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Der Kollaps von RZ-Netzen lässt sich verhindern Online-Videos im Datacenter

| Redakteur: Ulrike Ostler

Der Anteil von Online-Videos am Datenverkehr im Web steigt stetig. Trends wie Cloud-Computing und Software-as-a-Service (SaaS) stellen Web-Hoster und Betreiber von Rechenzentren vor zusätzliche neue Herausforderungen. Dietmar Schnabel, Geschäftsführer DACH und Osteuropa bei Blue Coat, gibt Auskunft über WAN-Optimierung und den richtigen Umgang mit Online-Videos.

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Dietmar Schnabel verantwortet das Geschäft von Blue Coat in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in Osteuropa. Er sagt: Online-Videos drohen die Netze in Rechenzentren zu ersticken, wenn keine gezielten Gegenmaßnahmen erfolgen.
Dietmar Schnabel verantwortet das Geschäft von Blue Coat in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in Osteuropa. Er sagt: Online-Videos drohen die Netze in Rechenzentren zu ersticken, wenn keine gezielten Gegenmaßnahmen erfolgen.
(Bild: Blue Coat)

Nachrichten sowie Berichte über aktuelle Ereignisse werden zunehmend direkt als Video ins Web gestellt. Droht den Datacenter-Betreibern und Web-Hhostern der Kollaps ihrer Netze?

Dietmar Schnabel: Einen Kollaps der Netze können wir nicht erkennen. Denn dort sind Lösungen zur WAN-Optimierung in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil der Infrastruktur geworden. Diese Lösungen ermöglichen es, Datenverkehr intelligent zu verwalten, nur das nötigste zu übertragen und gezielt bestimmten Anwendungen Vorfahrt zu geben.

Allgemein ist zu bedenken, dass sich das Nutzungsverhalten der Anwender stark verändert hat und auch zukünftig weiter ändern wird. Mobilität und eine höhere Vielfalt der genutzten Endgeräte sind einige der treibenden Faktoren. Dabei wird der Anteil von Videos am Datenverkehr im Web noch weiter steigen. Und dadurch wird es in Zukunft noch wichtiger, den Traffic intelligent zu managen, passgenau und policy-basiert zu optimieren, gezielt zu beschleunigen und auch wirkungsvolle Echtzeit-Sicherheitsmechanismen einzusetzen.

Welche Herausforderungen gilt es hier aktuell zu meistern?

Dietmar Schnabel: Momentan sind das im Wesentlichen drei: Erstens den Zugriff über das Web auf zentral gehostete Unternehmensanwendungen zu beschleunigen, zweitens die Bereitstellung hochauflösender Videos und Rich-Media-Anwendungen über bestehende Netze und drittens die Beschleunigung von SaaS- und Cloud-Anwendungen.

Was bedeutet diese Entwicklung für Weitverkehrsnetze und das Web?

Dietmar Schnabel: Es bedeutet, dass sich das Web ganz deutlich zu dem Kommunikationsmedium schlechthin entwickelt. Dabei wird sich auch die Art, wie wir über das Web kommunizieren, weiter verändern. Dazu tragen unter anderem die zunehmende Verwendung sozialer Netze und die steigende Nutzung von Rich-Media-Anwendungen bei.

Allerdings darf man hier Online-Videos nicht mit privatem Surfen verwechseln. Denn immer mehr Unternehmen setzen Videos auch zur Schulung ihrer Mitarbeiter und für die Unternehmenskommunikation ein. Wir erwarten sogar, dass Online-Videos in drei Jahren 90 Prozent des gesamten Web-Verkehrs ausmachen.

Trends wie SaaS und Cloud-Computing tragen ihr übriges dazu bei. In Zukunft geht es also nicht mehr nur darum, Anwendungen über das WAN zu beschleunigen. Das WAN muss unabhängig von der Nutzung volle Leistung bringen und die zuverlässige Performance von Geschäftsanwendungen gewährleisten.

Wie können sich Hoster und Betreiber von Rechenzentren dafür rüsten?

Dietmar Schnabel: Grundsätzlich sind Lösungen zur WAN-Optimierung eine gute Möglichkeit, diesen Herausforderungen zu begegnen. Aber es gilt bei der Auswahl entsprechender Produkte einige Dinge zu beachten: Moderne Lösungen sollten Web-Inhalte auch SSL-verschlüsselt priorisieren und beschleunigen sowie den Bandbreitenverbrauch über Technologien wie Object-Caching minimieren.

Zudem wird in Zukunft der richtige Umgang mit Online-Videos immer wichtiger. Web-Hoster beispielsweise können dazu Technologien wie Stream-Splitting, Cache-Pre-Population und Video-On-Demand-Caching einsetzen. Auch die Beschleunigung von Cloud- und SaaS-Anwendungen wird wesentlich an Bedeutung gewinnen.

Und gerade SaaS bringt neue Verwaltungsherausforderungen mit sich: Da solche Services über HTTPS verschlüsselt übertragen werden, muss die eingesetzte Optimierungstechnik beim Hoster in der Lage sein, HTTP und SSL auch asymmetrisch zu beschleunigen sowie die Zertifikatverwaltung auf der Client-Seite zu sichern. Und es muss möglich sein, geschäftskritische SaaS-Anwendungen über Richtlinien zu priorisieren.

Das hört sich kompliziert an. Welchen Tipp können Sie Web-Hostern mitgeben?

Dietmar Schnabel: Hoster sollten sich frühzeitig auf die Herausforderungen von morgen vorbereiten und bei der Auswahl der WAN-Optimierungstechnik darauf achten, dass sie Folgendes kann: alle Anwendungen im WAN ermitteln, Richtlinien zur Bandbreitenbegrenzung für private Anwendungen anwenden (diese einfach zu blockieren ist heute nicht mehr zeitgemäß), die Übertragung der wichtigen Daten im WAN optimieren und geschäftskritische Anwendungen entsprechend vordefinierter Policies priorisieren.

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