Das hohe Lied der Automatisierung und eine Breitseite gegen Amazon

Oracle 18c soll DB-Admins „von Routinearbeit befreien“

| Autor: Ludger Schmitz

Blick auf das Open-Air-Areal der Oracle Open World 2017
Blick auf das Open-Air-Areal der Oracle Open World 2017 (Bild: Oracle)

Im Dezember startet die Oracle Autonomous Database Cloud. Deren Herzstück Oracle 18c soll, auch on-premise, automatisch laufen, Upgrades und Patches ausführen, selbständig skalieren und selbstheilend sein.

Larry Ellison ist die perfekte „Frontsau“, weniger im militärischen Sinne als im musikalischen. Der Gründer und Patriarch des Datenbankherstellers liebt große Bühnen und starke Töne. Die „Oracle Open World 2017“ in der letzten Woche bot eine besondere Gelegenheit, denn: „Dies ist die wichtigste Sache, die wir seit langer, langer Zeit gemacht haben. So revolutionär wie das Internet. Der Welt erste und einzige völlig autonome Datenbank.“

Oracle 18c kann alles besser – weil selber

Ellisons Loblied galt der Oracle Autonomous Database Cloud, genauer der Engine hinter ihr, nämlich Oracle 18c, die „autonome Datenbank“. Die macht in der Oracle Cloud ebenso wie on-premise vier Sachen künftig im Alleingang (Original in der Illustration):

Die vier Versprechen von Oracle 18c im Original
Die vier Versprechen von Oracle 18c im Original (Bild: Oracle)

* Die Datenbank „eliminiert 100 Prozent der menschlichen Arbeit für das Datenbank-Management“.

* Sie sorgt automatisch im laufenden Betrieb und ohne Downtime für Upgrades, Patches und Tuning, einschließlich automatischer Sicherheits-Patches in Echtzeit.

* Oracle garantiert eine Verfügbarkeit von 99,995 Prozent, was weniger als 30 Minuten pro Jahr sind.

* Die Datenbank verbrauche weniger Rechner- und Speicherressourcen als bei Amazon. Oracle garantiert die Halbierung der Amazon-Kosten.

Machine Learning statt Admins

Das Streben nach Automatisierung begründete Ellison so: „Die schlimmsten Bedrohungen für Daten sind vorgekommen, nachdem ein Patch verfügbar wurde.“ Hier wendet sich eine alte Support-Weisheit gegen die Admins: Die größte Fehlerquelle sitzt vor dem Monitor. Oracle will mit Künstlicher Intelligenz und Machine Learning dagegen halten, so Ellison: „Es ist die erste autonome Datenbank, die keine menschliche Eingriffe mehr benötigt. Denn mit Künstlicher Intelligenz und integriertem Machine Learning optimiert sie sich fortlaufend selbst.“

Larry Ellison während seiner ersten Keynote-Rede
Larry Ellison während seiner ersten Keynote-Rede (Bild: Oracle)

Eine ähnliche Formulierung findet sich in einer Oracle Pressemitteilung zur Präsentation. Danach ermöglicht Machine Learning eine „Automatisierung, die menschliche Arbeit, menschliche Fehler und manuelles Tuning eliminiert“. Elison erklärt selbst, dass solche Aussagen Datenbank-Administratoren um ihre Arbeitsplätze fürchten lassen könnten. „Admins werden nicht herumsitzen und nichts zu tun haben“, hält Ellison solchen Ängsten entgegen.“ Sie würden "von Routine- und Alltagsarbeiten befreit'" und bekämen Zeit für anspruchsvoller Aufgaben wie „Datenbank-Design, Datenanalyse und -Policies und Datensicherheit“.

Dauerfeuer gegen Amazon

Ellisons Keynote durchzog die Auseinandersetzung mit Amazon. AWS sei „überhaupt nicht elastisch“, sondern verlange viel manuelle Arbeiten, während Oracle 18c je nach Last automatisch Ressourcen zuschaltet oder abschaltet. Er zeigte mehrere Demos, wonach Oracle in der Cloud fünf bis zehn Mal ist schneller als Amazon, dass gleichzeitig neun bis fünfzehn Mal so teuer ist wie Oracle und außerdem viel mehr Zeitaufwand für die Administration verlangt. „Es ist lächerlich“, amüsierte sich Ellison – ähnlich wie vor Jahren über MS SQL Server.

Schlussendlich versicherte Ellison, Oracle werde die Hälfte der Amazon-Preise verlangen, und versprach: „Das schreiben wir euch in eure Verträge.“ Dafür bekam er viel Applaus, vermutlich auch weil die Preispolitik im Zentrum der Kritik an Ellisons Firma ist. Beugt sich Oracle dem Druck der Konkurrenz?

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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Routinearbeiten die bei anderen Systemen, beispielsweise Snowflake Computing, nie benötigt waren.  lesen
posted am 11.10.2017 um 10:22 von Unregistriert


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