Fehlende Vorbilder und ungleiche Chancen in den IT-Berufen

Monster auf der Suche nach IT-Frauen

| Redakteur: Ulrike Ostler

Die Monster Worldwide Deutschland GmbH ermittelte in einer Studie den Anteil an Bewerberinnen für IT-Positionen in den Unternehmen und fragte nach der Begeisterung für IT-Berufe.
Die Monster Worldwide Deutschland GmbH ermittelte in einer Studie den Anteil an Bewerberinnen für IT-Positionen in den Unternehmen und fragte nach der Begeisterung für IT-Berufe. (Quelle: Monster Worldwide Deutschland GmbH)

Der IT fehlen Frauen. Das besagt eine aktuelle Studienreihe der Monster Worldwide Deutschland GmbH. Demnach kommen von allen Bewerbungen auf IT-Jobs nur rund 15 Prozent von Frauen. Dabei sind die Aussichten gut: Die Jobs in der IT sind zukunftssicher, haben in Zeiten der Digitalisierung ein gutes Image, IT-Fachkräfte können sich ihre Jobs aussuchen und sie werden vergleichsweise gut bezahlt, so die Studie. Wo also ist der Haken?

Im IT-Sektor sind nur 17,4 Prozent aller Bewerber für IT-Positionen Frauen, bei den Top-1.000-Unternehmen sogar nur 13,3 Prozent - ein Durchschnitt von lediglich 15 Prozent! Das sind aktuelle Zahlen aus dem Themen-Special „Women in IT“ der Studienreihe „Recruiting Trends 2017“ des Centre of Human Resources Information Systems (Chris) der Universität Bamberg, die in Zusammenarbeit mit dem Karriereportal Monster entstand.

Befragt wurden die Top-1.000 Unternehmen, die 1.000 größten Unternehmen aus dem Mittelstand sowie 300 IT-Unternehmen. Und die zeichnen ein kontroverses Bild vom Alltag als Frau in der IT. Einerseits sind 54,4 Prozent mit ihrer persönlichen Work-Life-Balance zufrieden, deutlich mehr als Frauen in anderen Branchen. Andererseits registriert rund die Hälfte der Befragten immer noch eine deutliche Chancenungleichheit - bei der Bewerbung ebenso wie am Arbeitsplatz.

Marc Irmisch-Petit, VP General Manager beim Online-Karriereportal Monster, erläutert: „45,3 Prozent der IT-Expertinnen haben Chancenungleichheit am Arbeitsplatz beobachtet oder selbst erfahren. Bei den Männern in der Studie waren es nur knapp 24 Prozent. Chancengleichheit für alle sollte selbstverständlich sein. Wer solche ´Basics` nicht gewährleisten kann, darf sich über fehlende Fachkräfte nicht wundern."

So ist es: Die Realität aus der Sicht der IT-Expertinnen

Es ist immer noch eine Herausforderung, Frauen für die IT zu begeistern. Laut Untersuchung sind die Gründe dafür vielfältig.

1. Fehlende Vorbilder

Die Studie fragt: Warum zieht es so wenige Frauen in die IT? Professor Tim Weitzel vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insb. Informationssysteme in Dienstleistungsbereichen, der Universität Bamberg, liefert die Antwort: „Es gibt kaum gesellschaftliche und subkulturelle 'Role Models': Tony Stark und Mr. Robot sind männlich".

Ergänzendes zum Thema
 
Über die Studien(-reihe)

Fast die Hälfte der befragten IT-Expertinnen bestätigt: „Zu wenig Anknüpfungspunkte zwischen Frauen und IT, etwa in frühen Schulphasen“. In Bezug auf die Schule sehen das die in der Studie befragten Unternehmen übrigens genauso (79,4 Prozent der Top-1.000 und 83,3 Prozent der IT-Unternehmen).

Was fehlt, sind auch die Vorbilder, die Berufswünsche erst entstehen lassen - die Mutter der Freundin, die etwas mit Computern macht, die Cousine, die Apps programmiert. Dass es sie gibt, zeigt Monster seit Mitte September. Unter #WomenInTech stellt das Jobportal auf seinen Social-Media-Kanälen IT-Spezialistinnen vor.

Hinweis: Auch die Vogel IT-Akademie widmet sich dem Thema; am 9. November 2017 findet im Waldorf Astoria Berlin die VeranstaltungFemales in IT – Future of ITstatt. Dabei handelt es sich um einen Jahreskongress mit einer Award-Verleihung am Gala-Abend. Zu Wahl stehen 74 Kandidatinnen, die sich um den Titel „Women of the Year“ bewerben.

2. Fehlendes Vertrauen

Obwohl es viele Unternehmen als wichtig ansehen, Frauen für die IT zu begeistern und es etliche Maßnahmen gibt, um sie zu gewinnen und zu halten, zeigt die Studie, dass es ein Vertrauensproblem gibt. „Die machen es nur wegen des Images“, diesen Vorwurf äußerte fast die Hälfte der Teilnehmerinnen der Studie. Ihre Einschätzung ist eindeutig. Weizel saht: „44,2 Prozent der IT-Expertinnen haben den Eindruck, dass Unternehmen nur zu Imagezwecken kommunizieren, dass Frauen willkommen sind, beziehungsweise eingestellt werden.“

3. Chancenungleichheit schon bei der Einstellung

66,0 Prozent der Frauen sehen ihre männlichen Mitbewerber bei Einstellungen im Vorteil - trotz gleicher Qualifikation und Erfahrung! Wenig überraschend beurteilen die Männer selbst das nicht so kritisch. Nur 39,7 Prozent sehen einen Einstellungsvorteil für sich. Allerdings glauben auch nur knappe 35,9 Prozent, dass Frauen und Männer die gleichen Chancen haben. Und selbst wenn die Frauen eingestellt werden, herrscht noch keine Gleichheit: 46,4 Prozent der IT-Spezialistinnen bemängeln die zu männlich ausgerichteten Arbeitsplätze.

4. Vorurteile nicht bestätigen, aber positiv gegenüber Quoten

Übrigens wollen Frauen in der IT nicht nur mit Frauen arbeiten: 66,7 Prozent möchten gerne mit genauso vielen Frauen wie Männern arbeiten und nur 1,9 Prozent ausschließlich mit Frauen.

Es geht also nicht um reine Frauen-Teams. Allerdings unterstützen es 76,9 Prozent der befragten IT-Expertinnen, wenn Arbeitgeber wie der öffentliche Dienst bei gleicher Qualifikation bevorzugt Frauen einstellen (Männer 28,4 Prozent). Gefragt, ob es zum Beispiel in Kindergärten, Grundschulen oder HR-Abteilungen auch eine Männerquote geben sollte, antworteten 73,1 Prozent der IT-Expertinnen mit ja und immerhin auch 46,4 Prozent der IT-Experten.

Gründe für die Einstellung von mehr Frauen auf IT-Positionen aus Sicht der Top-1.000- und der IT-Unternehmen
Gründe für die Einstellung von mehr Frauen auf IT-Positionen aus Sicht der Top-1.000- und der IT-Unternehmen (Quelle: Monster Worldwide Deutschland GmbH)

5. Zukunftsaussichten: rosig

Trotz der Haken, hat die IT einiges zu bieten. Das bestätigen auch die befragten Spezialistinnen, selbst, wenn sie auf ihrer Wunschliste noch ein paar Dinge stehen haben wie flexible Arbeitszeiten (88,5 Prozent), verschiedene Arbeitszeitmodelle (63,5 Prozent) und verständnisvolle Kollegen (72,5 Prozent).

Generell blicken sie optimistisch in die Zukunft: 49,1 Prozent sind optimistisch in Bezug auf die Arbeitsmarktentwicklung für sich persönlich. Die Hälfte von ihnen sieht ebenfalls große Chancen, einen Job zu finden, der den eigenen Ansprüchen genügt, und ein Drittel sieht sogar große Chancen, den eigenen Traumjob zu finden.

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Wer fragt eigentlich die Frauen, ob sie das wollen? Ich kenne genug Frauen, die sich in der Rolle...  lesen
posted am 22.09.2017 um 16:34 von Unregistriert


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