Marktstudie zur Beschaffungsplanung Teil 2: Systemsmanagement, Kühlung und Server Scale Up von Server liegt im Trend und Systemsmanagement soll Prozesse automatisieren

Redakteur: Ulrich Roderer

DataCenter-Insider.com hat im Frühjahr in einer Markstudie die Kaufabsichten von Rechenzentren unter die Lupe genommen. Der vorherrschende Trend: x86-Servers sind der Umsatzmotor, Rackmounts mit ein bis zwei Einheiten bleiben die Favoriten. IT-Mananger lehnen Flüssigkühlung , aber sie ist notwendig.

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HP ist nicht nur bei Rack-Servern führend
HP ist nicht nur bei Rack-Servern führend
( Archiv: Vogel Business Media )

Bei Hardware-Anschaffungen setzt sich weiter der Trend zum Scale Out also dem horizontalen Ausbau bestehender Anwendungsarchitekturen durch Anschaffung zusätzlicher Server fort. Deshalb liegen Ein- bis Zwei-Prozessor-Racks besonders in der Kaufgunst im nächsten Jahr und stellen das Hauptwachstumssegment. HP ist in diesem Segment besonders stark. Rechenzentren werden auch in bedeutendem Umfang in SMP-Servern mit 4 bis 12 Cores und Blades investieren. Große SMP-Rechner mit mehr als 12 Cores pro Maschine haben bei weitem nicht dieses Wachstum und der Towerserver ist so gut wie tot. Server werden hauptsächlich gekauft für neue Anwendungen, dann erst um wachsende Kapazitätsnachfrage zu bewältigen oder als Ersatz alter Geräte.

Intel Xeon-Prozessoren sind die meistgekauften bei Servern, gefolgt von AMD‘s Opteron und Intels Itanium. Für mehr als ein Viertel der Befragten spielt der Prozessor keine Rolle, sondern sie kaufen den Server nach der benötigten Leistung. Ein Befragter gab Leistung als die höchste Priorität bei der Prozessorwahl an.

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HP dominiert bei der DataCenter-Insider-Umfrage als Lieferant in mehreren Disziplinen: bei Blades mit 40,1 Prozent, Rackservern mit 41,7 Prozent, kleinen SMP-Systemen mit 41,5 Prozent. Nur bei großen SMP-Rechnern führt IBM mit 39,8 Prozent.

Gordon Haff, Senior Analyst bei Illuminata, ist nicht überrascht vom Erfolg von HP: „Proliant ist zur Zeit gut positioniert mit der Mischung von technischer Innovation und günstigen Preisen. Außerdem hat HP seine Produkte für die weltweiten Absatzkanäle optimiert.“

Der Marktforscher Joe Clabby von Clabby Analytics glaubt allerdings, dass der Trend zum Scale-out abnimmt. Seiner Meinung nach tendieren Unternehmen in Zukunft zm „Scale up“ also zum Ausbau bestehender Systeme und Blades. In diesem Segment hat HP auch stärkere Mitbewerber. „Im Segment von vier bis 12 Prozessoren werden sich Blades oder noch größere skalierbare Systeme durchsetzen“, meint der Analyst.

Systemmanagement: Wenig neue Investitionen

Systemsmanagement-Software hilft Rechenzentren, die wachsenden Anforderungen an Rechenleistung und Verfügbarkeit zu bewältigen. Die neue Version 3 der IT Infrastructure Library (ITIL) sowie Configuration Management Databases (CMDBs) gewinnen deshalb an Akzeptanz. Unternehmen investieren in 2008 hauptsächlich in Systemsmanagement, um die Produktivität der IT zu verbessern. Kostenkontrolle Virtualisierung und Compliance sind die wichtigsten Faktoren, in Systemsmanagement zu investieren.

Unternehmen wählen einen Hersteller jetzt nach dem angebotenen Leistungsspektrum, nicht mehr nach Marktführerschaft oder nach bestehenden Lieferantenbeziehungen. Der Preis ist sekundär für eine Kaufentscheidung.

Die Ausgaben für Systemsmanagement-Software betragen im Durchschnitt 11.9 Prozent des IT Budgets der befragten Firmen. Doch gibt es kaum Zuwachs in diesem Segment: Nur 40 Prozent der Befragten planen dieses Jahr, die Ausgaben für Systemsmanagement zu erhöhen. Fehlendes Budget ist der hauptsächliche Grund, warum Rechenzentren nicht mehr Geld in Systemsmanagement investieren, gefolgt von der Meinung, zusätzliche würde keinen zusätzlichen Mehrwert erbingen.

Höchste Priorität hat nach Meinung des Analysten Joe Clabby von Clabby Analytics, die Aufgabe, Managementkosten zu reduzieren und Datenbanken zu integrieren. „CMDBs und ITIL sind nette Extras, aber Rechenzentren müssen erst einmal sehr viele pragmatische Aufgaben bewältigen, bevor sie sich mit Datenfederation und IT Best Practices beschäftigen können.“

Performancemanagement-Tools stellen den größten Investitionsbereich dar, gefolgt von Konfigurationsmanagement. CMDB-Software hat erstaunlicherweise schon eine gute Verbreitung:

  • Fast 25 Prozent der Befragten haben eine CMDB implementiert.
  • 4 Prozent wollen im nächsten Jahr eine CMDB kaufen
  • Ein Viertel der Befragten planen ein CMDB zu evaluieren
  • 47 Prozent der Befragten haben keine Pläne, CMDB-Software zu kaufen.

Diese Zahlen deuten drauf hin, dass CMDB-Tools sich im Rechenzentrum etablieren, auch wenn Experten einschränkend darauf hinweisen, dass CMDB sehr verschiedene Dinge meinen kann.

35 Prozent der Befragten gab an, dass sie ITIL ins Rechenzentrum integrieren, wenn auch häufig in einer begrenzten Form Von den acht ITIL-Disziplinen sind vor allem Service Support und Service Delivery beliebte Ausgangspunkte, um das Rahmenwerk der Best Practises zu implementieren. Für 65 Prozent der ITIL-Nutzer ist ITIL-Support ein Kaufkriterium für Systemsmanagement-Software.

Infrastruktur: Flüssigkühlung noch nicht Mainstream

Im Rahmen der Studie hat DataCenter-Insider.com die Teilnehmer gefragt, welche Faktoren das Wachstum ihres Rechenzentrums am meisten einschränkt. An erster Stelle steht Platzmangel. Verfügbarkeit von Strom, Netzwerkbandbreite und Kühlung sind gleichgewichtig weitere Hemmfaktoren.

Über die Hälfte der Befragten gaben an, dass ihr Geschäftsbereich nicht die Stromkosten selbst bezahlen muss. 31 Prozent der IT-Abteilungen, die ihren Strom selbst bezahlen, gaben an, dass die Kosten um über zehn Prozent gestiegen seien. Und trotzt Servervirtualisierung und optimierter Hardware berichten 80 Prozent dieser IT-Abteilungen eine Kostenzunahme seit 2006.

Die Studie hat folgende Daten über Energiesparmaßnahmen von Rechenzentren ermittelt:

Mehr als 50 Prozent sparen Energie durch Servervirtualisierung.

  • 32 Prozent verbessern die Effizienz der Kühlung in doppelten Böden
  • 27 Prozent haben keine Maßnahmen durchgeführt um Energie zu sparen
  • 17.5 Prozent nutzen Power-down-Funktionen bei nichtgenutzen Servers
  • 11 Prozent haben Gleichstrom in Rechenzentrum erprobt
  • Magere 7.7 Prozent haben Flüssigkühlung eingesetzt, um die Kühlleistung zu optimieren

65 Prozent sprechen sich sogar kategorisch gegen Flüssigkühlung aus. William DiBella, President of the Data Center User Group AFCOM, berichtet aus Erfahrung, dass die meisten Manager von Rechenzentren Flüssigkühlung beargwöhnen, aber er glaubt, dass sie auf die Dauern keine Alternative haben, um dichtgepackte Rechner zu kühlen.

Gordon Haff, Senior Analyst bei Illuminata, sagt, dass viele Kunden Angst vor Flüssigkühlung hätten. Er hält es für wahrscheinlich, dass diese Firmen ihre Infrastruktur eher outsourcen werden, wenn sie Flüssigkühlung aufgrund hoher Kühlanforderungen einsetzen müssen.

Einige Hersteller wie IBM, HP und Sun Microsystems planen dennoch Flüssigkühlungslösungen anzubieten. Denn Flüssigkühlung ist hundert mal effektiver als Luft.

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