Ämter müssen schneller werden

Sage eröffnet die Jagd auf Bürokratiemonster

| Redakteur: Ulrike Ostler

Sage kämpft gegen Bürokratiebelastung, unter anderem mit Studien und einem Online-Spiel. Doch das Softwarehaus steht nicht alleine da: Zahlreiche namhafte Verbände haben der Kampagne angeschlossen.
Sage kämpft gegen Bürokratiebelastung, unter anderem mit Studien und einem Online-Spiel. Doch das Softwarehaus steht nicht alleine da: Zahlreiche namhafte Verbände haben der Kampagne angeschlossen. (Bild: Sage)

Was muss passieren, damit die Belastung durch Bürokratie geringer wird? Software-Hersteller Sage hat das Marktforschungsinstitut TNS Emnid beauftragt, kleine und mittelständische Unternehmen zu ihrer bürokratischen Belastung zu befragen. Allerdings kann bei Sage jeder selbst auf Monsterjagd gehen.

Zu den großen Wünschen von Mittelständlern an die Öffentliche Hand zählt: Die Ämter sollen schneller reagieren und Bearbeitungszeiten verkürzen. Das hat kürzlich eine Studie des Software-Riesen Sage, Anbieter kaufmännischer Software mit weltweit drei Millionen Kunden, ergeben. TNS Emnid hat 400 Mittelständler befragt mit dem Ergebnis, dass 96 Prozent über die hohe bürokratische Belastung klagen.

Baugenehmigungsverfahren, die sich in die Länge ziehen, Anfragen, die auf dem Schreibtisch liegen bleiben ̶ solche Szenarien scheinen bei 78 Prozent der von TNS Emnid befragten Entscheider und Unternehmer keine Seltenheit zu sein. Ihr wichtigstes Anliegen ist, dass es die Bearbeitung auf Ämtern künftig schneller geht.

An zweiter Stelle steht für 73 Prozent der Befragten der Wunsch, dass die Zusammenarbeit besser funktioniert. Schluss mit dem Behördenlauf und von Amt A zu Amt B geschickt werden: Immerhin noch 61 Prozent der KMU wollen eine zentrale Anlaufstelle für die gebündelte Abwicklung mehrerer behördlicher Verfahren.

Bürokratie hemmt Wachstum

Prof. Dr. Friederike Welter, Präsidentin des IfM Bonn und Lehrstuhlinhaberin an der Universität Siegen, sagt über die Untersuchung: „Die vorliegende Studie des Software-Herstellers Sage, die das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn wissenschaftlich begleitet hat, zeigt auf, dass insbesondere der Kostenaufwand für gesetzlich vorgeschriebene Maßnahmen und behördliche Auflagen branchenübergreifend als besonders hoch empfunden wird.“

Vor allem die Unternehmen mit 10 bis 49 Mitarbeitern fühlten sich dadurch nachhaltig belastet. Auf den ersten Blick erstaune dieses Ergebnis – schließlich sei der Bürokratiekostenindex nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in diesem Jahr auf einen Tiefststand gesunken – seit Jahren ist zudem das 25-prozentige-Abbauziel erreicht. Das bedeute: Die von der Bundesregierung initiierten Maßnahmen erzielen messbare Wirkung.

Die Rankliste der Belastungen durch Bürokratie
Die Rankliste der Belastungen durch Bürokratie (Bild: TNS Emnid/ Sage)

Allerdings erfasse der Bürokratiekostenindex nur die reinen Informationspflichten der Unternehmen – und nicht den deutlich weiter definierten gesamten Erfüllungsbedarf. „Mit anderen Worten,“ so die Professorin, „die Bürokratiefolgekosten und der Bürokratieaufwand, der über die reinen Informationspflichten hinausgeht, werden nicht miteinbezogen.“ Hierdurch ergebe sich die deutliche Diskrepanz zwischen der empirisch gemessenen und der von den Unternehmen subjektiv wahrgenommenen Bürokratiebelastung, eine Tatsache, die auch der deutsche Nationale Normenkontrollrat seit Jahren kritisiere.

Dass der (bisherige) Fokus der Wirtschaftspolitik auf die informationsbedingten Bürokratiekosten zu eng gefasst sei, werde auch dadurch deutlich, dass die Bürokratiekosten in der Regel nur etwa 15 bis 20 Prozent der gesamten Folgekosten ausmachten.

Viele von den Mitteilungsaufgaben würden von den Unternehmen als belastend empfunden, weil sie häufig geändert würden oder schwer verständlich seien. „Es wundert daher nicht, dass fast neun von zehn befragten Unternehmen branchen- und größenklassenübergreifend die Bürokratiebelastung im Bereich Steuern als (sehr) hoch bezeichnen“, sagt Professorin Welter.

Unternehmen ab 50 Mitarbeiter sind , zumindest subjektiv, am stärksten von Bürokratie belastet.
Unternehmen ab 50 Mitarbeiter sind , zumindest subjektiv, am stärksten von Bürokratie belastet. (Bild: Sage/ TNS Emnid)

Zu den Ergebnissen der Studie gehört:

  • Fast alle 400 befragten Unternehmer empfinden die Bürokratiebelastung als zu hoch
  • Nur 1 Prozent sagt, sie sei in den vergangenen zwölf Monaten gesunken
  • 96 Prozent der Befragten beklagen die Flut an Verordnungen und Gesetzen
  • 65 Prozent aller Unternehmer haben Schwierigkeiten, die Gesetze überhaupt zu verstehen
  • Für jedes dritte Unternehmen verhindern bürokratische Vorgaben Neueinstellungen und sind damit ein Job-Killer

Mit Online-Spiel auf Monsterfang

Die Studie „Bürokratie im deutschen Mittelstand“ ist jedoch nur eine Maßnahme der aktuellen Initiative von Sage gegen die Bürokratiemonster in Deutschland. Daneben macht das Software-Haus mit zahlreichen weiteren Aktionen und einem Online-Spiel auf das Thema aufmerksam. Der Sieger fliegt nach Griechenland.

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