OpenStack und die Enterprise-Virtualization-Plattform 3.2 Open Future bei Red Hat – RHEL 7 und mehr

Autor / Redakteur: Thomas Drilling / Ulrike Ostler

Der Juni steht bei Red Hat traditionell im Zeichen der Hausmesse Red Hat Summit, die zur Montagsmitte in Boston über die Bühne gegangen ist. In diesem Jahr stand sie zwar zwar offiziell unter dem Motto „Connected“, drehte sich aber hinter den Türen um OpenStack, OpenShift und Storage.

Firmen zum Thema

Auf dem Red Hat Summit in Boston stellt die Open Source Companie auch neue Releases ihrer Produktrenner vor.
Auf dem Red Hat Summit in Boston stellt die Open Source Companie auch neue Releases ihrer Produktrenner vor.
(Bild: Red Hat)

Vor Allem OpenStack-Experten zeigen sich derzeit überwiegend erstaunt, wie schnell, zielsicher und konsequent Red Hat in den vergangenen sechs Monaten seine IaaS-Strategie ganz auf den Cloud-Stack ausgerichtet hat. Vorläufiger Gipfel war in Boston die Ankündigung zweier neuer OpenStack-Bundles „Red Hat Cloud Infrastructure“ und „Red Hat Enterprise Linux OpenStack Platform“.

Dem geneigten Beobachter drängt sich nun die Frage auf, ob Red Hat gut für OpenStack ist oder OpenStack für Red Hat?

All over OpenStack

So oder so waren die Vortrags-Räume auf dem Haus-Event teilweise bis zum Bersten gefüllt, so dass ein ums andere Mal Interessanten auf parallel stattfindende Tracks verwiesen werden mussten. Die drehten sich in den verschiedenen Variationen und Schwerpunktsetzungen, Mal die Community, Mal vorwiegend Kunden oder durch die Red-Hat-Produkte garantierte Mehrwerte adressierend, um die „inoffiziellen“ Kernthemen OpenStack, OpenShift und Storage.

Informationen zu Red Hats JBoss Middleware Anwendungsplattform liefert die Keynote von Graig Muzilla, Vize Präsident und General Manager Middleware Business Unit, die als Video verfügbar ist. Weitere Videos zur gesamten Veranstaltung sind inzwischen ebenfalls verfügbar.

RHEL 7

Im Hagel der Ankündigung neuer Produkte, Absichtserklärungen und strategischer Zukunftsmusik waren Informationen zu den existierenden Produkte etwas unterrepräsentiert. So referierte etwa Frederik Bijlsma, EMEA Business Unit Manager Cloud bei Red Hat, zwar bereitwillig und enthusiastisch über OpenStack, musste aber auf RHEL 7 angesprochen zugeben, dass sich Red Hat mit Eckdaten zur kommenden Major-Version von Red Hats Enterprise-Betriebssystem – immerhin die tragende Säule des erfolgreichen Geschäftsmodells der Unternehmens – auf der Hausmesse bedeckt hielt.

Deshalb stammen die bisher bekannten Eckdaten zu RHEL 7 größtenteils noch aus einer von Tim Burke, Vice President Linux Development auf dem 2012er Summit gehaltenen Präsentation. Denise Dumas, Engineering Director for Red Hat Enterprise Linux (RHEL), steuert immerhin ein paar Eckdaten zur RHEL-Roadmap bei.

So soll RHEL 7 unter anderem „Gnome mit Classic Mode“ als Standard-Unternehmens-Desktop verwenden. Das ist wenig verwunderlich, weil der einerseits an Gnome 2 gewohnten Bestandskunden Kontinuität verspricht und andererseits auch eine vollständige Neukonzeption des bestehenden Trainings-Programms überflüssig macht.

Maria DB, statt MySQL

Wichtiger für den Server-Einsatz ist, das RHEL 7 anstelle von "Oracle MySQL" dessen freien Ableger "MariaDB" verwendet. Beschlossen worden war das von Red Hat bereits im Februar diesen Jahres, und zwar für das in Kürze erscheinende Fedora 19, das als technische Experimentierplattform der Red-Hat-Ingenieure zu großen Teilen als Grundlage für RHEL 7 dienen wird.

Offenbar ist es für Red Hat einfacher, Patches in MariaDB zu integrieren, als beim seit geraumer Zeit unter der Fuchtel von Oracle stehenden MySQL. Dass sich Red Hat und Oracle nicht besonders nahe stehen ist kein Geheimnis, insbesondere seit Oracle mit seinem als direkten RHEL-Ableger konzipierten Oracle Linux nicht unerhebliche Einnahmen durch bis heute rund 10.000 Support-Verträge erzielt.

Maßgabe: Lizenzbedingungen

Ebenfalls kein Geheimnis in der Szene und Hauptgrund für das Initiieren des MariaDB-Ablegers ist, dass sich sich Oracle mit der Übernahme von Sun im Jahr 2009 und seinen Verhalten in Bezug auf Java, OpenOffice und MySQL keine Freunde in der Open-Source-Szene macht. So verschärfte Oracle unmittelbar nach der Übernahme unter anderem die Lizenzbedingungen von MySQL, strich die günstigeren Support-Angebote aus dem Programm und verdoppelte die Preise für die kommerziellen Versionen.

Im Jahr 2012 sind neben Fedora auch einige andere namhafte Distributionen wie Opensuse, Slackware und Arch Linux auf MariaDB umgestiegen. Zum Erscheinungstermin von RHEL 7 hüllte sich Red Hat allerdings auch in Boston in Schweigen. Geplant ist eine Veröffentlichung im Herbst diese Jahres.

RHEV 3.2

Konkretes und dem Gesichtspunkt Datacenter Virtualization gab es dagegen von und zu "Red Hat Enterprise Virtualization" (RHEV), deren neue Version 3.2 ebenfalls in Bosten präsentiert wurde. Zwar ist RHEL nach wie vor Garant von Red Hats Geldsegen (siehe: Kasten), RHEV entwickelt sich aber mehr und mehr zu einem strategischen Schlüssel-Produkt für Red-Hats Cloud-Lösungen.

Auch ohne die Rolle von RHEV im Cloud-Portofolio konnte RHEV als Virtualisierungsprodukt schon mit der Version 3.1 vom Dezember 2012 die direkten Konkurrenten vShere und Xen Server technologisch überflügeln (seit der Version 3.1 unterstützt RHEV 160 virtuelle Cores, 2 Terabyte Arbeitsspeicher je VM und kann bis zu 4096 logische CPUs mit 64 Terabyte RAM verwalten). Außerdem kann die Version endlich mit der bis einschließlich RHEV 3.0 unter Experten als Peinlichkeit verspotteten Notwendigkeit brechen, eine Windows-Maschine mit .Net und AD-Anbindung als Administrationsplattform zu benötigen.

Die neue ab sofort erhältliche Version 3.2 von Red Hat Enterprise Virtualization (RHEV) punktet mit voller Unterstützung von Storage Live Migration und einem Framework für Plug-Ins. Mit Hilfe von Storage Live Migration können von den virtuellen Maschinen verwendete Datenträger im laufenden Betrieb von einer Storage Domain in eine andere verschoben werden.

Unterstützung durch Partner

Das neue Plug-in-Framework erlaubt es Software, sich in das Management-Interface der Virtualisierungs-Plattform einzuklinken. HP, Netapp und Symantec haben bereits Unterstützung angekündigt.

Ferner soll sich bei RHEV 3.2 die Netzwerk-Konfiguration der virtualisierten Maschinen jetzt besser zur Laufzeit ändern lassen. Ebenfalls begrüßenswert ist, dass das Administrations-Portal jetzt in Deutsch und weiteren Sprachen zur Verfügung steht.

RHEV 3.2 bringt auch eine verbesserte Unterstützung zum Verwalten von Red Hat Storage mit, die allerdings noch als Technology Preview ohne offiziellen Support klassifiziert ist. Weitere Neuerungen liefern die Release Notes der Management-Komponenten von RHEV unter „What's New“ und die Produkt-Webseite von Red Hat.

Der Autor:

Autor und Blogger Thomas Drilling gibt OpenStack bei und mit Rad Hat großen Chancen.
Autor und Blogger Thomas Drilling gibt OpenStack bei und mit Rad Hat großen Chancen.
(Bild: Thomas Drilling)
Thomas Drilling ist freier Autor und bloggt auf DataCenter-Insider.de über Enterprise-relevante Open-Source-Themen, -Tools und -Kniffe.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:40292430)