Banken im Umbruch

PSD2 als Treiber für Open Banking

| Autor / Redakteur: Bruno Cambounet* / Ulrike Ostler

Banken brauchen eine digitale Strategie, die über PSD2 hinausreicht.
Banken brauchen eine digitale Strategie, die über PSD2 hinausreicht. (Bild: © alexlmx / Fotolia.com)

Im Finanzsektor spielt die Digitalisierung bereits eine bedeutendere Rolle als in anderen Branchen. Denn bereits seit Jahren drängen spezialisierte Finanzdienstleister mit digitalen Konzepten in den Markt. Nun kommen mit den überarbeitete Zahlungsdienste-Richtlinien „PSD2“ weitere Anforderungen auf die Finanzinstitute zu, die weitreichende Änderungen an den Infrastrukturen erfordern.

Den traditionellen Kunden, der am Beginn seines eigenständigen Finanzlebens ein Konto eröffnet und dann fortan die Produkte seiner Bank dazu bucht, gibt es kaum noch. Längst agieren die meisten Kunden digital und damit weniger geradlinig im herkömmlichen Sinn. Sie erwarten von den Dienstleistern der Finanzbranche flexible und vor allem kundenzentrierte Angebote.

Die logische Folge: Finanzdienstleister eroberten mit individuell zugeschnittenen und preislich attraktiven Angeboten die Endkunden und machten den Banken Marktanteile streitig. Für eine weitere Liberalisierung wird nun PSD2 sorgen. Was kommt dabei auf Banken und Finanzdienstleister zu und wie gut sind sie darauf vorbereitet?

Die Studie von Finextra und Axway: „PSD2 und Open Banking: Defining Your Role in the Digital Ecosystem“ gibt es zum Download; siehe Link.
Die Studie von Finextra und Axway: „PSD2 und Open Banking: Defining Your Role in the Digital Ecosystem“ gibt es zum Download; siehe Link. (Bild: Axway)

Eine aktuelle Studie, die die auf die Branche fokussierten Analysten von gemeinsam mit dem Softwarehersteller erarbeiteten, beleuchtet, wie die Player die derzeitige Situation sehen und welche Fragen noch offen sind.

PSD2: Was dahintersteckt

Eine der Hauptaufgaben der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) ist es, für faire Wettbewerbsbedingungen in der Branche zu sorgen. Dazu gehört die Überarbeitung der Zahlungsdiensterichtlinien (Payment Service Directive, PSD), die nun seit gut einem Jahr in ihrer zweiten Fassung vorliegen (PSD2). Laut der Europäischen Kommission soll PSD2 „die rechtliche Grundlage für die Schaffung eines EU-weiten Binnenmarktes für den Zahlungsverkehr“ schaffen.

Konkret bedeutet das: Banken dürfen ihre Daten, die für die Abwicklung von Online-Zahlungsgeschäften notwendig sind, nicht mehr einigen wenigen ausgewählten Dienstleistern zur Verfügung stellen. Vielmehr hat nun jeder Finanzdienstleister, sofern er die Bedingungen der Restriktive erfüllt, das Recht, auf die Daten zurückzugreifen. Die Bank als kontoführender Zahlungsdienstleister muss mindestens eine Kommunikationsschnittstelle zur Verfügung stellen.

Das hat weitreichende Folgen für die gesamte Branche. Es beendet das traditionelle Retail-Banking und öffnet den Markt für weitere Finanz-Angebote von Dienstleistern, Fintechs und sogenannten Third Party Providern (TTP). Für die Banken geht es vor allem um die entsprechende Aufrüstung ihrer Infrastruktur und um nicht weniger als ihre künftige Rolle in einem sich wandelnden, digitalen Markt.

Gute Ansätze

Im Sommer dieses Jahres konkretisierte die EBA nun die Anforderungen von PSD2. Zwar finden sich kaum technische Detail-Spezifikationen in dem Konsultationspapier, wohl aber geforderte Funktionen. So sollen die Beteiligten über mindestens Schnittstelle beispielsweise kommunizieren, sich identifizieren und authentifzieren sowie Daten sicher austauschen können. API-Schnittstellen (Application Programming Interface) erfüllen diese Anforderungen, müssen aber in bestehende Legacy-Systeme und Prozesse integriert werden.

Die aktuelle Situation nahmen die Analysten von Finextra und die Branchenexperten von Axway zum Anlass, bei den Playern der Branche nach ihrer Meinung und ihrem Entwicklungsstand zu fragen. Der Tenor der Antworten: PSD2 steht nur stellvertretend für die Umwälzungen, die längst im Gange sind.

Die Mehrzahl der Verantwortlichen berichtet, dass die Institute schon vor PSD2 digitale Initiativen gestartet hatten. Viele sehen inzwischen in den PSD2-Regularien weniger zusätzlichen Ballast, als vielmehr zahlreiche Chancen und Möglichkeiten. Manch ein Bankinstitut sieht sich schon jetzt als Service Provider, der dem Kunden alles bietet, was dieser in Bezug auf seine Finanzen braucht. Ein guter Ansatz, doch dafür müssten Finanzinstitute sich den anderen Marktplayern auch mental öffnen und mit ehemaligen Wettbewerbern zusammenarbeiten.

Neue Rollen

Laut Studie werden die Marktbeteiligten nicht umhin kommen, ihre Rolle im Ecosystem des Digital Banking zu überdenken und neu zu definieren. Traditionelle Banken brauchen eine digitale Strategie, die über PSD2 hinausreicht und alle weiteren aktuellen digitalen Entwicklungen mit abdeckt.

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Neue Partnermodelle, Joint Ventures und Kooperationen werden beinahe zwangsläufig entstehen. Und auch die anderen Finanzdienstleister, Fintechs und TTPs können kaum verharren und sich auf ihr zumeist schon deutlich digitaleres Konzept verlassen. Denn einzelne Spezial-Angebote werden künftig nicht mehr genügen, um viele Kunden an sich zu binden.

Technische Herausforderungen bleiben

Flexible Infrastrukturen mit offenen APIs sind für die Macher der Studie und die befragten Experten der entscheidende Dreh- und Angelpunkt. Zwar fordern die PSD2-Regularien APIs nicht konkret an, die Verantwortlichen sehen aber durch APIs ihre digitale Strategie am besten unterstützt.

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Wenn Legacy-Systeme fit für einen digitalen Alltag gemacht werden müssen, helfen APIs als Zwischenschicht und stellen eine flexible Verbindung zu neuen Partnern und Services her. Bei Dienstleistern, deren Infrastruktur bereits digital ausgelegt ist, stellen APIs die Flexibilität in alle gewünschten Richtungen sicher.

Der Autor Bruno Cambounet ist VP Financial Services und Insurance Industries Program Leader bei Axway.
Der Autor Bruno Cambounet ist VP Financial Services und Insurance Industries Program Leader bei Axway. (Bild: Axway)

Die Finextra-Studie kommt zu dem Schluss, dass die Finanzdienstleister hier in den letzten Monaten entscheidende Schritte in die richtige Richtung unternommen haben. Dennoch muss sich jetzt zeigen, ob die Konzepte praktisch umsetzbar sind. Denn die technischen Herausforderungen sind keineswegs trivial. Es geht nicht mehr nur darum, eine Handvoll Partner sicher mit dem eigenen System und den dazugehörigen Prozessen zu verknüpfen. Es geht um Offenheit nach allen Seiten und um den Austausch sensibler Kundendaten. Es geht um Open Banking.

*Über den Autor:

Bruno Cambounet, Vice President bei Axway, leitet das Programm der Axway Financial Services and Insurance Solutions auf globaler Ebene. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Beratung sowie im Bereich Operations und bekleidete führende Postionen im Business Development der Service-, Versicherungs-, Fertigungs-, Transport- und Logistikbranche und im Bereich Healthcare und Telekommunikation.

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