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Die Experton Group zu Cloud Management und Orchestration bei HP und anderen OpenStack als Glücksbringer mit süßem Eukalyptus-Bonbon für den Geschmack

Autor / Redakteur: Heiko Henkes / Ulrike Ostler

Das Marktsegment Cloud-Management und -Orchestrierung ist so wettbewerbsintensiv wie kaum ein anderes Segment und inzwischen durchdrungen von „alten Hasen“ sowie jungen dynamischen Unternehmen. Nun hat HP den Open-Source-Player Eucalyptus gekauft. Gut so?

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Nicht nur dieser Koalabär findet Gefallen an Eucalyptus, für HP ist es ein guter Einkauf, sagt Heiko Henkes von der Experton Group.
Nicht nur dieser Koalabär findet Gefallen an Eucalyptus, für HP ist es ein guter Einkauf, sagt Heiko Henkes von der Experton Group.
(Bild: S. Thomas / pixelio.de)

Klassische Virtualisierungsanbieter wie VMware stehen vor der Herausforderung, in dieser noch für Differenzierung geeigneten Disziplin die Schnittstellentransparenz aufrecht zu erhalten und gleichzeitig die proprietäre Lösung gegenüber Open-Source-Alternativen zu platzieren. Das Argument ist im Normalfall die Belastbarkeit beziehungsweise Stabilität der Lösung und somit die Geschäftstauglichkeit für kritische Prozesse, sichergestellt durch Black-Box-Entwicklung ohne große Community und professionellen inkludierten Enterprise-Support mit lokalen Niederlassungen und Partnern auf höchstem Level.

Gleichzeitig gilt AWS als Benchmark und fast schon unerreichbar in der Hyperskaler-Welt von Public-Cloud-Service-Anbietern. Neben Google und Microsoft versucht hierzulande kaum ein Anbieter wirklich Paroli zu bieten – man will sich auch nicht verzetteln. Der Innovationsvorsprung scheint immens zu sein. Die Strategien sind vielmehr differenzierter oder individueller und somit weniger skalierend.

So bauen Cloud-Provider inzwischen – nicht selten auf OpenStack-Basis Enterprise-konforme Clouds und binden daran kostengünstige Public Clouds wie die von AWS (direct connect) oder Microsoft (ExpressRoute) beispielsweise. So auch im Fall von „Eucalyptus“, der Open-Source-Cloud-Management-Platform, die ein AWS API-kompatibles Framework mit OpenStack-Fundament auf die Beine stellte und im Fahrwasser von AWS zu Kräften kam.

HP kauft Open-Source

Dies bemerkt auch HP. Das Unternehmen hat zwar eine eigene OpenStack-basierte „Helion“- Cloud aufgebaut, verspürt jedoch noch nicht genügend Wind in den Segeln. Der Kauf von Eucalyptus inklusive des strategischen Einsatzes von Marten Mickos als neuer Kopf der Cloud-Business-Abteilung von HP zeigt wie wichtig Gallionsfiguren für den Erfolg sind und wie dringend HP Know how im Cloud-Geschäft auf OpenStack-Basis brauchte.

Die Strategie von HP ist daher aus Analystensicht positiv zu bewerten, denn OpenStack ist in der Liga von HP zu einem „must have“ geworden, braucht aber auch viel Kompetenz in puncto Harmonisierung von komplexen Einzelkomponenten und entsprechender Differenzierung in der Kundenansprache. Cloud Management ist daher nach wie vor der Innovationsmotor der Cloud. Die Wettbewerbslandschaft ist gekennzeichnet von Start-ups und Aktivitäten im Bereich Merger und Akquisition.

HP legt nach, hinkt aber nach wie vor IBM hinter her

Der Weg in die Cloud ist aber nach wie vor ein harter Weg – speziell bei Enterprise Architekturen. Die hohe Marktattraktivität und inzwischen auch Standardisierung führt kontinuierlich zum Einstieg weiterer Akteure in den Bereichen Cloud-Services.

Andererseits suchen etablierte Beratungs- und Integrationsdienstleister händeringend nach Differenzierungsmöglichkeiten, beispielsweise im Hinblick auf das OpenStack Framework, das derzeit viele Ressourcen bindet und daher viel Zeit und Geld kostet. Neben dem Player Big Blue gibt nun also auch HP Volldampf in puncto Open Source.

Am 12. September teilte HP offiziell mit, die US-Firma Eucalyptus gekauft zu haben, um sich noch tiefer in die Open Source Gemeinde Open Stack zu graben. Die Hybrid Cloud beziehungsweise das Zusammenschalten von Wertschöpfungsnetzwerken – auf Basis von Cloud-Infrastrukturen – wird zum unverzichtbaren Wettbewerbsfaktor. Gerade für Komplettdienstleister gehört dies zwingend mit zum Repertoire von morgen und auch schon heute.

Wie aus dem „Geschmäckle“ voller Geschmack wird

Nicht zuletzt aus der Innovationskraft, die Open Source-Lösungen auf Basis der zugrundeliegenden Gemeinde häufig vorweisen, ist immer häufiger zu beobachten, dass sich ISVs an Open Source Projekte „hängen“ oder diese durch eigene value added services veredeln und mit Expertenwissen füttern, um langfristig und nachhaltig davon zu profitieren. Ziel ist es natürlich stets von der Community und dem „Drive“ dahinter zu lernen, gleichzeitig aber mit eigenen Kompetenzen oder Services „einen oben drauf zu setzen“ und somit Enterprise-Konformität herstellen – siehe: Red Hat als Paradebeispiel des größten Linux Contributors weltweit, Oracle mit der Nimbula-Übernahme oder auch C12G Labs hinter OpenNebula.

Neben diesen verfolgt aber vor allem IBM schon lange eine mehr oder weniger offenkundige Open-Source-Strategie und ist beispielsweise für viele Code-Bestandteile von Linux verantwortlich und rief unter anderem „Eclipse“ ins Leben. Ferner steckte man viel Herzblut in OpenStack und CloudFoundry oder auch KVM als Linux mit nativer Bare-Metal-Virtualisierung.

Erst kürzlich sicherte IBM der Open-Source-Gemeinde eine riesige Investitionssumme zu, um Innovationen zu fördern – der Plan dahinter könnte natürlich die Abstimmung von KVM auf die „IBM Power“-Architektur sein. Letztlich bewahrt IBM somit immer die nötige Offenheit, pflegt wichtige Beziehungen und kann eigene Lösungen mit Hilfe von Open Source Bestandteilen anbieten.

Die Bedeutung zeigen blanke Zahlen von Open-Source-Projekten, in denen IBM mehr oder weniger die Finger mit im Spiel hat: „IBM Worklight“ profitiert von mehr als 100 Open-Source-Projekten, „IBM Big Insights“ nutzt über 40 Projekte, „IBM SmartCloud“ mehr als 70 und „IBM Websphere“ ebenfalls über 100 solcher Projekte zur Weiterentwicklung.

Der Open Source Best Practice Guide oder der strategische Weg der Open Source Kommerzialisierung und Kundennutzen

  • Teilnahme an Projekten und Events der Open Source Community – Einbringung in die Entstehung gemeinsamer Konventionen, Normen und Implementierungen. Für Kunden bietet dieser erste Schritt die nötige Sicherheit einen stabilen und innovativen Partner zu haben.
  • Förderung technischer Visionen, um teilweise völlig neue Märkte zu schaffen – zur Not auch mittels etablierter Konkurrenten, um das Beste der eigenen Produkten bzw. des eigenen Codes mit fremden Produkten als Mashup-Mehrwert zu vereinen. Für Kunden bedeutet dies Schnittstellenoffenheit und Vendor-Lockin-Reduzierung.
  • Konzentrierte Verbesserung der Leistung, Sicherheit, beispielsweise über optimierte Verwaltungs- oder Entwicklungs-Tools oder gar industriespezifischer Ausprägungen in Form des Aufbaus spezialisierter Ökosysteme. Für Kunden bieten diese Veredelten Services und Produkte allerdings ebenfalls einen Mehrwert, um sich gegenüber der Konkurrenz abzuheben oder den USP zu sichern/erstellen.
  • Suchen und Nutzen skalierender Geschäftsmodelle auf Basis der Wiederverwendung von OSS-Projekten, wodurch R&D-Kosten gesenkt werden und neue Produkte neben einzigartigen Funktionen einen Vorteil in Bezug auf das Time-to-Market haben. Für Kunden bietet dies zumindest eine Chance auf Kostensenkung aufgrund der Reduzierung der Herstellungs- und Entwicklungskosten.
  • Gewinnung branchenführende Kundenerfahrungen und Sicherheit aus den Lessons Learned durch gemeinsame Projekte bzw. den Informationspool der Open-Source-Gemeinde. Dies führt nicht zuletzt zu optimierten und kundenzentrierten Dokumentationen, Support-Modellen oder Beratungsdienstleistungen. Für Kunden bietet dieser Fundus die nötige Raffinesse und Sattelfestigkeit in komplexen Fragestellungen.
  • Pflege von Partnerschaften zum Aufbau vertrauenswürdiger und vor allem langfristiger Beziehungen mit Kunden und Partnern zur Sicherung des eigenen Platz im Markt. Für Kunden bietet dieser Kreislauf immer einen Qualitäts- und Innovationsgewinn.

Abschließend kann konstatiert werden, dass sich klassischer ISVs ohne Beteiligungen oder Engagement im Open-Source-Sektor langfristig warm anziehen müssen. Die Cloud bringt derweilen immer häufiger alt angestammte ISVs beziehungsweise deren Geschäftsmodelle ins Wanken und zwingt sie dazu, neue Wege zu gehen.

Das Abschotten eigener Software- und Service-Lösungen von anderen Lösungen über proprietäre Technologien kann dabei nicht das Allheilmittel sein. Das Mindestmaß an Offenheit ist heute eine transparente API. Schnittstelle, um die eigene Lösung in andere Applikationen und Systeme integrieren zu können.

Vor seinem Wechsel zur Experton Group war Heiko Henkes als Analyst-Manager für die Techconsult GmbH beschäftigt. Dort etablierte er als verantwortlicher Projektleiter den Business Performance Index, übernahm 2011 die Schirmherrschaft der Kompetenzfelder Communications & Cloud Services sowie 2013 die Leitung des Analysten-Teams.
Vor seinem Wechsel zur Experton Group war Heiko Henkes als Analyst-Manager für die Techconsult GmbH beschäftigt. Dort etablierte er als verantwortlicher Projektleiter den Business Performance Index, übernahm 2011 die Schirmherrschaft der Kompetenzfelder Communications & Cloud Services sowie 2013 die Leitung des Analysten-Teams.
(Bild: Experton Group)
Vielmehr gilt es aber sich gegenüber Mitbewerbern und Communities wie der Open-Source-Gemeinde zu öffnen, um gegenseitig von Fehlern zu lernen und Innovationen schneller auf die Straße zu bringen. Der „plumpe“ Kauf einer Community-Lösung ist dabei nicht als verkehrt einzustufen, schließlich erkauft man sich ein Stück des offen herzigen Kuchens mit einem gewissen Anteil Know-how-Träger, jedoch ist diese Strategie weniger nachhaltig und strategisch oder als „smart“ einzustufen.

* Heiko Henkes ist ist als Manager Advisor bei der Experton Group tätig. Er berät sowohl ICT-Anbieter- als auch -Anwender in seinen Fokusthemen Social Business, Cloud Computing und Mobility.

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