IP Infusion entkoppelt mit OcNOS Netz-Hardware von -Software

Netzwerk-Betriebssystem für Open Compute

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

(Bild: Tim Reckmann, pixelio.de)

Es gehört zum Open Compute Project, das proprietäre Grenzen in Rechenzentren aufheben will. Eine modulare Basisumgebung lässt sich sehr flexibel auf verschiedene Hardware aufsetzen und funktional nach Bedarf verkleinern oder erweitern.

Netzwerkkomponenten gehören zu den proprietärsten Elementen jedes Rechenzentrums. Gewöhnlich ist die Hardware immer mit einem eigenen Betriebssystem und eigener Funktionssoftware verbunden. Dass steht dem Open Compute Project entgegen, das jede für Anwender kostspielige Einengung aufbrechen möchte. In Sachen Netzwerk ist dabei die Firma IP Infusion vorgeprescht, die seit 15 Jahren mit der Produktreihe ZebOS ein ganz gutes Geschäft macht. Ein zweites Hauptprodukt scheint ein Betriebssystem für Open Networking mit Namen „Open Compute Network Operation System“, kurz OcNOS, zu werden. Es wurde im letzten Jahr vorgestellt und ist jetzt in Version 1.1.

Linux-Basis, sehr offen, aber nicht Open Source

OcNOS setzt auf Linux auf, ist aber nicht Open Source, was im Open Compute Project auch nicht zwingend erforderlich ist. Es ist allerdings so angelegt, dass es der Intention des Projekts wieder entspricht. Denn es entkoppelt die Hardware von sämtlicher auf ihr laufender Software. Netzwerkspezifische Software kann also auch auf Standardservern „von der Stange“ laufen. Das gibt dem Begriff „Software Defined Networks“ (SDN) erst richtig Sinn. Und es passt auch zur „Network Function Virtualization“ (NFV), die gerade im OpenStack-Project eine zentrale Rolle spielt. Denn OcNOS gibt es als normale Software ebenso wie als virtualisierte Lösung.

Das Betriebssystem ist in mehrere Abstraktions-Layer gegliedert, die funktional jeweils spezifische Aufgaben haben. Dabei sind sämtliche interne wie externe Schnittstellen auf Standards zugeschnitten, wobei es aber auch verbreitete proprietäre Interfaces gibt. Der Hardware-Layer lässt sich so an spezifische CPUs und Chipsets anpassen. Ein zweiter Layer ist stark an ZebOS angelehnt und trägt funktionale Aufgaben. Er transportiert beispielsweise die System-Calls und ist ebenso an verschiedene Betriebssysteme der Umgebung anpassbar.

Über den Layern thront der Admin

Ein eigener Management Layer kann auf alle darunter liegenden Ebenen durchgreifen. Er ist also der Ansatzpunkt für alle Anpassungen. Gleichzeitig bietet dieser Layer aber weitere Management-Intefaces. Dazu gehören LCI, SNMP, REST, NETCONF, SAF IMM-OI etc. Das System ist dabei so offen, dass sich weitere hinzufügen ließen.

Das System ist so modular, dass auch Prozesse mit unterschiedlichen Protokollen gleichzeitig laufen können. Gleichzeitig werden alle Prozesse überwacht, die Events lassen sich für verschiedene Monitoring-Systeme auslesen. Im Kern baut OcNOS schon Ausfällen vor, denn es ist redundant ausgelegt und startet auf dem Protokoll-Level bei Unterbrechungen automatisch neu. Redundanz gibt es auch auf dem Device Level, wo Master-Slave-Funktion mit Stand-by-Synchronisierung unterstützt wird.

Minimale Downtime angestrebt

Redundanz und Modularität sind darauf angelegt, auf der Ebene der Protokolle und Prozesse nicht nur Restarts, sondern auch Updates zu ermöglichen. Software-Updates im laufenden Betrieb sind also möglich. Damit könnte OcNOS dazu beitragen, die Downtime in unternehmenskritischen Umgebungen zu reduzieren.

Das Netzwerk-Betriebssystem OcNOS gibt es bereits in mindestens einer Umgebung. Für das Open Networking System S6000 von Dell können es Anwender bestellen.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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