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Die Bausparkasse profitiert von hoher Taktfrequenz der Hybridrechner Neue IBM-Mainframes senken bei Schwäbisch-Hall die Gesamtkosten

Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter* / Ulrich Roderer

Als einer der ersten Anwender in Deutschland hat die Schwäbisch-Hall im vergangenen Jahr zwei neue Mainframes vom Typ z196 gekauft. Die von IBM als „Hybrid“-Großrechner vermarkteten Boliden glänzen insbesondere mit der hohen Taktrate - 5,2 Gigahertz - ihrer Prozessoren.

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Schwäbisch-Hall setzt als einer der ersten Anwender auf die Hybridrechner vom Typ IBM z196.
Schwäbisch-Hall setzt als einer der ersten Anwender auf die Hybridrechner vom Typ IBM z196.
( Archiv: Vogel Business Media )

Alexander Lichtenberg hat es eigentlich gut. Als IT-Vorstand der Bausparkasse Schwäbisch-Hall (BSH) liegt die letzte Entscheidung über die Anschaffung neuer Mainframes bei ihm. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen in anderen Unternehmen muss der Manager aber etwaige Investitionsentscheidungen in IT nicht gegen Non-IT-Projekte verteidigen, denn er ist als Mitglied des Vorstands der Bausparkasse unter anderem auch noch für den Kredit- und Sparbereich sowie den Einkauf zuständig.

„Bei uns geht es darum, die Gesamtkosten, also IT- und Verarbeitungskosten niedrig zu halten“, beschreibt Lichtenberg seine Maxime bei allen Entscheidungen. „Immer dann, wenn wir durch die neue IT per Saldo unsere Verwaltungskosten reduzieren, wird in IT investiert. Sollten die Verwaltungskosten durch den IT-Einsatz steigen, dann stellen wir eher Personal ein“, erläutert Lichtenberg.

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Alle vier Jahre wird erneuert

Im vergangenen Jahr lag wohl Fall eins vor, denn die BSH schaffte zwei neue Mainframes vom Typ z196 an. „Wir prüfen immer, wie weit man mit den bestehenden Kapazitäten kommt und versuchen, Leistungssteigerungen auch durch bessere Programmierung zu erreichen“, sagt der IT-Vorstand. Aber die alten Maschinen waren am Ende ihrer Lebenszyklen angelangt und Lichtenberg und sein Team entschlossen sich wieder einmal, „auf das höhere Niveau zu springen“.

„Wir erneuern im Schnitt unsere Großrechner alle vier Jahre und überspringen damit meist genau eine Rechnergeneration“, so Lichtenberg. Die Ablösung der alten z-9-Systeme bedeutet zugleich die Lieferung komplett neuer Maschinen: Anders als sonst, erhielt die BSH tatsächlich neue Chassis und nicht nur einen Prozessorboard-Upgrade. Allerdings sind die physischen Dimensionen gleich geblieben: Der Formfaktor von alter z-9 und neuer z196 ist der gleiche.

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Problemloser und schneller Umstieg

Alexander Neumann, Abteilungsleiter im IT-Bereich ist für IT-Strategie und IT-Architekturmanagement sowie den IT-Betrieb zuständig und war als Auftraggeber für das Beschaffungsprojekt verantwortlich. Er beschreibt die Inbetriebnahme der beiden neuen Maschinen als „unproblematisch“: „Die IBM garantiert ja volle Kompatibilität, der Aufwand für Test und Inbetriebnahme ist verhältnismäßig gering. In diesem Punkt ist die zSeries absoluter Benchmark.“

Am 27.Oktober 2010 wurde die erste Maschine in Betrieb genommen, zwei Wochen später die zweite. Damit sollte sichergestellt werden, dass insbesondere die hauseigene Kern-Applikation „Back Office Bausparen“ (Bob) auch wirklich permanent und unterbrechungsfrei zur Verfügung steht. Bis zum kompletten Maschinentausch lief ja mindestens ein Altsystem.

Die beiden neuen z196-Mainframes sind über Parallel-Sysplex - mit Data Sharing – verbunden. Damit dient der zweite Rechner nicht nur dem Backup und Disaster Recovery, sondern er wird bei Leistungsspitzen auch zur Lastverteilung genutzt.

Für die Inbetriebnahme eines neuen Mainframes reicht ein Tag aus. Mitarbeiter der IBM waren vor Ort, um die Verkabelung vorzunehmen. Die Migration der Software erledigte hauptsächlich Ralf Hofmann, der bei der VR Kreditwerk AG, einer 100prozentigen BHS-Tochter, im Bereich IT Operations den Umstieg als Projektleiter begleitete. „Die Software ist in ein paar Stunden migriert, am längsten dauert danach das Testen der Softwarefunktionalität“, beschreibt Hofmann das Prozedere.

Wo der Schuh drückt

Mittlerweile kann die BSH auf ein Jahr Erfahrung mit den neuen Systemen zurückblicken. Die beiden Rechner verfügen über jeweils 32 Prozessoren, wobei bislang aber nur vier in der einen und fünf Prozessoren in der anderen Maschine für den z/OS-Betrieb genutzt werden.

Das Ungleichgewicht erklärt sich aus der Gesamtkostenbetrachtung, die IT-Vorstand Lichtenberg allen Entscheidungen zugrunde legt. In diesem Fall betrifft das die Softwarelizenzgebühren, die IBM verlangt. „Den zehnten Prozessor freizuschalten wäre kein Problem, aber der würde bei der Softwarelizenz mit mehr als zehn Prozent zu Buche schlagen“, hat Abteilungsleiter Neumann ausgerechnet und sich deshalb dagegen entschieden. „Im Regelbetrieb reichen neun Prozessoren aus. Wenn wir aufrüsten müssen, dann schalten wir wechselseitig auf beiden Maschinen Prozessoren zu“, skizziert er den Wachstumspfad.

Die BSH kämpft wie alle anderen Mainframe-Anwender mit dem Ungleichgewicht zwischen Hardware- und Softwarepreisen: Die Hardwarepreise bewegen sich massiv nach unten, so dass eine Maschine, die früher für 20 bis 25 Millionen Dollar zu haben war, heute für einen Bruchteil davon beschafft werden kann. Aber die Lizenzgebühren für die Software ziehen nicht mit. „Das Verhältnis zwischen Hardware und Software liegt bei 1:5“, hat Neumann ausgerechnet.

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IBM bestraft die treuesten Mainframe-Kunden

Die bestehenden Kernanwendungen werden immer komplexer, so auch bei der BSH, die vor allem regulatorische Maßnahmen wie die Basel-Bestimmungen in der Software abbilden muss. Das führt zu höherem Rechenbedarf, obwohl sich das Geschäft kaum geändert, sprich ausgeweitet hat. Das geforderte Plus an Rechenleistung gleichen die schnelleren modernen CPUs leicht – kostenneutral – aus, aber die Lizenzgebühren steigen trotzdem, weil sie sich am Kapazitätswachstum der Anwendung orientieren und die sogenannte „Technologie-Dividende“ im Softwarebereich nur einen Teil dieses Effektes kompensieren kann.

So steigen die Softwarekosten, selbst wenn das Business stabil verläuft. Nicht nur Lichtenberg und sein IT-Team wünschen sich eine Anpassung seitens der IBM. „Andere Softwarelieferanten bieten eine Flatrate an, die sich an einer bestimmten Kennzahl – etwa Anzahl der Mitarbeiter oder Kunden – orientiert“, beschreibt IT-Manager Neumann, was er sich auch von der IBM wünscht.

Weil sich Big Blue aber seit Jahren solchen Forderungen verschließt, versuchen viele Anwender, Teile vom Großrechner auf kostengünstigere Architekturen zu verlagern. Wer das nicht kann, muss tief in die Tasche greifen.

IBM selbst scheint mit dem Angebot eines Hybrid-Rechners wie dem z196 den Trend zur Auslagerung von Programmen zu unterstützen. Allerdings besteht derzeit nur die Möglichkeit der gemeinsamen Verwaltung von Mainframe- und Blade-Rechnern, die in einem extra Chassis untergebracht und per Fibre-Channel mit dem Großrechner verbunden sind.

Die BSH nutzt das Angebot der zBX-Erweiterungseinheit derzeit nicht. Stattdessen setzen Lichtenberg und sein IT-Team bei ihrer dreistufigen Architektur aus Kostengründen auf herkömmliche Blade-Center von Hewlett-Packard. Auch die Möglichkeit, Linux native auf dem Mainframe ablaufen zu lassen, wird diskutiert, momentan aber noch nicht praktisch genutzt.

Aber auch die Bausparkasse hat bereits Arbeitslasten vom Mainframe abgezogen. So läuft etwa die Workflow-Steuerung oder die Druckaufbereitung der Massenkorrespondenz über Thin-Clients und HP-Blades. Die Backend-Verarbeitung mit den Datenbanken und der Batchverarbeitung bleibt bei den beiden Rechenboliden.

BSH setzt schon lange auf Nachhaltigkeit

Als IBM die neuen Hybrid-Großrechner im vergangenen Jahr präsentierte, wurde auch ein Augenmerk auf die Energieeffizienz der neuen Rechnergattung gelegt. Big Blue verspricht, dass die neuen Systeme bei gleicher Energieaufnahme um bis zu 60 Prozent mehr Rechenleistung erbringen als die Vorgängergeneration z10. Als Zeichen der ökologischen Ausrichtung der z196-Serie versprach IBM für jede in 2010 erteilte Bestellung einen Baum auf dem Kundengelände zu pflanzen. Werbewirksam setzte die neue IBM-Deutschlandchefin Martina Koederitz bei der BSH im September das Versprechen in die Tat um.

Für IT-Vorstand Lichtenberg passt das gut zur hauseigenen Politik der Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. So wurden Zug um Zug die unterschiedlichen Gebäude auf dem Firmengelände „energetisch nach neuestem Stand der Technik ausgestattet“: Bewegungssensoren steuern die Innenbeleuchtung, Brauchwasser spült die Toiletten, die Hausdächer sind begrünt. Den Energiebedarf deckt Lichtenberg mit Ökostrom, auch wenn der etwas teurer ist: „Die Nachhaltigkeit passt gut zu unserem Geschäftsmodell, wir finanzieren ja Wohneigentum und keine Sylvester-Raketen.“

Fazit: Viele Vorteile trotz der Lizenzmisere

Sehr zufrieden sind die BSH-Manager über die Leistungsfähigkeit der neuen Hybrid-Mainframes. Insbesondere die Uniprozessorleistung reduziert Transaktionszeiten um zirka 20 Prozent gegenüber dem Vormodell, die Batch-Laufzeiten verringerten sich um 50 Prozent. „Je CPU-intensiver die Anwendung, desto höher die Zeitersparnis“, hat IT-Abteilungsleiter Neumann festgestellt und führt das auf die hohe Taktrate von 5,2 Gigahertz im Vergleich zu den 1,6 GHz der z-9-Prozessoren zurück. Insbesondere die hohe Uniprozessorleistung wird dazu führen, dass die Schwäbisch-Hall später als geplant werde nachrüsten müssen.

Bei der Stromaufnahme der neuen Rechner sieht er einen reduzierten Energiebedarf bezogen auf die Mips-Leistung. Wenn in drei Jahren die neuen Hybridrechner voll ausgebaut sein werden, „dann kommt die Energieeffizienz erst so richtig zum Tragen“, glaubt Neumann.

Allerdings drückt die IT-Abteilung schon seit 2007 den Stromverbrauch der Systeme, hauptsächlich durch Virtualisierung und Konsolidierung. Von damals bis jetzt verringerte sich der Stromverbrauch um 10 Prozent. Die neuen Mainframes werden ihn weiter sinken lassen, da sind sich die BSH-Manager sicher.

*Kriemhilde Klippstätter ist freie Autorin, Coach und Mediatorin in München.

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