SDN setzt feinkörnige Ziele und neue Standards

Software Defined Networks schieben traditionelle SLAs aufs Abstellgleis

| Autor / Redakteur: Perry Eekhout / Ulrike Ostler

Normalerweise befindet sich das physische Netzwerk im Doppelboden des Rechenzentrums; hier: Jon Rogers verwendet den Bodenplatten-Greifer (er schwört, dass dies der richtige Name ist), um den Zustand der darunter liegenden Leitungen im Lenoir-Datacenter von Google zu prüfen.
Normalerweise befindet sich das physische Netzwerk im Doppelboden des Rechenzentrums; hier: Jon Rogers verwendet den Bodenplatten-Greifer (er schwört, dass dies der richtige Name ist), um den Zustand der darunter liegenden Leitungen im Lenoir-Datacenter von Google zu prüfen. (Bild: Google)

Software-Defined Networking (SDN) ist en vogue. Häufig verweisen Befürworter auf Einsparungen bei den Betriebskosten und die operative Flexibilität. Doch es gibt noch weitere Gründe, weshalb Unternehmen sich damit auseinander setzen sollten. Ein besonders interessanter Aspekt ist die Möglichkeit zur Weiterentwicklung und Optimierung traditioneller Service Level Agreements (SLAs).

In der Regel erstrecken sich SLAs von Service Providern sowie interner IT-Teams über die Verfügbarkeit bereits bereitgestellter Workloads. Es wird also gewährleistet, dass ein bestimmter Workload zu bestimmten Konditionen nutzbar ist.

Festgelegt wird hier etwa die mittlere Betriebsdauer zwischen Ausfällen (MTBF) oder auch die mittlere Dauer bis zur Wiederherstellung des Systems. Doch inzwischen benötigen und fordern Kunden von ihren Service Providern mehr als nur diese grundlegenden Sicherheiten ein. Von daher müssen die bisher eher starren SLAs entsprechend erweitert werden, um auch neue Anforderungen mit aufzunehmen.

Viele Unternehmen wollen beispielsweise ihre verschiedenen Workloads dynamisch abgedeckt wissen. Oder sie möchten einfach ihre On-Premise-Installationen weitestgehend identisch abbilden.

Neue Leistungsklassen

Traditionelle SLAs legen normalerweise fest, dass die Rechenzentrumsumgebung höchste Systemverfügbarkeit („Five 9s“) bietet, sprich die Ausfallzeit nicht mehr als rund fünf Minuten pro Jahr überschreitet. Moderne Vereinbarungen hingegen könnten neben der 99,999-prozentigen Verfügbarkeit etwa auch festlegen, dass die Implementierung eines neuen Servers über ein Web-basiertes Portal nicht länger als zehn Minuten dauert. Sie können die vereinbarten Leistungen also viel granularer aufnehmen und den Kunden so auch mehr Flexibilität bieten.

Derzeit klafft jedoch meist noch eine große Lücke zwischen dem, was sich die Kunden wünschen und dem, was die Service Provider tatsächlich liefern können. Die größte Hürde für die Einführung neuer SLAs stellen häufig die bestehenden Netzwerke dar.

Während die Workload-Implementierung auf einer virtuellen Maschine (VM) vielleicht nur zwei Minuten dauert, braucht es jedoch eine Woche, um das gesamte Netzwerk darum herum zu konfigurieren. Und so lange sich daran nichts ändert, wird es wohl auch bei den alten Vereinbarungen über die Service-Level bleiben.

Neue Programmierschnittstellen

Mit SDNs lassen sich Router, Switches und andere Netzwerkgeräte über OpenFlow oder weitere Standardschnittstellen managen. Virtuelle Netzwerke (zum Beispiel Virtual Extensible LAN / VXLAN) oder auch Network Virtualization using Generic Routing Encapsulation (NVGRE) können über separate APIs gesteuert werden.

Sobald also das Netzwerk virtualisiert wurde, kann ein SDN-Controller die Netzwerkgeräte ähnlich schnell konfigurieren, wie sich sonst neue VMs bereitstellen lassen. Zur Veranschaulichung ein kleines Beispiel: Der Kunde könnte mit OpenStack ein Image verwenden, es auf die Hardware spielen, diese in Betrieb nehmen und darauf mit Hilfe von OpenStack Compute eine Anwendung implementieren.

Und dann ließe sich das Netzwerk darum herum mit verhältnismäßig wenig Zeitaufwand über OpenStack Networking (eine Form von SDN) konfigurieren. Auf diese Weise würde SDN SLAs ermöglichen, die dem zunehmend dynamischen Charakter der Rechenzentren entsprächen. Nicht nur Kosteneinsparungen wären die Folge, es könnten auch viel schneller neue Rechenressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Inhalt des Artikels:

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