Für die Großen und die Kleinen

OpenStack gibt neue Version Rocky frei

| Autor: Ludger Schmitz

Offene Zusammenarbeit auf Open-Source-Basis ist fundamental für den Erfolg für OpenStack.
Offene Zusammenarbeit auf Open-Source-Basis ist fundamental für den Erfolg für OpenStack. (Bild: / Ludger Schmitz / CC BY 3.0)

Die 18. Version von OpenStack bringt vordergründig viel für Bare-Metal-Clouds und damit für Großanwender. Aber auch für kleinere Umgebungen und Anwender mit wenig Personal ist etwas dabei, das die OpenStack-Nutzung sehr erleichtern wird.

„Rocky“ heißt die OpenStack-Version, welche die OpenStack Foundation (OSF) soeben freigegeben hat. Ihre Veröffentlichung kommt – wie inzwischen üblich – deutlich vor dem nächsten Summit der Open-Source-Organisation.

Sie lässt erkennen, um was es beim Groß-Event vom 13. bis 15. November in Berlin gehen wird: Es wird ein Spagat zwischen ausgefeilteren Features für Großanwender und einfacherem, personalsparendem Cloud-Management für kleinere Unternehmen. DataCenter-Insider hatte Gelegenheit zu einem Telefoninterview, bei dem die gesamte Führungsmannschaft der OpenStack Foundation Rede und Antwort stand.

Mehr Funktionen für Bare Metal

Ein großer Teil der Neuerungen richtet sich an High-Performance-, High-Availability- und generell große OpenStack-Umgebungen. Hier ist Cloud Computing mit Bare Metal gefragt wie nie. „Bare Metal hält in immer mehr Clouds Einzug, und OpenStack hat die Fähigkeit, Hardware Cloud-mäßig wie einen virtuellen Server zu behandeln“, erläutert Mark Collier, COO der OSF. „Unser Tool dafür, Ironic, ist für viele Anwender wichtiger denn je und verbreitet sich schnell.“

Ein neues Interface in Ironic ermöglicht es, Anwendungen und damit Workloads in einer RAM-Disk zu starten. Es gibt also keine Plattenzugriffe bei kurzzeitigen Lasten, sie sind flüchtig. Über ein weiteres Feature von Ironic können Anwender BIOS-Einstellungen ändern, wenn sie dadurch die Performance der Hardware steigern möchten.

Neu: Function-as-a-Service

Ebenfalls vor allem für Großanwender von Interesse dürfte Function-as-a-Service sein. Mit der ersten Version des Moduls „Quinling“ lassen sich auf der Ebene von Containern und mit Kubernetes Funktionen von Anwendungen nutzen, wobei Ressourcen von der Hardware bis zu den Anwendungen als gegeben vorausgesetzt werden, man sich also nicht erst um ihre Einrichtung kümmern muss. Etwas für Aufgaben, die auf keinen Fall ausfallen dürfen, ist „Masakari“. Dieses Modul überwacht virtuelle Maschinen und leitet bei Ausfällen Gegenmaßnahmen ein.

„Wir wollen es den Administratoren einfach machen“

Aber auch in kleineren IT-Umgebungen soll OpenStack stärkere Verbreitung finden. Der Ansatz dafür sind Maßnahme, die den Ruf beheben sollen, OpenStack sei kompliziert und bedürfe für den Betrieb ausgesprochene Spezialisten. Anne Bertucio, Marketing Managerin der Foundation, bekräftigte: „Wir wollen es den Administratoren einfach machen.“ So ein Ansatzpunkt ist die nun gegebene Möglichkeit, Cloud-Konfigurationen zu verändern, ohne einen Service neu starten zu müssen.

Mit dem Modul „Blazar“ lassen sich Verfügbarkeitszonen einrichten und reservieren. Das Modul „Glance“ kann jetzt alte Images verbergen, was Admins den Überblick erleichtert, sie aber auch wieder hervorholen. Außerdem bietet Glance Hash-Unterstützung, um Images zu verifizieren.

Einen besonders großen Vorteil bietet „TripleO“. Bisher mussten User Upgrades über jede einzelne Version von OpenStack machen, was die Verbreitung neuer Versionen behindert hat. Denn Upgrade gelten immer als riskant und aufwändig, weshalb ein großer Teil der Anwender meist zwei bis drei OpenStack-Versionen hinter dem aktuellen Stand zurückhängt.

Mit TripleO können sie nun zwei Versionen überspringen, also auf Version n+3 kommen, und zwar nicht nur für Kernmodule, sondern für ihre gesamte OpenStack-Umgebung. Das funktioniert rückwirkend ab der Version Newton vom Oktober 2016 – für die es keine Patches mehr gibt – und würde von dort direkt zur 17. Version Queens aus dem Frühjahr 2018 führen.

Demnächst mehr zu Kata, Zuul und Akraino

Nicht zum neuen Release gehören zwei Tools, die vor wenigen Monaten auf dem OpenStack Summit in Vancouver viel Aufmerksamkeit bekamen: „Kata Containers“ und „Zuul“ sind zwar Projekte in der OpenStack Foundation, aber gleichzeitig unabhängig und damit nicht an Release-Zyklen gebunden. Bezüglich Kata war im Telefoninterview von kleineren Entwicklungsschritten die Rede, man diskutiere vor allem mit anderen Open-Source-Projekten Fragen der Integration. Zu Zuul wird der Mitentwickler BMW auf dem November-Summit in Berlin einen prominent platzierten Vortrag halten.

Die Initiativen der OpenStack Foundation in Sachen Edge Computing bündeln sich im Projekt „Akraino“, das allerdings ein offizielles Projekt der Linux Foundation ist. In der Praxis sieht das so aus, dass die OpenStack-Projekte „StarlingX“ und „Airship“ ihren Code in Akraino einbringen. „Es nehmen an diesen Projekten inzwischen mehr Firmen teil, und die Codebasis ist weiter entwickelt worden“, mochte OSF-President Jonathan Bryce lediglich verkünden. „In Berlin wird es mehr darüber zu berichten geben.“

Nächster Summit in Berlin

Zum Summit vom 13. bis 15. November in Berlin erwartet Bryce optimistisch „2000 bis 2500 Besucher“, zumal es für europäische, besonders deutsche Interessierte eine besonders günstige Gelegenheit ist, OpenStack intensiv kennenzulernen. Das Konferenzprogramm soll noch einmal deutlicher als bisher von Berichten, Erfahrungen und Lösungswegen der Anwender in der OpenStack-Praxis geprägt sein. Die Foundation hat ein noch unvollständiges und dauernd erweitertes Konferenzprogramm veröffentlicht.

Europa ist nach Ostasien die Region mit den zweithöchsten Zuwachsraten bei OpenStack und unterscheidet sich dabei deutlich von anderen Regionen. So gebe es in Europa deutlich mehr Open-Stack-Anwendungen bei Service- und Cloud-Providern als in den USA, erklärt Bryce. „Europa ist manchmal konservativer in der Adaption von Technologie. Aber jetzt erleben wir Zuspruch bei Unternehmen wie bei Regierungsbehörden – und zwar auf nationaler wie auf EU-Ebene.“

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