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Reaktion auf Frankfurter AWS-Rechenzentren Profitbricks-Chef wirft Amazon „falsche Versprechungen“ vor

| Redakteur: Michael Hase

Die Eröffnung deutscher Rechenzentren durch Amazon Web Services (AWS) stößt auf Kritik im Markt: ProfitBricks-Chef Andreas Gauger wirft dem US-Rivalen vor, er täusche seine deutschen Kunden, was die Sicherheit ihrer Daten vor dem Zugriff durch US-Behörden angeht.

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Kaum stellt Amazon seine Cloud-Services auch in Deutschland bereit, meldet sich der Wettbewerb kritisch zu Wort.
Kaum stellt Amazon seine Cloud-Services auch in Deutschland bereit, meldet sich der Wettbewerb kritisch zu Wort.
(Bild: IT-BUSINESS)

Amazon Web Services (AWS) bietet Kunden seit der vergangenen Woche Cloud-Dienste an, die in zwei Frankfurter Rechenzentren bereitgestellt werden. Dass der Cloud-Pionier seine weltweite Infrastruktur erweitert, provoziert die Kritik des Berliner Wettbewerbers ProfitBricks.

Dessen Gründer und Vorstand Andreas Gauger wirft dem US-Anbieter vor, er täusche seine deutschen Kunden hinsichtlich der Sicherheit ihrer Daten. Die seien nicht vor dem Zugriff durch US-Behörden geschützt. „Wie AWS Kunden mit falschen Versprechungen lockt“, überschreibt der Unternehmer einen Beitrag im Profitbricks-Blog.

Parallel dazu setzt sich Gauger in einer weiteren Veröffentlichung allgemeiner mit der Thematik auseinander. Da sich derzeit die Nachfrage nach Cloud-Services in Deutschland stark erhöhe, drängten US-Anbieter massiv in den Markt und versuchten „mit zum Teil unwahren Versprechen Kunden zu gewinnen“, analysiert der Hosting-Veteran und langjährige 1&1-Vorstand. Mit Rechenzentren in Deutschland wolle man Unternehmen die Einhaltung der strengen, deutschen Datenschutzbedingungen garantieren.

Tatsächlich kündigten Ende September und Mitte Oktober auch die Software-Hersteller Oracle und VMware an, deutsche Cloud-Rechenzentren aufzubauen. Die Anlagen von Oracle werden in Frankfurt und München stehen und sollen noch in diesem Jahr ans Netz gehen. VMware plant, Cloud-Services vom ersten Quartal 2015 an in Deutschland bereitzustellen.

US-Anbieter unterliegen US-Recht

Auf diese Weise sicherzustellen, dass deutsche Datenschutzstandards eingehalten werden, sei aber „schlichtweg nicht möglich“, wendet Profitbricks-Chef Gauger ein. „Denn als US-amerikanische Unternehmen unterliegen diese Anbieter und die in ihren Rechenzentren gespeicherten Daten den Zugriffsrechten der US-Behörden."

Der Cloud-Experte verweist auf einen „konkreten Fall“, wonach der US-Bundesgerichtshof den Software-Riesen Microsoft im August zur Herausgabe von Daten verurteilte, die im Rechenzentrum in Irland gespeichert waren. Die Berufung durch Microsoft sei in zweiter Instanz ohne Erfolg geblieben.

Zugriffsrechte der Behörden

Im Blog geht Gauger konkret auf den Rivalen AWS und dessen deutsche Rechenzentren ein. in Deutschland lege die Gesetzgebung zwar deutlich mehr Wert auf Datenschutz als anderswo. Der US-Anbieter Amazon unterliege aber „den Rechten und Bestimmungen der USA“, führt der Profitbricks-Vorstand aus. „Das gilt auch für Niederlassungen und Rechenzentren außerhalb Amerikas.“ Die Zugriffsrechte der US-Behörden auf Daten in der Cloud seien weitreichend. Oft genüge ein kleiner Verdacht oder eine vage begründete Vermutung, um deren Herausgabe zu erzwingen.

Profitbricks müsse Kunden seinerseits die Sicherheit ihrer Daten garantieren, betont Gauger. Denn das Unternehmen habe seinen Hauptsitz in Deutschland und unterliege damit den Vorgaben des deutschen Bundesdatenschutzgesetzes (BSDG). Offiziell hätten US-Behörden keinen Zugriff auf Daten deutscher Unternehmen. ProfitBricks betreibt Rechenzentren in Karlsruhe und Frankfurt/Main.

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