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Warum hüllenlos auch bei Servern sexy ist Siegeszug der Micro-Server

| Autor / Redakteur: John Fruehe / Ulrike Ostler

Die Verbreitung von Cloud Computing nimmt immer mehr zu und hat zu zahlreichen Änderungen geführt. Doch eine sticht besonders ins Auge: Der Server ist deutlich geschrumpft. In vielen Datenzentren wird er bereits zum Micro-Server. Ein Kommentar.

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John Fruehe ist Director of Product Marketing, Server Business Development bei AMD. Er kommentiert einen tiefgreifenen Wandel im Server-Design.
John Fruehe ist Director of Product Marketing, Server Business Development bei AMD. Er kommentiert einen tiefgreifenen Wandel im Server-Design.
(Bild: AMD)

Unter einem typischen Server versteht man heutzutage einen großen Kasten mit einem Motherboard der Größe 12 mal 15 Zoll, Stromanschluss, Lüftern und Festplattenlaufwerken, der in etwa 20 Kilo wiegt. Damit ist er zu groß, um bequem transportiert zu werden.

Eine der wichtigsten Neuerungen, die ein Micro-Server bietet, ist daher die Karte in 5 mal 11 Zoll. Searmicro/AMD hat den Server abgespeckt, indem Komponenten im Gehäuse zusammengelegt wurden, so dass er weniger Strom und Platz benötigt.

Warum ist der Micro-Server das Modell mit Zukunft?

Die wichtigsten Kostentreiber sind Anschaffung, Energieverbrauch und Betrieb (TCO). Mit den wachsenden digitalen Anforderungen möchten die Unternehmen so viele Server wie möglich gebündelt aufstellen.Doch geht ihnen allmählich der Platz aus.

Und die modernen Datenzentren unterscheiden sich grundlegend von den weißgekachelten Räumen, die noch bis vor zehn Jahren das Bild prägten. Viele Server auf begrenztem Raum zu stapeln, verbraucht große Mengen Strom und erzeugt Hitze, die sich, wenn man sie nicht kontrolliert, nachteilig auf den IT-Betrieb auswirken kann.

Lüfter und andere Kühlgeräte sind zwar sehr effizient, sie sind aber auch große Energiefresser: Die Faustregel lautet, dass pro 1 Euro, die für Betriebsleistung aufgewendet werden, zwischen 50 Cent und 1 Euro Kühlungskosten anfallen.

Bedarf ist im Unternehmen genauso wie im Cloud-RZ

Und natürlich haben Anbieter von Cloud Services einen weitaus größeren Bedarf an hoch effizienten Datenzentren, die Hunderte oder Tausende von Kunden beliefern. Die Anwendungsmodelle werden variieren, aber es ist deutlich, dass die Immobilien-, Betriebs- und Wartungskosten Faktoren sind, die die Option Cloud begünstigen.

Einige Unternehmen werden ihre Ressourcen vor Ort in Form einer privaten Cloud verwalten, während andere ihre Daten komplett auslagern. Wieder andere werden sich für ein Hybridmodell entscheiden, bei dem die Cloud als Puffer genutzt wird, wenn zusätzliche Kapazitäten gefragt sind.

Traditionell ging es in der Computerbranche immer darum, größer, besser und schneller zu sein. Allerdings ist die derzeitige Situation mit der der amerikanischen Automobilindustrie vergleichbar, als die Benzinpreise in die Höhe schnellten. Die Menschen merkten, dass es nicht immer ein SUV sein musste: Manchmal ist ein Hybridfahrzeug, oder zumindest ein Modell mit Schrägheck, die adäquatere Lösung.

Umwelt- und Energie-Monster

Und schließlich das – zwingende – große Thema: der Umweltaspekt. In der Welt des Enterprise Computing wird ohne wirtschaftlichen Nutzen kaum jemand einen Euro ausgeben wollen, selbst wenn es sich um das grünste Produkt der Welt handelt. Winkt indes ein Einsparungspotenzial, wird jeder sofort auf Grün umschalten.

Klar, sind CO2-Emissionen für Unternehmen ein Thema im Zusammenhang mit Corporate Social Responsibility, Governance-Richtlinien, der Möglichkeit, qualifizierte Mitarbeiter anzulocken, oder andere Bereiche, die sich auf den Umsatz auswirken.

Wir haben einen Wendepunkt erreicht.

In der Cloud ist die individuelle Leistung des Servers praktisch irrelevant geworden, während die Verwaltung der Datenzentren-Workloads in den Fokus rückt. Braucht man mehr Prozessoren mit schnellerer Anlaufzeit, um den Workload effizienter auf eine große Anzahl von Kernen zu verteilen, treten Multicore-Prozessoren und ausgewogene Architekturen auf den Plan.

Der Stromverbrauch pro Kern wird in einer Welt, in der dank Virtualisierung, Internet-Suche und Datenbankanfragen alles auf einen einzigen Kern hinausläuft, zur kritischen Größe. Im Jahr 2006 lagen 80 Prozent der AMD-Prozessoren bei 40 Watt pro Kern oder höher, während 2011 rund 80 Prozent bei 20 Watt pro Kern oder darunter lagen.

Auch andere Aspekte der IT-Infrastruktur verändern sich. Die GPU übernimmt einige der CPU-Aufgaben, etwa beim Video-Streaming oder der Verwaltung der riesigen Datenmengen, die bei der Erstellung von GPS-Koordinaten anfallen. Auch die Software gewinnt an Bedeutung. Zudem lässt sich die Effizienz durch Optimierung der Compiler erhöhen.

Man sollte sich jedoch nicht täuschen lassen.

Das sind keine geringfügigen Veränderungen, die nur einige, wenige Technik-Freaks betreffen – die Auswirkungen auf die Wirtschaft werden enorm sein. Auf der jüngsten SXSW-Konferenz in Austin, Texas, die die Musikwelt und die interaktive Welt vereint, fiel mir auf, dass eine große Anzahl von Startups in der Cloud arbeiteten und dabei, abgesehen von Geräten mit Client-Zugriff, wenig oder gar keine eigene IT nutzten.

Das Konzept eines eigenen Datenzentrums oder Servers schien ihnen gänzlich fremd zu sein. Auch kleine und mittlere Unternehmen bewältigen ihre geschäftlichen Spitzen und Flauten mit Hilfe der Cloud. Auf diese Weise vermeiden sie die Nachteile eines übermäßigen Wachstums sowie unnötige Risiken. Diese neue Welt unterscheidet sich deutlich von der ersten Dotcom-Generation, bei der große Server und ewig währende Unternehmens-Software das Gebot der Stunde waren.

Natürlich wird sich nicht alles verändern, und es ist nicht nötig, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Eine gängige Theorie besagt zum Beispiel, dass die Verbraucher in der Lage sein werden, die großen Server-Marken zu umgehen, und dass sie ihre Datenzentren mit No-Name-Produkten ausstatten werden.

Das wirft jedoch potenzielle Probleme auf:

Bei technischen Fragen braucht man Spezialisten wie die BIOS-Ingenieure – diese Art des Supports liefern jedoch nur die bekannten Server-Hersteller. Wie beim Offshoring, können die Vorteile im Eifer der Kostenreduktion leicht überbewertet und die wahren Kosten falsch eingeschätzt werden.

Niemand weiß genau, wie schnell und in welche Richtung sich die Welt verändert, aber sie verändert sich. Schon bald werden von Cloud-Service-Providern beauftragte Mega-Datenzentren die neuen Kontaktzentren sein, welche wie Pilze aus dem Boden schießen. Der Zugang zu Services über das Internet wird jeden Aspekt unseres privaten und beruflichen Lebens durchdringen, und für Unternehmen wird nichts selbstverständlicher sein, als ihre Infrastruktur in der Cloud unterzubringen.

Kaufentscheidungen, die auf dem Preis-Leistungsverhältnis beruhen, sind altmodisch. Aber der Server bleibt das Herzstück im Management-Prozess eines jeden Unternehmens. Der Wechsel vom großen Server zum Micro-Server ist symptomatisch für einen umfassenderen Wandel in der Datenverarbeitung, der Kostenersparnis, höhere Verfügbarkeit und Verlässlichkeit sowie größere Sicherheit verspricht. Die Geschäftswelt verändert sich, und die IT verändert sich – die CIOs müssen dies erkennen und ihr Denken entsprechend anpassen.

Der Autor:

John Fruehe ist Director of Product Marketing, Server Business Development bei AMD.

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