Rechtsstreitigkeiten nach über vier Jahren entschieden SCO darf Linux-Nutzer nicht abkassieren

Autor / Redakteur: Harry Jacob / Florian Karlstetter

Mehr als vier Jahre ist es her, dass SCO versuchte, das freie Betriebssystem Linux vor den eigenen Karren zu spannen und damit Kasse zu machen. IBM habe SCOs geistiges Eigentum verletzt und dessen Quellcode in Linux eingebaut, so der Vorwurf, der Milliarden an Schadensersatz bringen sollte. Nun hat das Bundesgericht in Salt Lake City entschieden: SCO hat gar keine Urheberrechte an dem fraglichen Code, die liegen immer noch bei Novell.

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Linux bleibt weiter frei und muss nicht für SCO die Karre aus dem Dreck ziehen.
Linux bleibt weiter frei und muss nicht für SCO die Karre aus dem Dreck ziehen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Die entscheidende Frage in dem nun zu Ende gegangenen Prozess lautete: Wer hat die Urheberrechte an dem Quellcode von Unix-System-V? Novell, wo die Zeilen einst gescheiben wurden? Oder SCO, das durch Verträge das Unix von Novell inklusive aller Rechte übernommen haben wollte.

Vier Jahre dauerte es, bis die Juristen ein Urteil fällen konnten. Demnach hat Novell nur die Nutzungsrechte abgegeben, aber nicht die Urheberrechte übertragen. Eine Niederlage für SCO mit weit reichenden Folgen.

Der ehemalige Linux-Distributor Caldera hatte 2001 Teile der Santa Cruz Operations übernommen und sich 2002 in SCO umbenannt. Wiederum ein Jahr später war SCO mit absurden Forderungen an die Öffentlichkeit gegangen. Zu dieser Zeit hatten bereits aggressive Geldgeber und ihre Anwälte das Sagen bei SCO dessen Umsätze mit Unix in den Keller gegangen waren. Diese hatten in kürzester Zeit die gesamte Linux-Gemeinde gegen SCO aufgebracht.

Klagen als Geschäftsmodell

Eine Milliarde US-Dollar Schadensersatz von IBM und Lizenzgebühren für jeden verkauften Linux-PC wollte SCO einklagen. IBM habe Unix-Code, an dem SCO die Urheberrechte halte, in Linux eingeschleust. Daher solle IBM zahlen, und auch jeder Linux-Nutzer sollte eine SCO-Lizenz erwerben müssen – auch hier drohte SCO Klagen an.

Schon bald meldete sich Novell zu Wort und reklamierte das Urheberrecht des Unix-Codes für sich. Bis dahin hatte SCO noch nicht einmal nachgewiesen, dass der Code tatsächlich in Linux zu finden ist. Bald reichte SCO die Klage gegen Novell ein, die nun abgewiesen wurde. Novell hatte 1995 sein Unix System V an SCO verkauft. Allerdings war strittig, ob nur die Nutzungs- und Verwertungsrechte, oder auch die Urheberschaft mit übertragen worden war.

Streit mit den Großen der Branche

Auch auf anderen Gebieten kam es zum Streit: als Novell im selben Jahr den deutschen Linux-Distributor Suse übernehmen wollte, führte SCO erneut die Unix-Verträge von 1995 ins Feld und behauptete, Novell würde gegen ein darin festgelegtes Wettbewerbsverbot verstoßen. Auch damit hatte SCO keinen Erfolg. Die Klage gegen IBM war mit einer Gegenklage beantwortet worden, und andere große Linux-Unterstützer wie Sun und HP hatten bereits früh angekündigt, ihre Kunden vor Rechtsansprüchen von SCO schützen zu wollen.

Man darf gespannt sein, wie lange das Unternehmen SCO noch existiert. Denn diese Niederlage dürfte auch die Entscheidungen in anderen noch anhängigen Verfahren beschleunigen – und SCO vor erhebliche finanzielle Probleme stellen, wenn die Gerichts- und Anwaltskosten eingefordert werden.

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 Harry Jacob

Harry Jacob

Freier Journalist, Textbüro Jacob