MySQL 5.6 Release Candidate und Milestone MySQL Cluster 7.3

Oracle bringt Open-Source-DB MySQL auf Vordermann

| Redakteur: Ulrike Ostler

Der Umsatz mit MySQL-Angeboten betrug im Jahr 2011 rund 171 Millionen Dollar, 9 Millionen Dollar von NewSQL Technologies inklusive. Die Analysten von 451 Research erwarten bis 2015 ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 40 Prozent auf 664 Millionen Dollar.
Der Umsatz mit MySQL-Angeboten betrug im Jahr 2011 rund 171 Millionen Dollar, 9 Millionen Dollar von NewSQL Technologies inklusive. Die Analysten von 451 Research erwarten bis 2015 ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 40 Prozent auf 664 Millionen Dollar. (Quelle: 451 Research)

Nachdem die Community Oracle nun doch schon einige Zeit unterstellt hat, die Open-Source-Datenbank “MySQL” verhungern zu lassen und etwa Security-Features vor ihr zu verbergen, kündigte der IT-Konzern auf der MySQL Connect Konferenz, die im Rahmen der Oracle OpenWorld vergangene Woche stattfand, Neuerungen an - darunter Release Candidate 5.6.

Nach Darstellung von Oracle weist sich MySQL 5.6 RC durch eine linear zu steigernde Leistungsfähigkeit und höhere Skalierbarkeit und optimierter Repleikation sowie durch einfachere Verwaltbarkeit für anspruchsvolle Web- und Cloud-basierte Anwendungen aus. Das Release erfülle insbesondere die hohen Anforderungen, die Embedded Applications stellten und passe besser zur neuer Hardware.

Zum Beispiel erlauben Index Condition Pushdown (ICP) und Batch Key Access (BKA) den Durchsatz einzelner Datenbank-Queries bis zu 280 mal zu steigern. Eine neues Datenbank-Schema “Enhanced PERFORMANCE_SCHEMA” bringt Instrumente mit, die es Admins ermöglichen, die Ressourcen-intensivsten Queries, Objekte. Anwender und Applikationen im Auge zu behalten.

Darüber hinaus gibt es neue Zusammenstellungen, die sich nach Abfragen, Threads, User, Hosts und Objekten gruppieren lassen. Die Veränderungen machen Default-Konfigurationen schneller sichtbar erzeigen aber weniger als 5 Prozent Overhead.

Zu den neuen MySQL-Features und gehören:

  • “Subquery Optimimizaton” soll Entwicklern beim Gestalten von komplexen Anfragen helfen, indem die Reihenfolge, in der die Queries ausgeführt werden, optimiert wird.
  • “Enhanced Optimizer Diagnostics”mit Hilfe der Operationen “Explain for Insert”, “Update” und „Delete“. Die Ergebnisse von Explain werden im JSON-Format ausgegeben; das soll für präzisere Optimierungsmetriken und bessere Lesbarkeit sorgen.
  • Mit “Optimizer Traces” können Admins die Schritte in einem Optimierungsprozess nachvollziehen.
  • Zusätzlich ist die kommerzielle Version mit Hochverfügbarkeitsoptionen mit DRBD (Distributed Replicated Block Device) ausgestattet, die unter anderem synchrone Replikationen und eine automatische Ausfallsicherung ermöglichen.
  • Die Storage Engine „InnoDB“ wurde neu kalibriert, um Legacy Threading, Flushing und Flaschenhälse zu minimieren. Insgesamt erhöht sich der der Durchsatz bei Transaktionsdaten und Read-Only-Operationen für anspruchsvollere OLTP-Systeme. Außerdem besitzt die Engine eine Volltextsuche, mit der nach Begriffen und ganzen Sätzen gesucht werden kann. Die Einführung von Memchached-APIs bieten ein flexibles und vielen vertrautes Interface zu NoSQL.
  • Online DDL Operationen ermöglichen Datenbankadministratoren Indizes hinzuzufügen und die Änderungen der Tabellen vozunehmen, während die Anwendungen für Updates verfügbar bleiben.
  • Neu ist auch die Möglichkeit eines selbstheilenden Replikations-Cluster. Ein so genannter „Global Transaction Identifier” und High-Availability-Werkzeug sollen das automatische Erkennen von Fehlern und das Erholen davon vereinfachen.
  • Die Funktion „Crash-Safe Replication” erlaubt es, im Flalle eines Crash binäre und “Slaves” in der korrekten Position eines Replikationsstrangs. Dazu soll ein Eingreifen des Administrators unnötig sein. Check-Summen bleiben erhalten und sorgen für die Integrität der Daten, und zwar Cluster-weit.
  • MySQL bietet ferner die Möglichkeit von High Performance Replication Cluster. Diese erlauben eine bis zu 5 mal schnellere Replikation durch so genannte Multi-Threaded Slaves, Binlog Group Commit und eine verbesserte Reihen-basierte Replikation.
  • Schließlich können Adminstratoren auch eine zeitversetzte Replikation einrichten. Das kann dabei helfen operative Unfälle zu vermeiden, zum Beispiel Tabellen zu vergessen.

Die Verfügbarkeit und der kommende Meilenstein

Das Release Candidate MySQL 5.6 steht im Download-Bereich der Entwicklerseite als Binärversion zur Verfügung.

Die Konferenz brachte aber auch Ausblicke auf das „MySQL-Cluster 7.3“. Hinter der Bezeichnung verbirgt sich eine Open-Source, write-scalable, real-time ACID-konforme Transaktionsdatenbank für Web-, Cloud-, sozialen und mobile Anwendungen.

Das Release 7.3 führt die native Unterstützung von Foreign Keys ein. Aktuell kann die Community auch neue Funktionen wie eine node.js NoSQL API und einen MySQL Cluster Auto-Installer testen.

Kommerzielle Erweiterungen für MySQL Enterprise Edition

Zu den kommerziellen Erweiterungen für die „Enterprise Edition“ von MySQL gehört das „MySQL Enterprise Audit“. Laut Oracle soll das eine „einfach einzusetzende „out-of-the-box“-Auditing- und Compliance-Lösung“ sein. Unternehmen werden dabei unterstützt, branchenüblichen Best Practices zu entsprechen und gesetzliche Vorgaben einzuhalten.

Außerdem sind in der MySQL Enterprise Edition die zwei neuen Hochverfügbarkeits-Optionen enthalten: Distributed Replicated Block Device (DRDB) für Oracle Linux und die Integration mit Oracle Solaris Cluster.

Die kommerziellen Erweiterungen sind ohne zusätzliche Kosten als Teil der MySQL Enterprise Edition und der MySQL Cluster Carrier Grade Edition (CGE) verfügbar.

Die Zukunft von MySQL

Ob sich die Einschätzung der Zukunft von MySQL diurch die Oracle-Ankündigungen ändert, ist fraglich. So hatten die Analysten von 451 Research im Mai ein schwindendes Interesse diagnostiziert. In ihrer Untersuchung „MySQL vs. NoSQL and NewSQL: 2011-2015“ heißt es „MySQL war einst die Default-Datenbank für neue Web-Anwendungen“, was impliziert, dass dies nicht mehr so sein wird.

Alternativen seien beispielsweise NoSQL, NewSQL, MariaDB und PostgreSQL. So wachse der Umsatz mit MySQL-Angboten derzeit zwar um durchschnittlich 40 Prozent jährlich, doch die Anwender zeigen sich bereit für Wechsel. Während der Großteil der Open-Source-Datenbankanwender 2011 noch MySQL wählte - zu 80,5 Prozent -, wird der Anteil nach Einschätzung von 451 Research im Jahr 2014 auf 60, 4 Prozent schrumpfen und 2017 bei 54,1 Prozent liegen.

Was meinen Sie zu diesem Thema?

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 35997290 / Data)