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Bewährte Prinzipien sollen auch für ein neues IT-Modell gelten Open Source und Cloud Computing (Teil 1)

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Florian Karlstetter

Sehr lange hat es gebraucht, bis die Open-Source-Bewegung sich eine Meinung zum Cloud Computing erarbeitet hatte. Sie fühlte sich zwar „betroffen“ von diesem neuen IT-Paradigma, aber die Antwort lag nicht auf der Hand.

Die Vision einer offenen Cloud: Initiativen wie die Open Cloud Initiative oder die Cloud-Initiative Deutsche Wolke der OSBA treten beim Cloud Computing für die Verwendung offener Programmierschnittstellen und herstellerunabhängiger Standards ein.
Die Vision einer offenen Cloud: Initiativen wie die Open Cloud Initiative oder die Cloud-Initiative Deutsche Wolke der OSBA treten beim Cloud Computing für die Verwendung offener Programmierschnittstellen und herstellerunabhängiger Standards ein.
( Archiv: Vogel Business Media )

Denn die Open-Source-Definition trifft auf Cloud Computing nicht zu. Kurz gesagt: Die Verfügung über den Quellcode eines Programms interessiert einen Cloud-Anwender erst einmal nicht, schließlich will er eine Anwendung nicht selbst betreiben, sondern lediglich ihre Funktionen aus der Wolke als Service nutzen.

Dass aber von Anfang an die Cloud-Angebote von IT Anbietern dermaßen von proprietären Eigenschaften geprägt waren, war nicht nur eine Herausforderung für die Open-Source-Community. Vendor-Lock-in drohte. Den Vogel schoss dabei Dell ab mit dem vergeblichen Versuch, den Begriff Cloud Computing als Warenzeichen schützen zu lassen. Wenn Cloud Computing nicht gleich sterben sollte, brauchte es ein Minimum an Offenheit, um die potenziellen Anwender nicht gleich völlig zu verschrecken. Das war bald auch proprietären Anbietern klar.

Open Cloud Manifest

„Dedicated to the belief that the cloud should be open“, so das Credo des Cloud Manifests. (Archiv: Vogel Business Media)

Am 1. April 2009 erschien das „Open Cloud Manifesto“ mit dem Zusatz: „Dedicated to the belief that the cloud should be open“. Das Dokument haben bis heute mehr als 400 Firmen unterzeichnet, darunter zahlreiche Open-Source-Anbieter, aber auch einige Größen der IT-Branche wie IBM, HP, SAP, Sun und VMware – nicht aber Amazon, Dell, Google, Microsoft und Oracle. Der Kernsatz des Manifestes lautet: „Cloud-Anbieter dürfen ihre Marktposition nicht nutzen, um Kunden an die jeweilige Plattform zu binden und ihre Provider-Auswahl zu beschränken.“

Um das möglich zu machen, sollten die Anbieter Standards verwenden und solche, wo noch nicht vorhanden, gemeinsam neu entwickeln. Dieses müsse unter dem „Imperativ der Anwenderanforderungen“ stehen. Konkret wird das Manifest aber nicht. Beispielsweise wird weder definiert, wie die technischen Rahmenbedingungen auszusehen haben oder wer sie definiert oder wie die Anwenderanforderungen einfließen können. Das Manifest ist also eine eigentlich unverbindliche Vorgabe für Geschäftsprinzipien von Cloud-Anbietern.

weiter mit: Cloud-Analyse aus Open-Source-Sicht

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