Die Offenheit wird durch OpenStack erzwungen Sernet öffnet Open Source für Windows und Mac

Autor: Sarah Gandorfer

Das Systemhaus SerNet ist seit seiner Gründung Partner von Red Hat. Geschäftsführer Dr. Johannes Loxen erklärt im Interview seine Beziehung zu dem Hersteller und welche wachsende Bedeutung Open Source zukommt. Der IT-Dienstleister hat sich auf eine einzige Schnittstelle bei Red Hat Enterprise Linux spezialisiert.

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Samba verbindet die Windows-Welt mit Open Source.
Samba verbindet die Windows-Welt mit Open Source.
( © Orlando Florin Rosu - Fotolia)

Sernet ist seit der Gründung Partner von Red Hat und im Bereich Open Source unterwegs. Beschreiben Sie doch kurz, was SerNet so macht!

Johannes Loxen: Sernet ist in der Tat einer der ersten deutschen Partner von Red Hat wie auch von Suse. Wir haben uns von vornherein auf Open Source spezialisiert.

Welche Produkte von Red Hat haben Sie in Ihrem Portfolio?

Johannes Loxen: Zum einen natürlich Red Hat Enterprise Linux (RHEL), das Hauptprodukt des Herstellers, auf dem alles andere basiert. Dabei haben wir uns auf eine ganz bestimmte Schnittstelle im Linux spezialisiert, nämlich die hinüber zu Windows.

Das läuft unter dem Stichwort Samba. Das Wort Samba leitet sich von dem SMB-Protokoll ab, dass Microsoft nutzt, um seine Windows-Rechner zu verbinden. Ein paar findige Open-Source-Programmierer haben sich gedacht, dass es eine ebensolche Verbindung zwischen Linux-Servern und Windows-Rechnern geben müsse, und haben das Protokoll quasi nachgebaut.

Dann sind normale Red-Hat-Server eigentlich gar nicht Ihre Baustelle?

Johannes Loxen: Nein, unser Arbeitsplatz ist immer dort, wo Linux mit Windows- oder Macintosh-Komponenten kommunizieren soll. Dadurch, dass wir weltweit der einzige Service-Anbieter sind, der Samba-Team-Mitglieder festangestellt hat, ist das ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kommt es, dass Sernet weltweit der einzige Anbieter ist?

Johannes Loxen: Samba wird von weltweit 20 Leuten programmiert. Fünf davon sind bei SerNet angestellt. Die anderen 15 arbeiten direkt bei Herstellern wie HP, IBM oder auch Google. Keiner dieser anderen Arbeitgeber bietet Entwicklungs- oder Integrations-Services für Endkunden im Bereich Samba an.

Das ist zugleich Segen und Fluch, denn wir sind auf einer sehr schmalen Schiene recht schnell unterwegs. Rund zehn Prozent unseres Samba-Umsatzes machen wir aufgrund unserer globalen Aktivitäten in Dollar. Aber auch der inländische Umsatz wird großteils mit amerikanischen Firmen gemacht. Wir betreuen die Linux-Infrastruktur solcher Kunden, die von Samba mehr wollen, als eine Standard-Installation.

Wir betreuen eigentlich jeden, der große Storage-Installationen hat – egal ob Private oder Public Cloud. Immer wenn solch ein System mit einem Windows-Arbeitsplatz kommunizieren muss, beispielsweise bei einer Videoschnittstellen-Software von Sony oder bei einer CAD-Software auf einem HP-Rechner, immer dann, wenn Daten auf einen Windows-Rechner müssen, sind wir dabei. Auch das Cloud-Storage von Amazon ist solch ein Beispiel, denn es basiert mehrheitlich auf Unix- oder Linux-Systemen.

lso verkaufen Sie gar keine RHEL-Systeme. Wie kommt es, dass Sie dennoch Red-Hat-Partner sind?

Johannes Loxen: Wir machen tatsächlich nur einen kleinen Teil unseres Umsatzes mit RHEL. SerNet ist ein Independent Software Vendor (ISV) für Samba. Wenn wir beim Kunden sind, müssen wir erst einmal feststellen, ob das Problem wirklich bei Samba besteht oder sonst wo im Linux ist. Bei letzterem bittet uns der Kunde meistens, das direkt mit Red Hat zu klären. In solch einem Fall arbeiten wir mit dem Hersteller eng zusammen.

Die auf Ihrer Web-Seite veröffentliche Kundenliste ist sehr lang und weist einige bedeutende Namen wie die der Hersteller IBM, EMC und HP auf. Zudem finden sich aber auch große IT-Dienstleister wie Materna oder Computacenter. Gleichzeitig gibt es Kunden wie die Landeshauptstadt München. Wie kommt das?

Johannes Loxen: Wir haben drei Arten von Kunden. Zum einen die Hersteller, die eine tolle Hardware anbieten möchten. Wenn auf dieser RHEL aufgespielt ist, das automatisch Samba beinhaltet, kann es sein, dass die Hersteller hierfür eine Optimierung wünschen. Bei diesen verbessern wir unter anderem die Software, beispielsweise indem wir das Server-Verhalten anpassen.

Dann gibt es die Klasse der Systemintegratoren, wie Materna, Computacenter oder auch T-Systems. Also alle diejenigen, die Outsourcing anbieten und ein Samba-Problem haben. Die dritte Gruppe sind die Endkunden, wie die Salzgitter AG oder eben die Landeshauptstadt München.

Da sind Sie mit 60 Mitarbeitern sicherlich gut ausgebucht?

Johannes Loxen: Eigentlich sind es ja nur fünf Samba-Entwickler und drei darauf spezialisierte Consulter. Hinzu kommen natürlich noch viele Mitarbeiter, die tiefes Linux-Know-how haben und First-Level-Support bieten können.

Es braucht mindesten zwei Jahre, um einen erfahrenen Software-Entwickler zu einem Samba-Entwickler auszubilden. So jemand muss zudem gewillt sein, den Graben zwischen Microsoft und Linux zu überspringen.

Betreuung durch Red Hat

Sind Sie mit der Betreuung durch Red Hat durchweg zufrieden oder gibt es das eine oder andere Wehwehchen?

Johannes Loxen: Red Hat ist ein schnell wachsender Konzern. Wie es bei solchen aufstrebenden Unternehmen üblich, ist die Volatilität der Mitarbeiter recht hoch, so dass öfters die Ansprechpartner wechseln. Aufgrund des Wachstums kommt es zudem immer wieder zu internen Umstrukturierungen. Auch werden die Entscheidungswege nicht gerade kürzer, zumal ein Teil der Partnerbetreuung sowieso in Irland angesiedelt ist.

Sie sind ebenfalls Suse-Partner. Wo liegt der größte Unterschied zwischen den beiden Linux-Distributoren?

Johannes Loxen: In der Firmenphilosophie. Suse setzt schon immer auf Interoperabilität, wohingegen Red Hat ‚You have the Choice‘ propagiert, nämlich die Wahl zwischen Open Source und ‚Private Source‘, beispielsweise von Microsoft oder Sun. Samba steht aus meiner Sicht klar für Interoperabilität. In dieser Hinsicht hat SerNet manchmal eine andere Meinung als Red Hat. Ich finde, der Kunde sollte seine Microsoft-Software nicht wegwerfen müssen.

Welche Rolle wird Open Source in Zukunft spielen?

Johannes Loxen: Eine wachsende Rolle. Open-Source-Software wird auf mehr als 90 Prozent der kleineren Geräte eingesetzt, da sich die Hersteller so keine Gedanken über Lizenzierung machen müssen. Als Beispiel nenne ich hier die Fritzbox von AVM. Außerdem laufen immer mehr Smartphones und Tablets auf Android, was dazu führt, dass Microsoft auch hier Marktanteile verliert.

Einen großen, aber mittlerweile ebenfalls schrumpfenden Anteil an Microsoft-Software findet man bei Geräten die für hundert bis 5.000 Nutzer ausgelegt sind. Fast alles, was wiederum für eine Anzahl ab 5.000 Usern zu finden ist, basiert auf Linux. Aus diesem Grund drängt Microsoft mittlerweile in die Cloud. Den Redmondern ist bewusst, dass im Hintergrund der Cloud meist Linux-Systeme laufen, und sie stellen sich darauf ein. Die Schnittstelle zwischen beiden Welten muss ‚rund laufen‘.

Dieses Rundlaufen setzt Standards voraus – etwas, was gerade für Cloud-Services immer wichtiger wird. Wie werden solche Standards sichergestellt, wenn eigentlich jeder an der Software programmieren kann?

Johannes Loxen: Aus diesem Grund ist Sernet Mitglied bei OpenStack. OpenStack ist ein Software-Projekt, welches eine freie Architektur für Cloud-Computing zur Verfügung stellt. Initiiert wurde es ursprünglich von Rackspace und der NASA. Heute unterstützen unter anderem Hersteller wie Suse, Dell, Citrix, Hewlett-Packard, AMD und Intel diese Idee.

Für sich genommen hätte jede dieser Firmen das Interesse, eine möglichst nicht nachzubauende Software zu entwickeln. Doch durch diese Gesamtheit wird die Offenheit erzwungen. Zudem ist OpenStack quasi die Konkurrenz zu Amazon, die man als Microsoft der Cloud-Welt sehen kann.

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Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS