IIoT-Geschäftsmodelle

Servitization für Sensoren

| Autor / Redakteur: Sophie Hand / Sebastian Human

Stellt S2aaS ein wachstumsfähiges Geschäftsmodell dar?
Stellt S2aaS ein wachstumsfähiges Geschäftsmodell dar? (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Die Verbindung von Produkten und Dienstleistungen, man spricht auch von Servitization, erfreut sich wachsender Beliebtheit. Nun sollen die sogenannten „As-a-Service-Modelle“ auch den Sensorik-Markt bereichern. Doch macht das Geschäftsmodell hier Sinn?

Servitizationist kein neues Phänomen. Hersteller industrieller Ausrüstungen bieten schon seit Langem umfangreichere Garantien, zukünftige Inspektionen und umfassende Serviceverträge als Verkaufsargument an. Heutzutage verursacht jedoch das rasante Tempo von Veränderungen in der verarbeitenden Industrie eine einschneidende Zunahme der Servitization von Produkten – Nordamerika gilt hier als Vorreiter. Und was ist der Grund für diesen hohen Anstieg? Die Antwortet lautet: Sensoren.

Zahlreiche Servitization-Geschäftsmodelle sind bei ihren Produkten auf die Verwendung von Sensoren angewiesen. Durch die Nutzung der von diesen Sensoren gesammelten Daten und Informationen ist der Serviceanbieter kontinuierlich in der Lage, den Zustand seines Produktes zu überwachen. So kann er notwendige Aktualisierungen, Reparaturen und Wartungen an seinem Produkt vornehmen, sobald diese erforderlich werden und auf diese Weise seinen Kunden einen Mehrwert bieten.

Nehmen wir beispielsweise ein gewerbliches Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagensystem (HVAC). Sollte ein interner Sensor erkennen, dass eine Einheit der Klima-Anlage keine Belüftung in der gewünschten Temperatur erreicht, kann der HVAC-Anbieter unverzüglich alarmiert werden. Dies ermöglicht einerseits, den Fehler schnell zu beheben, und enthebt natürlich andererseits den Endkunden seiner Verantwortung, Fehler zu bemerken, zu reparieren und Reparaturen zu bezahlen.

Wie sieht es nun aber mit der Servitization der Sensoren selbst aus?

Servitization wird in sämtlichen Industriezweigen angeboten. Die verarbeitende Industrie hat bereits damit begonnen, das Potenzial von Robots as a Service (RaaS) zu untersuchen und hat weitgehend verschiedene „Software as a Service (SaaS)“-Modelle eingeführt — beispielsweise Supervisory Control and Data Acquisition (SCADA) und Manufacturing Execution Systems (MES). Als die Vorstellung von Sensors as a Service anfangs aufkam, musste die Abkürzung tatsächlich zu S2aaS geändert werden, um eine Verwechslung zu vermeiden.

Im Rahmen eines Abomodells zahlen Hersteller über S2aaS für den Einsatz von Sensoren in ihren Produktionsstätten einen monatlichen oder jährlichen Beitrag. Dieser Betrag deckt die Kosten für Wartung, Support und regelmäßige Aktualisierungen ab. Das hört sich erst mal gut an, doch die Servitization von Sensoren hat auch ihre Tücken.

Integration bereits vorhandener Sensoren

Das offensichtlichste Problem besteht in der Einbindung neuer Sensoren in vorhandene Technologie. Die meisten Hersteller verwenden in ihren Produktionsstätten eine Vielzahl von Geräten und Anlagen, die hinsichtlich Hersteller, Modell und Baujahr variieren. Einige dieser älteren Maschinen sind überhaupt nicht mit Sensoren ausgestattet. Und in manchen neueren Geräten finden sich Sensoren, die kein Standard und deshalb möglicherweise schwierig zu ersetzen sind.

In solchen Fällen ist es wichtig sicherzustellen, dass der S2aaS-Anbieter entweder die Daten der vorhandenen Sensoren erfassen kann, um einen vollständigen Bericht zu erstellen, oder technisch fortschrittlich genug ist, um den Ersatz der vorhandenen Sensortechnologie gewährleisten zu können. Einige Standardsensoren sind beispielsweise darauf beschränkt, das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein eines Gegenstandes anzuzeigen, wohingegen ein Smart-Sensor bis zu 32 Byte zyklischer Daten liefert — was natürlich einen weit höheren Nutzwert bieten kann.

Für intelligente Sensoren sorgen

Förderbandanlagen sind häufig mit Sensoren ausgestattet, um zu gewährleisten, dass diese nur dann laufen, wenn sich Produkte auf ihnen befinden. Auf diese Weise wird Energie eingespart. Standardsensoren können lediglich feststellen, ob ein Produkt vorhanden ist, während Smart-Sensoren mithilfe einer Kombinationsmessung von Bewegung, Entfernung, Gewicht und Abbildung erkennen, wie viele Produkte sich auf dem Förderband befinden und wie effizient es läuft.

Darüber hinaus können Smart-Sensoren auch dazu genutzt werden, den Funktionsstatus von Geräten und Anlagen in einer Produktionsstätte zu überwachen. Nehmen wir noch einmal die Förderbandanlage als Beispiel: Beschleunigungssensoren können dazu verwendet werden, die Vibrationen der Anlage zu überwachen und anzuzeigen, wenn möglicherweise ein mechanisches Problem oder Anzeichen eines Defekts oder Ausfalls der Anlage auftreten. Wenn man dies berücksichtigt, könnte sich der Wechsel von vorhandenen Sensoren zu fortschrittlicheren Versionen als äußerst vorteilhaft erweisen.

Vor einem solchen Wechsel sollten Hersteller jedoch dafür sorgen, dass die von ihrem S2aaS-Anbieter bereitgestellten Sensoren fortschrittlich genug sind, um eine Verbesserung zu bieten. Sensoren, die IO-Link-fähig sind, können beispielsweise deutlich mehr Daten kommunizieren. IO-Link ist ein Open Standard Protokoll, das eine nützliche Kommunikation der Parameter und Funktionen von Sensoren bietet.

Stellt man sicher, dass Sensoren IO-Link-fähig sind, können sich auch andere IO-Link-Geräte mit den Sensoren verbinden. Auf diese Weise können Hersteller weitaus genauere Datenmengen erheben als sie von Standardsensoren geliefert werden könnten.

Die Beurteilung des Sensorenbedarfs

Vor der Inanspruchnahme eines Abo-basierten Modells für Smart-Sensoren, sollten Hersteller zunächst entscheiden, ob sie tatsächlich in ihrer Produktionsstätte detailliertere Daten erheben müssen und ob eine solche Investition für ihr Unternehmen von Vorteil ist.

Eine weitere Überlegung sollte dahingehen, ob ein solches Subscription-Modell kostengünstiger wäre als ein reguläres. Manche Sensoren sind beispielsweise aufgrund der Art und Weise, wie sie betrieben werden, häufigen Abnutzungen und Beschädigungen ausgesetzt. Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür ist die Nahrungsmittel- und Getränkeherstellung.

Infolge häufigen Spülens der Geräte und Temperaturänderungen während des Herstellungsprozesses müssen Sensoren in der Nahrungsmittelproduktion oft repariert oder ausgetauscht werden. Insbesondere extreme Temperaturen können sich verheerend auf Sensoren auswirken und deren Kapazität zum Sammeln und Berichten von Daten beschränken.

In solchen Fällen kann die Entscheidung für S2aaS gewährleisten, dass Sensoren im Falle eines Falles unverzüglich repariert und ersetzt werden — und zwar ohne die unerwarteten Kosten, die der Kauf nagelneuer Sensoren bedeuten würde.

Wie alle Servitization-Geschäftsmodelle, könnte S2aaS aber eben auch zahlreiche Vorteile bieten. Dank eines subskriptionsbasierten Service können Hersteller sich darauf verlassen, dass ihre Sensoren überwacht und bei Bedarf repariert oder ausgetauscht werden – so werden beispielsweise wichtige Kapazitäten für andere Aufgaben frei. Hier muss man aber auch bedenken, dass nicht alle Servitization-Modelle das gleiche Service-Level garantieren.

Bevor sie auf das erfolgversprechende S2aaS-Modell setzen, sollten Hersteller unbedingt ihre eigenen Nachforschungen anstellen, um sicherzustellen, dass der von ihnen gewählte Serviceanbieter auch wirklich einen echten Mehrwert bieten kann.

Hinweis: Dieser Artikel ist ursprünglich auf unserem Partnerportal Industry of Things erschienen.

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