophix

Prophix erhält auffallend ausgeglichen in allen Detailaspekten sehr gute Noten. Der Abstand zum Durchschnitt ist deutlich. Anwender würden den Hersteller weiterempfehlen. Entsprechend findet sich das Unternehmen an der Spitze wieder.

SAP

Die Walldorfer haben sich gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert. Aber das reicht in so gut wie keinem Punkt an den Durchschnitt heran.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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