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Das Rechenzentrum lebt! Nutanix argumentiert mit IDC gegen Gartner

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Ulrike Ostler

Laut Gartner werden sich in den kommenden fünf Jahren rund 80 Prozent der Unternehmen von ihren lokalen Rechenzentren verabschieden. Nutanix glaubt das nicht und behauptete auf seiner „.NEXT on tour“-Konferenz in Darmstadt (fast) das Gegenteil.

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Die „Partner Xchange: Germany 2020“-Konferenz von Nutanix fand in Darmstadt statt. Tags darauf folgte die Hybrid Cloud-Konferenz ".NEXT on tour Germany 2020".
Die „Partner Xchange: Germany 2020“-Konferenz von Nutanix fand in Darmstadt statt. Tags darauf folgte die Hybrid Cloud-Konferenz ".NEXT on tour Germany 2020".
(Bild: Dr. Dietmar Müller)

Carsten Purschke, bei Nutanix als Cloud Economist Central Europe tätig und früher selbst bei Gartner beschäftigt, erklärte in Darmstadt auch wieso. Gestützt auf den selbst in Auftrag gegebenen Enterprise Cloud Index 2019 von Vanson Bourne, macht er nämlich einen genau gegenläufigen Trend aus: Zwar und tatsächlich wolle sich fast die Hälfte der deutschen Unternehmen in den kommenden drei bis fünf Jahren von traditionellen Datacenter-Infrastrukturen verabschieden, gleichzeitig beabsichtigen laut Studie aber drei Viertel (76 Prozent), Workloads aus der Public Cloud in die eigene IT-Umgebung zurückzuholen .

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„Das ist der Punkt“, so Peter Goldbrunner, Senior Regional Sales Director Deutschland und Österreich bei Nutanix. „Wo es kein Rechenzentrum mehr gibt, kann auch nichts zurückgeholt werden. Ohne eigene Infrastruktur ist ein Kunde nicht mehr flexibel handlungsfähig.“ Insofern sei der massenhafte Tod von lokalen Serverräumen eher unwahrscheinlich.

„Ein wichtiger Grund für diesen Perspektivenwechsel ist sicher die Tatsache, dass die Euphorie der vergangenen Jahre einer realistischeren Einschätzung und dem Bedarf an einem Hybrid-Cloud-Ansatz gewichen ist“, so Goldbrunner. „Auch hier gilt: Aus Erfahrung wird man klug.“

HCI holt Workloads zurück

Der Trend zurück ins hauseigene Rechenzentrum hat nach seiner Ansicht einen guten Grund: Die Hyper Converged Infrastructure (HCI). In der Anschaffung durchaus eine Investition, wie auch das deutsche Management offen zugibt, mittel- und langfristig aber ein Segen für das Rechenzentrum. Das sagt auch IDC, auf deren Untersuchung Nutanix in Darmstadt gerne und oft verwies. Auch sie wurde von Nutanix gesponsert – was allerdings nicht zwangsläufig gegen ihren Wahrheitsgehalt spricht.

IDC stellt in der Studie fest, dass sowohl die Migrations- als auch die Betriebskosten für das Verschieben von Anwendungen in die Public Cloud in der Regel viel teurer als erwartet ausfallen. Ohne Zweifel seien die Offerten der Public Cloud auf den ersten Blick billiger als traditionelle Ansätze, jedoch nicht im Vergleich zu neuen Technologien, die auf HCI basieren.

Diese böten darüber hinaus eine „Public Cloud-ähnliche Erfahrung“ sowie ein hohes Maß an Flexibilität. In dem zugehörigen IDC-Whitepaper wird vorgerechnet, dass die Nutanix Enterprise Cloud als Infrastruktur-Grundlage über fünf Jahre hinweg um 62 Prozent günstiger kommt als die Nutzung öffentlicher Cloud-Ressourcen.

Basierend auf Befragungen von Nutanix-Kunden, die im Schnitt rund 30.000 Mitarbeiter aufweisen und damit eher zum Enterprise-Segment zählen, berechnete IDC Einsparungen pro Jahr in Höhe von rund 13,44 Millionen Dollar durch den Einsatz einer HCI. Umgerechnet auf den Jahresvorteil pro 100 Mitarbeiter/IT-Endnutzer wären das ungefähr 46.876 Dollar. Auf fünf Jahre lasse sich damit ein Return on Investment (ROI) von sagenhaften 477 Prozent erzielen, und zwar unter anderem durch:

  • die Nutzung einer agilen, skalierbaren, kostengünstigen und leistungsstarken IT-Plattform,
  • die Minimierung ungeplanter Ausfallzeiten
  • weniger Zeitaufwand für die Verwaltung und Unterstützung von Compute- und Speicherressourcen
  • eine leichtere Entwicklung und Bereitstellung von Anwendungen für Mitarbeiter und Kunden
  • den Aufbau kostengünstigerer IT-Infrastrukturen und
  • eine Reduzierung der Lizenzen

Die Betriebs OPEX- und TCO-Kosten sänken auch deswegen deutlich, weil sich die HCI zum Ende des fünfjährigen Lebenszyklus Knoten für Knoten ersetzen lasse. Arbeiten an der gesamten Anlage sind dadurch nicht nötig.

„Cloud-smart“ statt „Cloud-first“

Der CTO von Nutanix Rajiv Mirani prognostizierte dann auch für Rechenzentren im Jahr 2020 eine „Cloud-smart-“ statt einer „Cloud-first-Strategie“. Er benannte als Vorteile einer HCI analog zu IDC insbesondere eine infrastrukturunabhängige und automatisierte App-Mobilität, Skalierbarkeit, Flexibilität und Elastizität, aber auch die Möglichkeit, ein Cloud-typisches verbrauchsorientiertes Abrechnungsmodel wie die von Nutanix angebotenen Infrastruktur-Abonnements zu nutzen.

In Workshops zeigte Nutanix dann auch erwartungsgemäß, wie es sich die Modernisierung des Rechenzentrums vorstellt. Verschiedene Experten zeigten, wie sich eine moderne Cloud-basierte Infrastruktur entwerfen und betreiben lässt, so dass diese für die Anwender „unsichtbar wird“. Dadurch könnten sie sich ganz auf Geschäftsanwendungen und -dienste konzentrieren.

Dabei seien die angestrebten Prozesse durchaus anspruchsvoll: „Haben Sie schon einmal einen Workload migriert, vielleicht sogar zurück ins eigene Rechenzentrum?“, fragte provokativ Goldbrunner. „Gar nicht so einfach, gell?“ Zum Glück könnten die deutschen Datacenter-Betreiber auf die Hilfe seines Unternehmens vertrauen, denn „unser Nutanix Enterprise Cloud OS für Applikationsmanagement und Mobility macht das im Prinzip mit einem Click möglich.“

Rechenzentren mit zwei Geschwindigkeiten

Auf ein besonderes Phänomen im Rechenzentrum macht Markus Pleier, CTO und SE Director Central Europe bei Nutanix aufmerksam: Eine IT der zwei Geschwindigkeiten. In der (Multi-)Cloud agiere sie schnell und flexibel, die starrere Infrastrukturumgebung im eigenen Rechenzentrum agiere dagegen träge, aber zuverlässig. Diese Phase neige sich jedoch entschieden ihrem Ende zu – auch hier wurde die HCI als Grund angeführt.

„In den kommenden fünf Jahren wird sich der Infrastrukturmarkt in Deutschland aller Voraussicht nach von Grund auf ändern. Die Unternehmen haben verstanden, dass ein Nebeneinander von unterschiedlichen Technologiewelten auf Dauer nicht funktionieren kann“, so Goldbrunner.

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Dr. Dietmar Müller

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Journalist