Fortschritte Richtung Industrie 4.0 und IIC

SAP und Bosch - HANA und Industrie-Clouds

| Redakteur: Sariana Kunze

Bosch-Chef Dr. Volkmar Denner (links) und SAP-Vorstand Bernd Leukert (rechts) beim zweiten gemeinsamen Arbeitstreffen der Plattform Industrie 4.0 und des Industrial Internet Consortiums (IIC) in der SAP-Zentrale in Walldorf/St. Leon-Rot.
Bosch-Chef Dr. Volkmar Denner (links) und SAP-Vorstand Bernd Leukert (rechts) beim zweiten gemeinsamen Arbeitstreffen der Plattform Industrie 4.0 und des Industrial Internet Consortiums (IIC) in der SAP-Zentrale in Walldorf/St. Leon-Rot. (Bild: Ingo Cordes, Bosch)

In der SAP-Zentrale in Walldorf/St. Leon-Rot trafen sich vor kurzem über 300 Experten zum zweiten gemeinsamen Arbeitstreffen der Plattform „Industrie 4.0“ und des „Industrial Internet Consortium“ (IIC). Es ging um die Kompatibilität ihrer Referenzarchitekturmodelle und den Zugang zu Testumgebungen. Bosch und SAP haben hierfür eine Partnerschaft vereinbart.

Ein Thema war die Erprobung von Industrie 4.0-Anwendungen in speziellen Testumgebungen – so genannten Testbeds. Die Testbeds sind sehr wichtig für Unternehmen, denn dort können sie Industrie 4.0-Anwendungen ohne Wettbewerbsdruck und mit geringen Risiken testen.

Die Kooperationspartner arbeiten im Bereich Testbeds unter anderem mit dem „Labs Network Industrie 4.0“ zusammen, die von Akteuren der Plattform Industrie 4.0 gegründet wurde. Die eigens zu diesem Thema einberufene Joint Task Group „Testbeds“ erarbeitete in Walldorf Ideen, wie internationale Testumgebungen gemeinsam gestaltet werden können.

Besonderes Augenmerk soll dabei auf Angeboten für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) liegen. Zudem möchten die Experten die praktischen Erfahrungen aus den Tests systematisch zur Weiterentwicklung und Verbindung der bereits etablierten Referenzarchitekturmodelle RAMI 4.0 und IIRA nutzen.

Referenzarchitekturmodelle RAMI 4.0 und IIRA verbinden

„Die Plattform Industrie 4.0 hat bereits wichtige Meilensteine erreicht“, sagt Henning Banthien, Leiter der Geschäftsstelle Plattform Industrie 4.0. „Wir haben das weltweit anerkannte Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0 entwickelt, 250 Beispiele von Industrie 4.0-Anwendungen gesammelt, die insbesondere mittelständischen Unternehmen eine wichtige Orientierung bei der Realisierung ihrer Ideen geben, und harmonisieren mit dem Standardization Council i4.0 sowie dem Labs Network Industrie 4.0 die Normierungsprozesse.“

SAP und Bosch machen sich für Software und Cloud-Technologien stark

Das gemeinsame Vorgehen von SAP und Bosch soll unter anderem Fertigungs- und Logistikprozesse beschleunigen und die Sicherheit sowie Qualität von Produkten und Services für Kunden erhöhen. „Um die großen Potenziale der vernetzten Industrie noch besser auszuschöpfen, müssen internationale Unternehmen stärker als bisher und mit offenen Standards kooperieren“, sagte Bosch-Chef Dr. Volkmar Denner zur Unterzeichnung einer entsprechenden Vereinbarung (Memorandum of Understanding).

„Neue Lösungen mit hohem Kundennutzen entstehen nur, wenn Unternehmen sich auf ihre Stärken und Kernkompetenzen konzentrieren und gleichzeitig ihre jeweiligen Kräfte bündeln“, ergänzte Bernd Leukert, Mitglied des Vorstands der SAP, verantwortlich für Produkte und Innovation.

SAP HANA zieht bei Bosch IoT Cloud ein

Künftig ist daher geplant, dass Kunden zum einen die SAP HANA Plattform in der Bosch IoT Cloud verwenden können. Ziel ist es, große Datenmengen für IoT-Anwendungen in Echtzeit zu verarbeiten. Darüber hinaus bringen Bosch und SAP in Zukunft ihre Software- und Cloud-Expertise enger zusammen. So sollen Bosch IoT-Microservices auf der SAP HANA Cloud Plattform zur Verfügung gestellt werden, um unterschiedliche Geräte und Komponenten verknüpfen zu können.

Dazu zählt, Fahrzeuge, Produktionsmaschinen oder Werkzeuge sicherer und effizienter an unterschiedliche und vorzugsweise offene Plattformen anbinden zu können. Ziel ist es, Kunden neue und intelligente Services anzubieten. So melden zum Beispiel vernetzte Akkuschrauber in einem Hangar ihre Position zentimetergenau ans Produktionssystem, das daraufhin das für die jeweilige Aufgabe passende Drehmoment für den Schrauber wählt.

Das Ergebnis: mehr Effizienz in der Produktion. In-Memory-Datenbanken wie SAP HANA sind Voraussetzung, um große Datenmengen in der vernetzten Produktion zu speichern, zu verarbeiten, zu analysieren und darzustellen. Alle Systeme sowohl von Bosch als auch von SAP stehen vor allem auch für Sicherheit und Datenschutz. Beide Unternehmen schützen die Kundendaten mit modernen technischen Mitteln. Kunden können beispielsweise selbst entscheiden, wann sie personenbezogene Daten zur Verfügung stellen und wann sie gelöscht werden sollen.

Kooperation wird mit IIC-Testbed „Track&Trace“ erprobt

„Standards und Referenzarchitekturen sind notwendige Voraussetzung für den flächendeckenden Einsatz von IoT- und Industrie 4.0-Lösungen“, so Denner. Mit Blick auf die Standardisierung sprechen sich Denner und Leukert für eine enge Koordination mit dem international ausgerichteten Industrial Internet Consortium (IIC) und der deutschen Plattform Industrie 4.0 aus.

Konkret wird das Zusammenspiel der beiden international agierenden Unternehmen am Beispiel von Positionsdaten für Gabelstapler sowie mehr Transparenz und Effizienz in der Logistik. In dem schon bestehenden Testbed „Track&Trace“ – koordiniert vom IIC – lässt sich nun beispielsweise die Position von Gabelstaplern in großen Lagern, Flugzeughallen oder auf Betriebsgeländen in Echtzeit und zentimetergenau bestimmen. Die Lokalisierung übernimmt das von Bosch gegründete Start-up Zeno Track mithilfe von Kameras, GPS, Laserscanner, Funkwellen und einem vernetzten Bewegungssensor.

Die Positionsdaten werden über die Bosch IoT Cloud ins Flotten-Management-System „SAP Vehicle Insights“ übertragen. Damit lassen sich Fahrzeugflotten intelligent steuern, um Transportaufträge oder Wartungstermine bestmöglich zu planen und zu erfüllen. Der Aufwand sinkt, die Effizienz steigt. Die Kooperation zwischen Bosch und SAP zeigt, wie das Zusammenspiel von Sensoren und Software über die Grenzen von Unternehmen hinweg neue Services ermöglicht.

SAP und Bosch streben automatisiertes und vernetztes Fahren an

Darüber hinaus streben beide Unternehmen weitere Lösungen an, etwa beim automatisierten und vernetzten Fahren. Stets entstehen große Datenmengen, die rasch und zuverlässig ausgewertet werden müssen. „Datenbanken und Plattformtechnologien sind Grundbausteine für neue Lösungen im Internet der Dinge und in der Industrie 4.0. Diese möchten wir Kunden, Partnern und Anwendern weltweit zur Verfügung stellen“, sagt Leukert.

„Bosch bringt seine breite Erfahrung mit Sensorik in den Bereichen Mobilität, Fertigung, Gebrauchsgüter sowie in der Vernetzung von Geräten mit. Die Kombination von alledem soll dazu beitragen, dass unsere Kunden neue Umsätze generieren können“, betont Denner.

Bosch und SAP sind führende europäische Mitglieder des IIC. Dieser internationale Verbund von Unternehmen und Universitäten treibt den Einsatz des Internet der Dinge unter anderem in der industriellen Produktion voran. Vom 19. bis 24. September tagte das IIC zum ersten Mal auf deutschem Boden. SAP und Bosch unterstützen die Kooperation zwischen dem IIC und der in Deutschland beheimateten Plattform Industrie 4.0.

Hinweis: Der Artikel findet sich im Original auf dem Portal "Elektro Technik Praxis".

Was meinen Sie zu diesem Thema?

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44292905 / Data)